Review

"Frieden bedeutet, dass man einen größeren Stock hat als der Andere."

Der von dem Trio Stan Lee, Don Heck und Jack Kirby erschaffene Superheld Iron Man gilt als einer der populärsten in den USA und bekommt von den neu gegründeteten Marvel Filmstudios nun auch Gelegenheit sich auf der Leinwand auszutoben.

Nach einer Präsentation eines neuartigen Raketenwerfersystems der Stark Industries in Afghanistan wird der technikbegeisterte Waffenentwickler und Milliardär Tony Stark (Robert Downey Jr.) durch die Taliban verletzt und entführt. In ihrem Versteck bauen die Terroristen Stark einen Magneten in die Brust, der verhindern soll, dass die während des Kampfes in seinen Körper eingedrungenen Metallsplitter zu seinem Herzen wandern und verlangen von Stark einen Nachbau seines neuen Raketensystems. Statt sich allerdings mit diesem zu beschäftigen, baut er eine Rüstung mit welcher er seine Flucht ermöglicht. Zurück in den USA dürstet es Stark die Produktion seiner Waffenfirma einzustellen. Sein Geschäftspartner Obadiah Stane (Jeff Bridges) lässt ihn aber als unzurechnungsfähig erklären. Somit baut Stark seine Rüstung aus Afghanistan nach und verbessert sie in vielen Bereichen um den Schaden, den die Waffen seiner Firma anrichten, einzugrenzen. Nebenbei entwickelt sich ein tieferes Verhältnis zu seiner Haushälterin Virginia 'Pepper' Potts (Gwyneth Paltrow).

"Iron Man" ist in erster Hinsicht ein wunderbares Aushängeschild für die schlampige Arbeit der FSK, die der ungekürzten Fassung für die deutsche Kinoversion keine Freigabe unter 16 gaben, woraufhin diese um einige Szenen gekürzt wurde um ein FSK 12 zu erlangen und mehr Publikum anzuziehen. Komischerweise kam selbige Behörde zu dem Beschluss der ungekürzten Fassung auf DVD plötzlich doch ein FSK 12 zu geben, obwohl hierfür strengere Regeln gelten. Als Mitarbeiter der Freiwilligen Selbstkontrolle hätte ich mich zumindest mal informiert, was denn meine Kollegen dem gleichen Film für eine frühere Fassung für eine Freigabe erlaubten, oder welche Begründung vor lag ein Wunsch FSK abzulehnen. Aber gut, die Arbeitsweise der Jugendschutzbehörden und diverser daran hängenden Abgeordneten waren in dieser deutschen demokratischen Diktatur schon immer etwas... "anders".

Zum Film!
Der Einstieg in das Iron Man Franchise ist gesamt gesehen etwas zu Kleinlaut geraten, obwohl der Auftakt ein großes aber knappes Feuerwerk abfeuert.
Dummerweise wird das spektakuläre Tempo zu Beginn später nicht mehr wirklich erreicht. Immer wieder bremst sich "Iron Man" selbst aus und engt seine Möglichkeiten mit seinen Charakteren zu interagieren sehr ein. Im mittleren Teil werden dadurch Durchhänger der Erzählstruktur provoziert, die zu ermüden drohen. Einen schweren Fehler begeht Marvel hier, den sich auch schon die erste Verfilmung zu "Fantastic Four" geleistet hat, nämlich seinen Superschurken erst gegen Ende vorzustellen und ebensogleich wieder völlig unspektakulär in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Die Vorstellung der Figuren erfolgt etwas knapp aber wirksam. Zu späteren Zeitpunkten werden diese weiter ausgebaut, wobei der Charakter Tony Stark zu deutlich hervor gehoben wird und den anderen Figuren kaum Platz lässt, noch nicht mal mehr seinem Alter Ego selbst.

Obwohl Iron Man zu den Superhelden gehört, der völlig auf Superkräfte verzichten muss, lässt sich Marvel nicht lumpen und setzt auf ein realistischeres Effektgewitter in Form von handwerklich gelungenen Schießereien und Explosionen, sowie technischen Spielereien, einer detaillierten Veranschaulichung der "Iron Man Rüstung" und seinen luftigen Ausflügen. Ein Actionreißer ist "Iron Man" deswegen nicht, der Gebrauch dieser Mittel ist eher spärlich und auf nur wenige Szenen beschränkt.
Sehr pathetisch und somit dem amerikanischen Publikum zuvorkommend präsentiert sich der Film. Die Umwandlung des im Comic thematisierten Vietnamkrieges auf aktuellere Umstände in Form des Terrorismus durch die Taliban kommt dem Stoff zu gute, ebenso der teils bissige, teils situationsbedingte Humor, der für mal mehr, mal weniger gelungene Lacher sorgen kann.

Die gewollt spektakuläre Aufmachung mit orchestralem Soundtrack funktioniert recht gut, wirkt storytechnisch teilweise aber etwas überladen. So drückt sich die (glücklicherweise) dezent gehaltene Love-Story zwischen Pepper und Stark sehr einfältig in den sehr vorhersehbaren Plot. Auch manch technisches Detail wird zu sehr zelebriert wodurch diverse Längen entstehen. Und auch der Konflikt des Superhelden-Daseins musste mit aller Gewalt seinen Platz finden. Dadurch ist es schwer ein durchgängiges Muster zu erkennen. Es gibt von allem etwas, aber von vielem wenig.

Bei den Darstellern bewies sich Robert Downey Jr. als echter Glücksgriff. Er verkörpert die Figur des Playboys mit Macken und plötzlichem Weltanschauungswechsels genau so, wie man es sich vorzustellen vermag. Arrogant und charmant, sensibel und aufbrausend, zerstörerisch und fürsorglich. Die sonst so hoch gelobten Darsteller Jeff Bridges und Terrence Howard, als Tony Starks Freund Jim Rhodes, bleiben völligst hinter ihren Leistungen zurück und scheinen mit ihren Rollen wohl nicht sonderlich glücklich geworden zu sein. Auch das Sternchen Gwyneth Paltrow ('Shakespeare in Love') ist hier höchstens als Eye-Candy zu betrachten, und das wohl im wahrsten Sinne.

Es fehlen die Momente die in Erinnerung bleiben, etwas dass nach dem sehen im Kopf hängen bleibt. Die Ansätze sind da, wirken aber noch nicht völlig ausgereift. "Iron Man" ist definitiv kein schlechter Film, sondern eher die scheue, engstirnige Vorstellung eines allzubekannten, neuen Helden auf der Leinwand. Der zu erwartende zweite Teil ist bereits für Sommer 2010 geplant und wird hoffentlich aus dem scheuen Kind einen strahlenderen oder gar düstereren Helden zum Vorschein bringen.

7 / 10

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