Iron Man wird ja anscheinend gerne mit hochlobenden Kritiken überschüttet und auch die allgemeine Bewertung des Films hebt sich positiv vom rest des Kinojahres 2008 bisher ab. Iron Man ist zwar ein durchaus sehenswerter Film, der Blockbuster 2008 ist er aber sicherlich nicht.
Der Film fängt recht eigenwillig mit der Entführung des Waffenhändlers Tony Stark in Afghanistan an, dann kommt der Titel des Films und plötzlich wird erstmal das Geschehen vor der eigentlichen Entführung erzählt. Nette, wenn auch nicht unbedingt neue Idee. Robert Downey Jr. spielt eben genannten Tony Stark sehr gut, auch wenn der gewollte Humor und der Zynismus seiner Figur hier und da gezwungen wirkt. Als Gefangener in einer Höhle von Terroristen soll er eine Waffe bauen, mit der man mit einem Schuss dutzende von Explosionen herbeirufen kann. Tony muss erfahren, dass eben nicht nur das eigene Land seine Waffen nutzen kann. Doch zusammen mit einem Mitgefangenen / Dolmetscher entwickelt er nebenbei einen Anzug, der ihn unverwundbar machen würde und die Flucht nicht mehr nur als Traum erscheinen lässt. Nachdem die Terroristen jedoch Lunte gerochen haben muss alles schnell gehen, der Dolmetscher opfert sich für Tony und eben dieser stampft wenig später mit seinem Mega-Anzug durch die Höhle, ballert ein paar Feinde ab und kann schließlich flüchten. Und genau ab hier verfängt sich der Film plötzlich. Es ist zwar noch recht interessant, wie sich Tony Stark plötzlich wandelt und keine Waffen mehr herstellen will, doch die kommenden Szenen hätte man sich locker sparen können. Stark baut beinahe mitgefühlte 3 Stunden an seinem tollen neuen Anzug, erlebt Missgeschicke und seinen ersten Flug mit dem Ding ... und mehr nicht. Besonders sinnlos die 10 Minuten, in denen er auf einer Party anwesend ist und sich fast mit der Assistentin Pepper Potts (Die mit diesem Namen keine schöne Kindheit gehabt hat) liebkost. Der Film tritt lange Zeit nur auf einer Stelle ohne wirklich voranzukommen, ich meine der Anzug ist ja schön und gut, aber muss man wirklich jede Sekunde seiner Erschaffung miterleben, inklusive Farbton-Bestimmung?
Die schauspielerischen Leistungen sind zwar im oberen Bereich anzusiedeln, sind aber meistens auch nicht mehr als Routine. Robert Downey Jr. gibt hier beinahe seine Rückher in den oberen Bereich der Filmkunst; Gwyneth Paltrow halt die typische "Ich-darf-mit-dem-Superhelden-rummachen" Olle und Jeff Bridges der routinierte Bösewicht. Die Tricktechnik ist auf jeden Fall wieder oberer Durchschnitt, auch wenn einige Explosionen mal wieder vorsichtshalber mit Computer gemacht wurden, damit man gar nicht erst Probleme mit den Naturschützern bekommt. Aber nun wieder zurück zu dem Tempo des Films, das erst wieder so richtig in Erscheinung tritt, wenn der böse Gegner Iron Monger ins Bild springt. Das löst den Film endlich aus seiner langweiligen Erzählweise und sorgt für elegante Actionszenen. Zwar ist die Unterteilungen des Kampfes wieder abgedroschener denn je (Beide Gegner treffen aufeinander, der Gute steht kurz vor der Niederlage, der Böse feiert und wird schließlich nicht durch Stärke, sondern Geschick besiegt), aber zumindestens ist das anschaulich wie eh und je.
So kann man am Ende sagen, dass Iron Man zwar mal wieder eine eigenständige Superhelden-Verfilmung ist (Und somit keine zweite oder dritte Aufbereitung), aber sich trotzdem nicht von einem routinierten Helden-Spektakel hervorheben kann, ist der Iron Man in Deutschland eh nicht wirklich bekannt. Die Kinokassen werden wahrscheinlich wieder klingeln und spätenstens Ende dieses Jahres wird es gefühlte 36 Versionen des Films geben, wahlweise im Steelbook oder in einer Super-Duper 4-Disc limitierten Collectors-Edition mit Holo-Cover, vielleicht auch eine Verpackung mit einem Plastikhelm des Iron-Man. Und die stinknormale DVD ohne jegliche Extras für 7,99€ steht dann 2 Monate später in der Wühlecke. Vermarktung Deluxe.
Fazit
Iron Man ist nett, effektvoll und funktioniert, hebt sich aber kaum aus der Superhelden-Welle der letzten Zeit hervor und bleibt nur gewöhnlicher Kinostoff.
7/10