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Handlung: Einige Krankenschwestern, welche alle zusammen in einem Krankenhaus arbeiten, haben sich allesamt hoffnungslos in den jungen, attraktiven Chefarzt verguckt. Dieser hat offenbar jeder dieser jungen Damen "den Hof gemacht" (um es mal galant auszudrücken), und somit ist Streit vorprogrammiert. Nicht nur wird in der Klinik verkuppelt, was das Zeug hält, nein, man verkauft auch Leichen an ominöse Kunden. Als ein Streit zwischen den jungen Buhlerinnen so dermaßen eskaliert, dass sie droht, der gesamten Welt von den finsteren Machenschaften zu erzählen, sehen die Krankenschwestern rot, und bringen das aufgebrachte Mädchen um. Doch sieben Tage nach ihrem Tod, kehrt der Geist des Mädchens zurück, und nimmt grausame Rache...

Die Thailänder haben ja in der Vergangenheit durch Filme wie "Art of the Devil" oder "Meat Grinder" auf sich aufmerksam gemacht, und reihen sich mehr oder weniger in eine Tradition von asiatischen Genrefilmen ein, welche weder aus den Hochburgen Japan oder China kommen (beste Beispiele dafür sind uA "Invitation Only", "I Saw the Devil" oder "Macabre"). Doch statt beinhartem Splatter tischen uns die werten Thailänder mit SICK NURSES einen Geisterfilm der alten Schule auf, und das garnicht mal so schlecht.

Zunächst einmal fällt der angenehm hohe Produktionsstandard auf. Die Sets wirken alle sehr stimmig, die Schauspielerinnen agieren erstaunlich glaubhaft (und machen dabei noch eine sehr gute Figur), die Bilder sind "state of the art" und eigentlich kann man selbst als Mainstream Konsument nirgends meckern. Da Sick Nurses nicht wirklich auf Gore setzt, steht die Athmosphäre ziemlich im Vordergrund, und eines muss ma den kranken Schwestern wirklich lassen: der Film vermag wirklich eine gruselige und vorallem gelungene Athmosphäre aufzubauen.

Man verbringt am Anfang sehr viel Zeit mit den Krankenschwestern, und lernt sie ein wenig kennen. Obwohl in solch einem Film sicherlich kein Platz für tiefgreifende, shakespearianische Charaktere ist, lernt man die Frauen doch sehr gut kennen, und merkt auch ziemlich schnell, dass sie alle miteinander so ihre lieben Macken haben (zum Beispiel Magersucht). Die eigentlich Handlung, welche um die angefressene Geisterschwester rotiert, setzt allerdings schon sehr früh ein, und die Darstellung ist eigentlich sehr gelungen. Sie tritt als schwarzes Wesen mit langen Haaren, welche sich teilweise durch den ganzen Raum ziehen, auf, und der Anblick ist das, was man wohl eine erfrischende Abwechselung nennen kann, denn allzu oft hat man einen solchen Charakter wohl nicht bestaunen dürfen.

Ein fester Bestandteil der Handlung wird durch Rückblenden erzählt. Dies ist sicherlich nicht allzu innovativ, aber in diesem Falle verleiht es der Story eine gewisse Dreidimensionalität, denn obwohl die Handlung schon am Anfang einen perfekten Sinn ergibt, schlägt die Story doch so einige Haken, und hält den Genrefreund somit auch ausreichend auf Trab. Die Story gewinnt über den Film hinweg an Tiefe, und einige Twists (die hier aus Gründen des Spoilerns verschwiegen werden) sind wirklich so seltsam und teilweise auch verstörend, dass man nie wirklich das Gefühl hat, komplett durchzublicken.

Wenn der Film weder Rückblenden, noch attraktive Frauen beim selbst induzierten Erbrechen oder Rumzicken zeigt, darf man den Morden der geopferten Kollegin beiwohnen. Diese sind allesamt ziemlich kreativ und teilweise auch sehr blutig. Der Höhepunkt dürfte wohl die Szene sein, in der die Frau sich ihren Unterkiefer herausreißt (sieht wirklich sehr fein aus, trotz CGI). Für reine Gorehounds müsste Sick Nurses eigentlich nichts sein, aber einige gute Effekte untermalen die Handlung doch sehr gut, und bieten zusätzliche Würze. In Kombination mit dem düsteren Krankenhaus und der Athmosphäre, kann der Film in dieser Sparte an sich sehr gut punkten.

Sick Nurses erfindet das Rad sicherlich nicht neu, hat stellenweise seine Längen und hätte eine kleine Priese Fiesheit mehr ertragen können, bietet aber dennoch solide Genrekost, die herrlich Old Schoolig und routiniert daher kommt, dabei aber doch das kleine Quäntchen "WOW - Effekt" besitzt, das ihn daran hindert, unbeachtet im Genresumpf zu versinken. Für Freunde von stimmigem Geisterhorror und nonkonformeren Filmen aus Asien definitiv ein kleiner Hingucker, der sich wenig Aussetzer leistet, und über die relativ kurze Laufzeit auch angenehm zu unterhalten weiß!

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