Als großer Nine Inch Nails (NIN) Fan war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich entschließe, eine Rezension zu dem Kurzfilm "Broken" (auch bekannt unter "Broken Movie") zu verfassen.
Im Jahre 1992 veröffentlichte die amerikanische Industrialband Nine Inch Nails das Musikalbum "Broken", das nur aus 6 Tracks und zwei versteckten Bonustracks bestand. Zu fünf Songs dieses Albums wurden Musikvideos angefertigt: "Pinion", "Wish", "Help me I am in Hell", "Happiness in Slavery" und "Gave Up".
Zu Beginn möchte ich kurz auf die Inhalte dieser Videos eingehen, die von "kinjo" schon sehr gut dargestellt worden sind.
Pinion: Die Kamera verfolgt den Weg eines Abflussrohres, das im Mund eines gefesselten Mannes mündet.
Wish: Die Band Nine Inch Nails performt in einem riesigen Käfig, der von hunderten von Menschen belagert wird. Letztendlich öffnet sich eine Lücke, die Stürmung des Käfigs beginnt und die Band kommt ums Leben.
Help me: Ein Mann speist in einer Gummizelle, die voller Stubenfliegen ist. Diese lassen sich dann auch auf dem Steak nieder; den Mann scheint es nicht sonderlich zu stören...
Happiness in Slavery (indiziert): Ein Mann begibt sich in einen Raum, entkleidet und säubert sich. Anschließend nimmt er auf einem mechanischen Stuhl platz, der ihn durch diverse Folterungsmethoden zuerst sexuell stimuliert und letztendlich tötet. Die Maschine verarbeitet die sterblichen Überreste zu Brei, so dass Würmer und Pflanzen davon leben können. Der Protagonist dieses Videos ist der "Supermasochist" und Performancekünstler Bob Flanagan, der an Mukoviszidose litt und 1996 seiner Krankheit erlag. Durch die Anwendungen von BDSM-Praktiken fand er einen Weg, die kranheitsbedingten Schmerzen zu vergessen. Wer sich näher für die letzten Lebensjahre dieses außergewöhnlichen Mannes interessiert, dem empfehle ich die Dokumentation "Sick: The Lige and Death of Bob Flanagan, Supermasochist".
Gave Up: An dieser Stelle wird es interessant. Von diesem Track existieren zwei Videofassungen. Die eine (softe) zeigt die Band bei einer ganz normalen Studioperformance des Tracks. Naja, "ganz gewöhnlich" ist vielleich etwas milde ausgedrückt; die Handlung spielt in dem Haus, wo Charles Manson Sharon Tate tötete.
Die zweite Fassung (harte) wurde in den Kurzfilm "Broken" integriert. Ich werde gleich darauf zurückkommen.
Die Rahmenhandlung von "Broken" ist eine Hinrichtung durch Erhängen. Anschließend decken diverse Rückblenden die Hintergründe dieses Geschehens auf. Ein anscheinend homosexueller Mann nimmt eine Bekanntschaft mit nach Hause. Er fesselt den Fremden an einen Stuhl und stellt einen Fernseher davor, in dem die oben genannten Videos Pinion, Wish, Help Me, und Happiness in Slavery gezeigt werden. Die Handlung springt immer wieder von den Videos zu den beiden Männern. Es stellt sich nun sehr schnell heraus, dass der bewegungsunfähige Mann sich einem verrückten Psychopathen ausgesetzt sieht, der ihn in der Folgezeit mit allen erdenkbaren Methoden foltern wird: Ritzen der Haut, Abtrennung der Sexualorgane, Verbrennung durch eine Schweißmachine etc. Der Fakesnuff wird von dem Song "Gave Up" begleitet und stellt somit die ominöse zweite Videofassung dar.
Die CD "Broken" ist ein Ausbruch riesigen Hasses von Seiten des NIN-Frontmanns Trent Reznor. Die Bebilderung der Musik führt zu einer bemerkenswerten Steigerung der Intensität. Das "Broken-Movie" enthält wohl einen der eindrucksvollsten Fake-Snuff Momente, die es jemals gab. Unterstützt werden diese Szenen, die auf sehr schlechtem Filmmaterial festgehalten wurden, von den gelungenen Musikvideos. Jeder einzelne Clip beinhaltet interessante Denkanstöße, die in ihrem Zusammenspiel ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Am besten gefallen hat mir das Video zu "Happiness in Slavery" und das nicht nur aufgrund der grafischen Härte. Die Schwarz-Weiß Bilder und die religiösen Anspielungen kontrastieren mit den Geschehnissen rund um die Foltermachine. Der Begriff "postmodern", den kinjo auch verwendet hat, beschreibt präziserweise das Gezeigte. Die visuelle Ebene erinnerte mich ferner an japanische Cyperpunk-Filme, wie beispielsweise "Rubber´s Lover".
Bis vor einigen Jahren war "Broken-Movie" praktisch unauffindbar, da es (bis heute) nie eine legale Veröffentlichung seitens der Band NIN gegeben hat. Doch das Internet und diverse Reproduktionsmethoden machten das Werk für eine gewisse Anzahl an Personen akzessibel.
Wer die diversen Musikvideos der Band nur einzeln kennt, wird über die Synergie erstaunt sein.
"Broken Movie" empfehle ich nicht nur Fans der Band. Auch Leuten, die mit dieser Musik nicht viel anfangen können, rate ich mal sich auf die Suche nach dem Film zu begeben. Voraussetzungen sind natürlich eine gewisse Offenheit, Interesse und starke Nerven.
Die Paarung kunstvoller Musikvideos mit Fake-Snuff kann man als einmalig bezeichnen.
Müll wie "Mordum" sollte man an dieser Stelle ganz schnell vergessen.
Die Höchstpunktzahl 10/10
P.S. : (Insider) "Broken" ist ein weiterer Beweis dafür, dass NIN Marilyn Manson in allen Bereichen weitaus überlegen erscheint. ;-)