Twin Town ist der Film von den Leuten, die zu viel Trainspotting und Tarantino gesehen haben. Und wer als Zuschauer auch nicht genug aus der Richtung bekommen kann, der darf ihn sich gern ansehen.
Für alle anderen bleibt ein seltsam schräger Zwitter, der manchmal Spaß macht, aber meist zu dicht aufträgt.
Die erste Hälfte präsentiert mal wieder Under-Middle- und Lower Class-Briten der schrägsten Sorte, diesmal halt aus Wales, wo auch reichlich seltsame Leute angesiedelt sind. Dieses abgefahrene Panoptikum kaputter Typen scheint eine witzige Krimikomödie abgeben zu wollen, indem sie neben der Lewis-Familie reichlich Überraschungen auffährt.
Da sind die Bullen korrupt und handeln mit Rauschgift, da mischt der Rugbyvereinspräsident gleich im Handel mit, dessen Tochter vögelt den schmierigen Karaokeking mit Elvisanleihe und die netten alten Leute von nebenan wünschen sich ein paar "Pilze" für zwischendurch.
Den Vogel schießen aber die Lewis-Sippe ab. Neben dem ruppig-fetten Vater und der klischeehaft-schicksigen Mom, arbeitet das proppere Töchterlein der Wohnwagenbewohner im Puff als Kassiererin. Absolute Nullschaltung sind aber die Ifans-Brüder, die hier die titelgebenden Zwillinge mimen, zwei hundertprozentig hirntote Autoklauer, die außer Kiffen und Klebstoffschnüffeln nichts im Kopf haben, abgesehen von einer gesunden Geldgier vielleicht.
Leider fehlt es dem Film an einer Figur, mit der der Zuschauer etwas anfangen kann, einen Sympathieträger oder halbwegs Normalen, der zur Identifikation einläd. Doch hier schießen die Schrägheiten wie wild ins Kraut. Außerdem ist gut abgeschaut noch lange nicht kreativ.
Denn die ewig langen halbverworren-tarantinoesken Charaktere gewinnen hier keinen Kultcharakter, sondern halten die Handlung meist nur auf, die nur halb so innovativ und witzig ist, wie es wohl beabsichtigt war. Denn letztlich entwickelt sich hier alles recht linear, wenn man dann dem häufigen Figurenwechsel folgen will. Und da hier niemand auch nur leicht sympathisch rüberkommt, fällt der Zuschauerkontakt flach.
In der zweiten Hälfte kippt das Ganze dann in reichlich schwarzen Humor um, der jedoch wiederum dem Makabren geopfert wird, wenn am Ende kaltblütig die Bösen gekillt werden.
Eine saubere Auflösung gibt es auch nicht, zwar ist der Tod der Familie zum Schluß irgendwie gerächt, aber keine einzige spritzige Idee führt den Film zu einem Höhepunkt und diverse lose Enden hängen am Ende auch noch über den Rand.
Wer also reichlich ausgeflippte Typen sehen will, die schräge Sachen machen und Dämpfe aus unmöglichen Apparaturen inhalieren, der ist hier richtig und wird sich den Bauch halten vor Lachen. Für mich ist das nur eine weitere Variante der Pulp-Fiction-Chose, allerdings mit humorigen Anleihen aus der untersten Schublade der britischen Gesellschaft. (5/10)