Der von Buster Keaton dargestellte Protagonist arbeitet als Filmvorführer in einem Kino ein einfaches Leben. Seiner Angebeteten versucht er mit kleinen Geschenken gerecht zu werden, doch die Konkurrenz ist geradezu kriminell. Da wird er beschuldigt, eine Uhr gestohlen zu haben, was ihn in seinem Gram im Vorführraum des Lichtspielhauses in Schlaf und Traum sinken lässt. Hier kehrt er als Detektiv zurück und nimmt sich des Falls an.
Und spätestens hier dreht Keaton auf, der auch die Regie in „Sherlock, Jr.“ übernahm. Etabliert er vorher noch eine reale Geschichte mit gesellschaftlichen und amourösen Verstrickungen, die nur ab und an den bekannten Humor beinhalten, so beginnt ab der Traumsequenz ein neues Kapitel. Zwar spiegelt dieses die realen Ereignisse, doch werden sie in abgewandelter Form fortgesetzt. So entert Keatons Figur den Film, der im Kino auf der Leinwand gezeigt wird, sprengt so die Grenze zwischen Realität und Abbild und hierdurch wird der eigentlich gezeigte Film unser Film. Das ist einfach einfallsreich und wird mit den vorhandenen Mitteln mehr als ansprechend umgesetzt. Es ist schon eine bemerkenswerte Auseinandersetzung mit dem Medium Film selbst und der Gedanke an die möglichen (Meta-)Ebenen gereicht Keaton zur Ehre.
Hier gibt es dann auch ein paar spektakuläre Sequenzen zu sehen, er springt quasi als im Film gefangen durch die projizierte Szenerie, die zu seiner Realität wird. Möglich wurde dies durch akribische Umsetzung von Schnitt und Kadrierung. Man bedenke die Möglichkeiten im Entstehungszeitraum, das Ergebnis ist fantastisch.
Es folgen weitere toll getrickste Sequenzen, wenn Keaton die Kugel einfach nicht trifft oder der vermeintliche Sprung durch eine menschliche Figur stattfindet. Keaton zeigt hier, was möglich ist und auch heute wirkt dies verblüffend gut umgesetzt. Dass das Ganze nicht ungefährlich war, stellte sich später heraus. Bei der Sequenz auf dem Zug, wenn Keaton vom Wasser nach unten geschleudert wird, wurde sein Genick angebrochen.
„Sherlock, Jr.“ lässt im Vergleich zu manch anderen Werken von Keaton vielleicht die großen Lacher vermissen. Doch zeigt er hier gekonnt und technisch ohne Tadel die Möglichkeiten des Mediums auf, spielt mit den Darstellungsebenen und bebildert eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit der Kunstform Film und seiner Wirkung. Nicht sein lustigster Film, aber sicherlich einer der originellsten.