Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Oder ist es gar Superman? Nein, es ist Iron Man. Und er macht dem Superhelden in Strumpfhosen arge Konkurrenz am Himmel. Dessen eiserner Schutzpanzer mag zwar nicht so unverletzbar sein wie der blaue Jogginganzug des Mannes aus natürlichem Stahl, doch vermag er flugsicher am Himmel und auf Erden die Rechte der Schwachen zu verteidigen.
Der erste komplett selbst produzierte Film aus dem Hause Marvel lässt es ordentlich krachen und saugt die letzten Reserven aus der Computerplatine, um ein Effektfeuerwerk vom Feinsten abzubrennen. Da dieses optische Überangebot wenig Raum für Inhalte lässt, sei hier nur kurz daraufhin verwiesen.
Der eitle Playboy, Tüftler und Waffenhändler Tony Stark (hinreißend ironisch gespielt von Robert Downey Jr.) reist nach Afghanistan, um der dort stationierten US-Armee seine neueste Waffenkollektion Marke „Stark Industries" schmackhaft zu machen. Dabei wird er von afghanischen Rebellen entführt und in eine Höhle, tief in den Bergen gelegen, verschleppt. Er wird gezwungen, eine seiner gefährlichsten Waffen nachzubauen und sie den Rebellen zu überlassen. Zur Seite steht ihm dabei ein anderer Häftling, der Stark schon zu Beginn das Leben rettet, indem er ihm einen Elektromagneten an der Brust befestigt, der die Splitter einer Granate vom Herzen fernhält. Gemeinsam tüfteln sie einen Plan für ihre Flucht aus und konstruieren aus Schrott und Waffenresten eine kugelsichere Panzerung, die mit Hilfe der am Herzen des Helden gelegenen Energiequelle betrieben wird. Zurück in den USA hat sich der Saulus zum Paulus gewandelt und hinterfragt kritisch die Machenschaften seiner Waffenfirma. Zur großen Verwunderung seines Geschäftspartners Obadiah Stane (ein kaum wiederzuerkennender Jeff Bridges mit Glatze und Vollbart) beendet er seine Geschäfte, um sich im Geheimen um die Weiterentwicklung seiner Rüstung zu kümmern. Der Iron Man ist geboren.
Regisseur Jon Favreau hätte wohl keine bessere Besetzung für den Iron Man finden können als Robert Downey Jr. Auch wenn seine Eskapaden, Alkoholprobleme und Unzuverlässigkeiten (mal nicht am Set zu erscheinen) in Hollywood bekannt sind, spiegelt dieser Schauspieler aber das Innenleben hinter der stählernen Schale treffend wider. Und er tut dies darüber hinaus so voller selbstironischer Zwischentöne, dass es die Lücken im Drehbuch überschattet. Eine große Leistung dieses Buches ist es dennoch, dass es auf den technischen Allmachtsglauben einer Großnation eingeht und auch auf das Verhältnis mit Afghanistan, nicht nur in jüngster Zeit, anspielt. Auch die Möglichkeiten der Weltmacht Nummer 1, die zu jeder Zeit an jeden Ort der Welt gelangen kann, wird durch den spontanen Einsatz des Helden in Afghanistan deutlich gemacht. Diese Stelle im Film, die für amerikanische Kinoverhältnisse nicht nur ein theatralischer Einschub ist, sondern eine technische und logistische Überlegenheit zelebriert, ließ mich nachdenklich im Kinosessel versinken. Hat diese Sperrspitze des Abendlandes aus ihren Fehlern gelernt?
Unter dem Strich bleibt ein technisch beeindruckender und lauter Film, der auf der Höhe der Zeit und auf dem Niveau einer gelungenen Comicverfilmung ist. Ein starker Hauptdarsteller und ein Drehbuch, das sich selbst nicht zu ernst nimmt, umschiffen gekonnt einige Sandbänke im Plot. Bleibt am Ende zu hoffen, dass die Figuren in der Fortsetzung mehr an Tiefe gewinnen und der Held seine Lockerheit nicht durch seinen nun bestimmt härteren Arbeitsalltag verliert.