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„Iron Man“ hat bei den Filmfans in Deutschland einen schwereren Stand als so viele seiner bestrumpfhosten oder gut gerüsteten Kollegen, denn obschon in den Staaten bekannt und beliebt wie ein bunter Hund, ist er bei uns eher einer der eher unauffällig im Hintergrund agierte, teilweise sogar nur als B-Held in so mancher Heftreihe der 60er und 70er.
Damit erklärt sich dann wohl auch die ungeheure Popularität dieser Comic-Verfilmung, die jedoch selbst mit dem gewissen europäischen Abstand als eine der geschlossensten und solidesten der letzten Jahre anzusehen ist, obwohl sie nicht ganz neue Abgründe erschließt.

Tony Stark, ein genialer Wissenschaftler und Waffenentwicklung sorgt mit seiner Profession allein für den nötigen Bezug zur Realität, als er als etwas sonnyboyhafter Playboy solange Waffen für die US-Regierung austüftelt, bis sie ihn in den Allerwertesten beißen, als er bei einem Testeinsatz in Afghanistan dort Terroristen in die Hände fällt, die natürlich nur eines wollen: Firepower! Verwundet, das Herz nur mittels einer technischen Apparatur am Laufen gehalten, befreit er sich dank einiger Opfer schließlich selbst und wird zum neuen Menschen und bald darauf zum gestählten Superhelden, was natürlich nicht im Interesse eines multinationalen Waffenkonzerns sein kann.

Diskutabel ist auf jeden Fall, ob der Einsatz von Nahost-Terroristen als simple bad guys nun realistisch oder platt zu nennen ist, man ist bei aller Comichaftigkeit jedoch für einen annähernden Blick auf die wahren Umstände bemüht und betreibt nicht die allerfinsterste Schwarzmalerei, nicht zuletzt, weil der finale Erzbösewicht dann eben doch aus den eigenen Reihen kommt. Der eher pazifistische Ansatz kommt sicherlich generell ganz gut an oder ist zumindest wünschenswert, dreht natürlich die emotionale Schraube ein bißchen zurück und fördert kaum so innovative Abgründigkeiten zu Tage wie Christopher Nolan mit seiner Batman-Interpretation.

Die Wahl von Robert Downey jr als bekehrtem Strahlemann mit ironischem Potential und einigen lockeren Sprüchen über dem atombetriebenen Herz aus Gold, ist jedenfalls eine sympathische Identifikationsfigur und bringt das nötige Tütchen Menschlichkeit mit ins Spiel, wenn das Geniale ihm auch ein wenig zu sehr zufliegt.

Natürlich muß auch immer eine Frau mit ins Spiel, seine Assistentin Pepper Potts, die von der ewig anämischen Gwyneth Paltrow immerhin mit soviel leisem Witz gespielt wird, um die Belanglosigkeit dieses Handlungsstrangs nicht als störend zu empfinden. Jeff Bridges als „bad guy“ ist eine gute, wenn auch nicht überragende Wahl, hat der Mann doch das Talent, sein gemütliches Gesicht immer so in die Kamera zu halten, daß man ihn am liebsten anschmunzeln möchte.
Wie überhaupt auf das Humorpotential ordentlich wert gelegt wird, wenn auch das Witzigste am Film die Hilfsroboter in Starks Labor sind, die seine Bemühungen samt Feuerlöscher immer schön konterkarieren.

Doch was macht einen Superheldencomic schlußendlich aus: Fähigkeiten, Kostüm und Action.
Am besten schneidet da sicherlich das Kostüm ab, das wirklich mal vorlagengerecht, gut animiert und wie aus einem Guß wirkt, was auch nötig ist, da Tony ja an sich keine Superkräfte besitzt, sondern seine Rüstung für seine Fähigkeiten (Stärke, Schnelligkeit, Energiestrahlen) komplett verantwortlich ist.
An Action wird zugunsten des Plots dabei überraschend gespart, abgesehen vom großen Schlußkampf, der irgendwie und irgendwo in Teilen schon mal da war und so manchen vielleicht an den Fight am Ende von „RoboCop 2“ erinnern wird und dennoch grundsolide, aber eben nie überwältigend ist.

Legt man aber die Erwartungshaltung an einen nie dagewesenes Spektakel ab, so funktioniert „Iron Man“ als ideale Blaupause für die Entwicklung einer Superheldenserie, die sich gerade in comictypischen Elementen noch weiter steigern kann, weil sie in Sachen Charaktere, Witz und Beziehungen zueinander einen ausgezeichneten Grundstock schon nach dem ersten Teil vorweisen kann.

Die Aufgabe der Macher wird es also sein, diese Frische und Tiefe fortwährend zu erhalten, was sicher auch von Downey jr. abhängen wird, der von nun an vermutlich mit dieser Figur identifiziert wird, was nicht jedem Superheldeninterpreten gelungen ist.
„Iron Man“ ist somit ein rundum gelungener, wenn auch nicht endlos überragender Comicfilm, der eher Schichten anspricht, die sich von den Bildgeschichten sonst eher abgestoßen fühlen, weil sie den Bezug zur Menschlichkeit darin vermissen. Ein guter Anfang, denn irgendwann müssen wir den „Eisernen“ hier ja mal näher kennenlernen. (7,5/10)

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