Da muss man tatsächlich genauer hinsehen, wer von wem geklaut hat:
„Cloverfield“ feierte seine Premiere am 16.01.2008, dieser Streifen zwei Tage später.
Aber: Die riesige Marketingkampagne um Erstgenannten schlug im Vorfeld so hohe Wellen, dass sich Eric und Erik dachten: Hey, wir machen dasselbe, alles ein bisschen preiswerter und legen das Produkt „The Asylum“ vor, die bringen eh jeden Scheiß heraus.
In diesem Fall stimmt das leider.
Denn die Fake-Doku ist auf zwei Hauptfiguren, die Schwestern Erin und Sarah minimiert worden, welche in Tokio eine Reportage über die Folgen der globalen Erderwärmung drehen wollen. Gerade im Umweltministerium angekommen, scheint ein Erdbeben die Stadt zu erschüttern…
Ein weiteres Filmtagebuch vom Untergang der Zivilisation, in diesem Fall jedoch reichlich scham - und ideenlos.
Allein die aufgeblähte Umweltkritik, von wegen Kyoto-Protokoll und den Interviewfetzen („Was tun sie gegen die globale Erderwärmung?“) während des Abspanns, lässt darauf schließen, dass man lediglich einen moralischen Aufhänger gesucht hat, um dieses Produkt überhaupt auf den Markt zu bringen.
Ansonsten findet man nur Stückwerk aus Sicht einer billigen Handkamera vor:
Kurze Vorstellung der Schwestern, indem man die Kamera auch mal tauscht und beide zu Gesicht bekommt, aber natürlich keine markanten Charaktereigenschaften einbindet (Sarah trägt ein türkisfarbenes Top, ihre Schwester etwas Helleres), welche die beiden überhaupt voneinander unterscheiden lässt.
Und dann klappert man Stationen im suggerierten Chaos ab, die vom angeblich sicheren Kellerraum über die Wohnung einer hippen Japanerin mit ihrem Großvater bis hin zur Straße und dem damit verbundenen Treffen mit zwei Polizisten reichen. Man will halt irgendwie zur amerikanischen Botschaft oder das American Center erreichen, - da waren sich Eric und Erik beim Schreiben wohl bis zuletzt nicht einig.
Zwischenzeitlich gibt es selbstverständlich ethische Bedenken darüber, ob man wirklich jeden (eventuell) letzten Moment filmen soll und ob man möglicherweise eine Art Testament hinterlassen könnte, doch bei alledem hält man sich beim visualisierten Chaos nahezu komplett zurück, - muss ja preiswert bleiben.
Entsprechend gibt es lediglich einige wenige Momente, die man noch unter der Rubrik Schauwert zusammenfassen könnte. Ein tief fliegender Kampfjet über den Dächern einiger Hochhäuser sieht okay aus, eine aufgerissene Straße geht in Ordnung, qualmende Gebäude sehen ebenfalls ansatzweise apokalyptisch aus, doch wann immer etwas mehr Bewegung ins Spiel kommt, weisen die aufgenommenen Bänder merkwürdige Lücken oder Bildstörungen auf, obgleich die Bildschärfe des Materials unverändert gut bleibt.
Anders ausgedrückt: Alle Formen, die digitales Videomaterial in ihrer Qualität beeinträchtigen können, haben die Macher per Computer nachhaltig integriert ohne dabei auf die authentische Wirkung ihrer Bilder zu achten.
Hinzu kommt dann noch alles, was keine Freude bereitet: Wackelkamera und damit verbundene hektische Sequenzen, zwei austauschbare Gesichter, die ihr Programm nicht gänzlich schlecht, aber auch nicht markant abspulen, eine willkürliche deutsche Synchro und das Titelgebende, welches peinlichst mit einigen Tentakelbewegungen im Hintergrund angedeutet wird.
Eine ärgerliche Mischung aus „The Host“ und den Wurzeln von „Blair Witch Project“ wird uns hier kredenzt, die weder ein Gespür für Spannung aufweist, noch über atmosphärische Momente verfügt.
„Cloverfield“ ist vielleicht anstrengend, aber seine Sichtung aufgrund packender und gut abgestimmter Zutaten wert, - dieser Streifen entpuppt sich hingegen rasch als uninspiriertes Plagiat, welches sich noch nicht einmal die Mühe macht, etwaige Kulissen erinnerungswürdig in Szene zu setzen.
Ein bedauerliches Stück Zeitverschwendung,
2 von 10