Review

Eigentlich konnte ich der Figur des Iron Man nie allzu viel abgewinnen.
Da fehlte irgendwie das Uebermenschliche, das Besondere. Ein Superheld
muss schon mehr zu bieten haben, als nur eine verdammt cool aussehende
Ruestung aus einer Gold-Titanium-Legierung. Trotzdem habe ich mir den
Film nach mehreren ueberaus positiven Kritiken angesehen und war von
dessen Qualitaet wirklich beeindruckt.

Der Großindustrielle und Erfinder Tony Stark (Robert Downey Jr.) weiß
zu leben: Als Milliardär liegen ihm die Frauen zu Füßen, er feiert
Partys im Privatjet und verspielt Riesensummen im Casino, während seine
Rüstungsfirma unter Obadiah Stane (Jeff Bridges) Rekordumsätze erzielt.
Bei einem Waffentestlauf in Afghanistan wird er jedoch Opfer eines
Bombenanschlags. Stark überlebt schwer verletzt und wird von einer
Gruppe Aufständischer unter Führung des Warlords Raza (Faran Tahir)
dazu gezwungen, eine Superwaffe zu entwickeln. Es gelingt ihm jedoch,
heimlich eine eiserne Schutzrüstung zu bauen, die ihn dank neuster
Technologie zu Superkräften befähigt. Nach einer spektakulären Flucht
zurück in die USA muss sich der Iron Man allerdings einem ersten
übermächtigen Gegner stellen.

Was Iron Man von anderen Superhelden wie Spider-Man unterscheidet, ist
der deutlich erwachsenere Ton. Tony Stark verhaut eben nicht Verbrecher
in der Grossstadt um Kinder und Frauen in Not zu erreten. Er ist eben
nicht der freundliche Superheld aus der Nachbarschaft. Er ist
egozentrisch, arrogant und rachsuechtig. Da muss ich Hellsing auch
wiedersprechen: Am Anfang habe ich ihn als ziemlich assoziales
Arschloch wahrgenommen, auch wenn ich nach einer Weile durchaus
Sympathien fuer ihn entwickelte. Desweiteren kann man die Coolness
einiger Szenen nicht leugnen, e.g. wenn Stark 3 Baddies mit seinen
Handschuh-Duesen wortwoertlich wegpustet, die restlichen 4 Geiseln als
menschliche Schutzschilde nehmen, er kurz Pause macht waehrend sein
sprechender Computer alle boesen Jungs anvisiert, um kurz darauf alle
mit Microgeschossen aus seinen Schulterwummen zu perforieren. Der
gelunge Slow-Rock-Soundtrack traegt zu diesem Gefuhl signifikant bei.

Die amuesant-sueffisanten Dialoge sorgen fuer einige Lacher, genau wie
die meisten Aktionen Starks waehrend der Ruestungsbau-Phase. Trotzdem
bliebt der Film im Grundton recht ernst. Die verschiedenen Charaktere
werden gut gezeichnet, obnwohl das Hauptaugenmerk natuerlich auf Robert
Downey Jr. liegt. Dieser liefert mit “Iron Man” eine wirklich
beeindruckende Performance ab. Technisch ist der Film natuerlich
perfekt umgesetzt. Die 150 Mio. sieht man jeder der wunderschoenen
Explosionen und Kampfszenen an. Absolut nicht nachvollziehbar bzw.
geradezu laecherlich ist hingegen der Umstand, dass “Iron Man” in
Deutschland fuer eine FSK12-Freigabe gekuerzt wurde. Es gibt nur eine
einzige sichtbare, voellig unblutige Erschiessung (siehe oben) und eine
sehr kurze und recht harmlose Flammenwerferszene. Sonst gibt es keinen
nennenswerten Gewaltausbruch, den man vergleichbaren FSK12-Filmen nicht
zu Gesicht bekommen wuerde (Casino Royale oder Transformers waren
deutlich brutaler).

Definitiv eine der besten Marvel-Verfilmungen, auch wenn das Finale
etwas bombastischer und umfangreicher ausfallen koennte. Aber
wahrscheinlich gibt’s auf DVD noch eine Extended Version. Ich freu mich
auf jeden Fall schon auf Teil 2.

9.5/10

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