Es war kein allzu kluger Zug der Drehbuchschreiber (die schon den schwülstig inhaltsleeren "Children of Men" (2006) verbrochen haben) Afghanistan als nicht unwichtigen Teil-Schauplatz des Filmes zu wählen.
So gerät der Film gleich in den ersten Minuten in den Verdacht eine ziemlich sauer aufstoßende US-Propaganda-Komponente zu beinhalten. Jaja, die bösen Araber.
Die ersten Worte jedoch darf Waffenhändler Tony Stark (Robert Downey Jr.) im Stile von "Lord of War" (2005) vom Stapel lassen.
Leider jedoch verliert dieser augesetzte Zynismus sehr schnell an Glaubwürdigkeit, auch eine vermeintliche Kritik an der Waffenlobby ist spätestens nach der ersten stylish inszenierten Actionsequenz mit Maschinengewehren mehr als heuchlerisch.
Nein, Andrew Niccols Werk wird leider zu keiner Zeit auch nur in irgendeinem Punkt seiner bittersüßen Genialität erreicht, leider.
Dabei ist der Vergleich so nahe liegend, aber "Iron Man" gefällt sich in seiner Rolle der hohlen Comicverfilmung schließlich doch zu gut.
Kommen wir zum nächsten Punkt: Logiklöcher. Dass die Taliban böse sind, ist zwar simpel aber noch halbwegs verkraftbar. Dass sie aber tonnenweise Waffentechnik gehortet haben (die ausreichen würde um ganz Kabul zu erstürmen), um Stark dann zu zwingen eine besonders perfide Streubombe per Hand aus dem vorhandenen Material zu bauen, erscheint dann doch etwas abwegig. Schließlich ist eh nicht ganz klar, was die Motivation hinter einem Auftragsmord sein soll, wenn die Zielperson doch nicht ermordet wird, sondern brav im eigenen Höhlenlabor ein bisschen rumbasteln darf.
Dass Stark dabei sein Meisterstück abliefert war schließlich nicht zu erwarten. (Die Logiklöcher im weiteren Verlauf, insbesondere der Action- und Rüstungsszenen seien hierbei mal KOMPLETT außer Acht gelassen)
Natürlich werden die Terroristen lange Zeit als so dämlich dargestellt, dass sie eine Rakete nicht von einem hydraulischen Schwermetallanzug unterscheiden können.
Die Entführungsepisode am Anfang, samt einem (immerhin!) nettem Araber, der sich pathetisch für den indirekten Massenmörder Stark aufopfert, ihm mitgibt "sein Leben doch bitte nicht so zu verschwenden/wegzuwerfen", und sich schließlich auf das Treffen mit seiner Familie im Jenseits freut...ist...peinlich. Mehr noch: komplett daneben.
Dass die Terroristen im Übrigen alle samt keine stinknormalen AK-47 tragen (was ja nach den Trainingslager-Ausschnitten im Fernsehen als realistisch anzunehmen wäre), sondern teure deutsche High-Tech Sturmgewehre aus dem Hause Heckler & Koch, legt ein absurdes Product Placement nahe (wie im Übrigen schon im strunzdoofen "Transformers"), was jeden Ansatz von Zynismus und Waffenkritik im Keim erstickt.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Terroristen teilweise ungarisch(!) sprechen und vor allem teure Armbanduhren tragen und auch sonst sehr chic gekleidet sind. Vielleicht machen Herrenausstatter jetzt auch schon Kleider für den gut betuchten Terroristen aus dem Nahen Osten. Man weiß es nicht, aber nach "Iron Man" hat man diesen Eindruck.
Wirklich lustig wäre es gewesen, wenn unter den vielen Terroristen deutsche und amerikanische Konvertiten gewesen wäre, das hätte noch was gehabt, so muss man mit Abziehbildern vorlieb nehmen. Die Antagonisten sind letztlich so austauschbar und billig, dass man sie in jedes x-beliebige Land OHNE real existenten (oder zurückliegenden) Krisenherd hätte verlegen können. Egal, Chance vertan.
Dass Tom Morello, Ikone einiger Studenten, Menschenrechtler, Friedensbewegler und Punks, hier einen Cameo als arabisches Kanonenfutter hat, ist auf den ersten Blick vielleicht verwunderlich, in seiner Bigotterie der Poli-Platitüden-Band Rage Against The Machine aber wiederum durchaus konsequent.
Zurück in Amerika, zurück zum Product Placement. Natürlich muss Stark nach seiner Rettung (glorifiziert schweben die Hubschrauber an, aber auch die Humvees am Anfang waren ja schon als übercool in Szene gesetzt) erstmal einen Cheeseburger mampfen. Da darf das Logo einer bekannten Fast Food Marke natürlich nicht fehlen.
Die Fortsetzung der leider zum Standard gewordenen Werbung im Film, bieten die zahllosen Mobiltelefon-, Computer- und sonstigen Elektronikhersteller.
Auch die entsprechend coolen Autos dürfen bei Playboy Stark natürlich nicht fehlen.
Eine Ingolstädter Marke hat scheinbar soviel investiert, dass es selbst eine völlig sinnfreie Szene ins Drehbuch geschafft hat: Beim recht langweiligen, weil sehr konventionell inszeniertem, Endfight gehen einige Autos auf dem Freeway kaputt, nur eben nicht das Ingolstädter Modell.
Dieses beschützt sicher die Familie und überfährt beinahe den, in einer Panzergeschoss-resistenten Rüstung steckenden, Helden mit übertriebener Antriebskraft und seltsamer Robustheit.
Hut ab vor soviel Schwachsinn.
Nebst Militarismus (Michael Bay wäre stolz!), stereotypen Araber-Bösewichten und dem unvermeidlichem Product Placement jetzt vielleicht mal zum Film.
Favreau ist kein guter Regisseur, und noch dazu hat er kein gutes Drehbuch bekommen.
Sei es wie sei, der Anfang drückt beim Erzähltempo per Bleifuß aufs Gas um in MTV-Optik vieles schnell geschnitten abzuhandeln. Auch die wenigen, aber dafür nervigen, weil langweiligen, Actionszenen werden übertrieben stilisiert und Gewalt natürlich verherrlicht.
Da fliegt der Held mal eben nach Afghanistan, um à la Anakin Skywalker seine Wut mal an ein paar Sandleu...äh...Taliban auszulassen. Es lebe die Selbstjustiz (nebst undifferenzierter Opfer-Täter Zeichnung eines ganzen Volkes).
Über weite Strecken des Blockbusters jedoch drückt Favreau mit voller Kraft auf die Bremse und verliert sich in uninspirierter Standarddramaturgie (Stichwort Liebesgeschichte).
Überhaupt macht dieser Film eigentlich keine Ausreißer im "Genre" der Comicverfilmungen.
Ablauf nach Schema F ist hier bis zum Schluss die Devise.
Unausweichlich sind da die bemüht knackigen Sprüche und die vom-Saulus-zum-Paulus-Wandlung unseres Waffenhändlers, der in Zukunft eigentlich mehr in Energie machen will.
Die Herren von der Regierung machen sich in ihrer gutmenschelnden Art und Weise ungewollt lächerlich, wenn der nette Agent von nebenan mehrmals höflich um einen Termin bittet, um Angelegenheiten der Nationalen Sicherheit doch mal eben so nebenbei zu bereden, schließlich sind die Terroristen ja immer noch irgendwo.
In einer realen Welt wäre Stark nach der Terroristenfolter sicher auch noch mal vom CIA einer solchen Tortur unterzogen worden (wahrscheinlich nicht nur einmal), bevor er wieder amerikanischen Boden betreten hätte.
Aber nein, die Homeland Security ist dein Freund und Helfer. Zum Kotzen.
Zu den Darstellern: Ja Downey Jr. Macht sein Sache erwartungsgemäß gut, auch Jeff Bridges weiß als Bösewicht dann und wann zu gefallen. Gwyneth Paltrow und Terrence Howard sind in ihren überflüssigen Rollen gefangen, die wohl der Comicvorlage entstammen müssen.
Wie sonst wäre es zu erklären, dass Waffenhändler Stark seinen besten Kumpel bei der Air Force sitzen hat? Aus Jux und Dollerei? Weil die Air Force so cool ist und nur nette Typen da rumlaufen? Wahrscheinlich.
Dank Bridges und Downey Jr., Stan Lees selbstironischem Cameo sowie 2-3 netten Songs zwar kein Super-GAU, aber leider gefährlich nahe dran.
Abschließend auch von mir noch einen Dank an das Pentagon! (Abspann-Schauen lässt manchmal eben doch tief blicken...)