Review

Wenn ich mir heutzutage (also die Zeitrechnung nach Fulci und Romero) einen Zombiefilm ansehe, schraube ich meine Erwartungshaltung grundsätzlich ganz weit runter. Um so mehr wird man dann von Genrebeiträgen wie „Fido“ oder „Shaun of the Dead“ positiv überrascht, während gerade Filme mit den Zusätzen „Zombie“ oder „ of the Dead / …Undead“ eher weit unten auf der Enttäuschungsskala liegen. Aber man lässt sich ja gern eines besseren belehren. So auch an diesem herrlich verregneten Herbstabend, an welchem meine Angetraute mir auftrug, neben Brötchen auch noch zwei Filme zur Gestaltung der gemeinsamen Freizeit mitzubringen. Nun habe ich dabei die Auswahl zwischen zwei Bäckern und zwei Videotheken. Die eine Videothek ist eine kleine, aus zwei Räumen bestehende Private Videothek, welche die drei wichtigsten Highlights des Monats und eine Menge Bockmist führt. Diese ist gleich neben dem Bäcker, neben dem sich noch ein Dönerrestaurant befindet und ein Fleischer, was sehr praktisch ist. Die andere ist eine Videokette in der man neben allen Highlights des Monats noch viel mehr Blödsinn ausleihen kann. Der Weg dahin bedarf allerdings 5 Minuten Fahrt in stinkenden, überfüllten Straßenbahnen. Der Bequemlichkeit wegen also in die kleine Videothek, nachdem ich beim Bäcker das sensationelle Angebot von 5 Brötchen für 35 Cent kurz vor Ladenschluss doch dankend angenommen hatte.
Der erste Griff in der Videothek galt dann der Familienunterhaltung und nannte sich da „Indianer Jones und die fiesen Russen auf der Jagd nach den geheimnisvollen Akte X Aliens“. Der Zweite Griff galt dem eigenen Alterego, welches nicht auf seine Portion Zombietrash verzichten möchte und damit dem Film „Dance of the Dead“. Viel Positives hatte ich der Fanpresse entnommen, obwohl ja auch die käuflich ist. Aber was soll’s. Bild dir deine Meinung ist ein blöder Spruch einer noch blöderen Tageszeitung, hat aber seine Richtigkeit.
Nachdem also bei Indi abgefeiert wurde angesichts des dargebotenen Blödsinns, ging es über zum zweiten Film des Abends. Und der ging eindeutig mit zweistimmiger Mehrheit, ausgehend von der Regierung auf der bequemen Eckcouch, aus diesem Filmabend hervor. Und das, obwohl meine liebe Frau mit den von mir dargebotenen Zombiematscherein eigentlich so gar nichts anfangen kann. Bei Fulci ist sie eingeschlafen. Romero hält sie für absoluten Blödsinn und den ganzen anderen Italo-Müll findet sie einfach nur AA. Aber „Dotd“ hat ihr gefallen. Zu Recht. Wir haben herzlich gelacht und ich war immer wieder erstaunt, dass es doch noch möglich ist, so etwas Ähnliches wie Innovative Ideen in ein eigentlich sehr gleichförmig ablaufendes Genre zu bringen. Auch wenn in diesem Film die gängigen, anscheinend unumgänglichen, Formeln des Subgenre des Zombiefilms bemüht werden, sind selbst diese erfrischend spaßig und unernst, dabei sich aber auch vor den großen Vorbildern verneigend, aufgearbeitet. So fühlte ich mich doch des Öfteren zu Beginn des Filmes in „Return of the Living Dead“ oder „Night Life“ – Zeiten versetzt. Ein gutes Gefühl, muss ich sagen. Dieser Film atmet den Charme der 80er und 90er Jahre, sicher nicht ungewollt.
Ja, selbst die anscheinend immer wiederkehrenden Teenagercharaktere, welche immer wieder eines der größten und nervigsten Mankos vieler Horrorfilme sind, sind extrem sympathisch. Denn hier wird keine Heldentruppe serviert, sondern ein Bande absoluter Loser, welche auch als solche zu erkennen sind und das ohne, dass den Charakteren besonders viel Zeit gegeben wird, sich zu entwickeln. Das ist auch nicht nötig. Die Figuren tauchen auf und ihre Rollen im Film werden sofort klar und deutlich festgelegt. Das bietet eine Menge Fläche zur Identifikation mit selbigen. Und funktioniert auch sehr gut. Ja, der ganze Film funktioniert! Aufgewertet durch einige wirklich schräge Nebenrollen, die so zwar auch bekannt sind, aber selten so überzeugend dargestellt wurden, ist ein spaßiges Filmvergnügen garantiert. Denn ernst nehmen sollte man diese Hommage an die „gute alte Zeit“ auf keinen Fall. Dies ist auch nicht das Anliegen des Films. Bewusst wird auf eine humoristisch überlagerte Inszenierung gesetzt, welche mit witzigen, aber nicht peinlichen, Dialogen auch gelungen ist. Zum Glück wurde darauf verzichtet, krampfhafte Schenkelklopfer abzuliefern, sondern die eher seichte, leicht klamaukhafte Variante des gepflegten Schmunzelns und hier und da laut Auflachens gewählt.
Natürlich hat auch dieser Film seine kleinen Makel. So sind einige Zombiemasken arg neben der Spur geraden und wirken einfach übertrieben blöd. Der oberdämliche „Die Rückkehr der lebenden Toten“ kommt da einem schnell mal ins Gedächtnis. Aber nur zaghaft! Denn zum größten Teil wurde auf wirklich gute Make-Up Effekte gesetzt. Und wo wir gerade bei den Effekten sind. Auch diese können überzeugen. Da gibt es gespaltene Köpfe, abgerissene Körperteile und weitere sehr ansehnliche Old School Effekte. Blut spritzt auch durch die Gegend. Aber nie übertrieben viel. Das bekommt dem Gezeigten wirklich sehr gut. Denn trotz der gebotenen Zurückhaltung ist „Dotd“ immer noch ein Zombiesplatterfilm voller blutiger Details.
Nun kann der Film es sicher nicht mir „Shaun of the Dead“ oder „Braindead“ aufnehmen. Aber das muss er auch gar nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen momentanen Genrevertreten, kann „Dotd“ nämlich sehr gut allein bestehen. Das Zeug zum ganz großen Klassiker hat er aber natürlich nicht. Nein, auf keinen Fall. Aber unterhaltsame 75 Minuten sind auf alle Fälle drin.

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