Review
von Alex Kiensch
Waffenmogul Tony Stark (superb verkörpert von Robert Downey Jr.) wird bei einer Testvorführung seiner neuesten Raketentechnik in Afghanistan entführt. Die Terroristen verlangen von ihm den Bau eben dieser Raketen. Stattdessen bastelt er sich seine Fahrkarte in die Freiheit: einen metallenen, schwer bewaffneten Kampfanzug. Iron Man ist geboren. Doch obwohl er aus dem Waffengeschäft aussteigen will, kommt er nicht zur Ruhe: Eiskalte Verbrecher sind hinter der Wunderwaffe her.
Die Verfilmung des Marvel-Comics punktet mit krachender Action, dem Nonplusultra moderner Computertrick-Technik und einer Superhelden-Story, die sich wohltuend von Filmen wie "Spider-Man" oder "X-Men" unterscheidet. Denn der Held ist hier ein machohafter, selbstverliebter Millionär, der zum einen seine Superkräfte nicht durch übernatürliche Zufälle, sondern aus reiner Selbsterhaltung entwickeln muss, und der zum anderen keinerlei Bedürfnis verspürt, diese Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen. So entspringen die Taten Iron Mans nicht einem inneren Gefühl der Verantwortlichkeit, sondern der bloßen Notwendigkeit - Stark muss verhindern, dass seine Technologie zweckentfremdet wird, und wird gegen seinen Willen in einen Kampf gegen das Böse hineingezogen.
Ähnlich frisch und sich von Genre-Kollegen abhebend wirkt die Inszenierung. Schon die Einleitung lässt erahnen, wohin die Fahrt geht: Ein Militär-Konvoi rast zur Musik von AC/DC durch die afghanische Wüste. In einem der Jeeps sitzt Stark und amüsiert sich mit den Soldaten. Dann eine Explosion und in Sekundenschnelle wird die Fassade der Coolness, die seine Figur von der ersten Sekunde an aufbaut, zerstört. Durch den ganzen Film finden sich immer wieder ironische Brüche von Superhelden-Klischees. Ob ein verhinderter Kuss zwischen Stark und seiner Assistentin oder seine unbeholfenen ersten Versuche mit der neuen Technik. Diese satte Portion Selbstironie macht die Story erfrischend locker und unverkrampft, sodass es dem Zuschauer leicht fällt, über Schwächen wie allerhand unglaubwürdige Szenen oder dreiste Schleichwerbung für Audi hinwegzusehen. Auch dass das kritische Potenzial einer Story um Waffenhersteller nicht einmal ansatzweise genutzt wird, kann man wohlwollend übersehen - was will man schließlich von einem Multi-Millionen-Dollar-Hollywood-Blockbuster erwarten.
Solche inhaltlichen Probleme werden durch die coole Inszenierung, rasanten Kameraeinsatz und schöne Action-Ideen kompensiert. Auch gefällt, dass hier im Gegensatz zu anderen Action-Reißern unserer Zeit die Zerstörungsorgie nicht im Mittelpunkt steht. Erst zum Finale gipfelt der Film in krachender Action, zuvor steht die Story eindeutig im Vordergrund - was nicht heißt, dass es keine Schauwerte gibt. Insgesamt kann gesagt werden, dass die üblichen Zutaten eines Hollywood-Blockbusters - Action, modernste Effekte, eine recht dünne Story und Humor - hier wirklich gut zusammen gemixt werden. Und charismatische Darsteller wie Robert Downey Jr., Jeff Bridges oder Gwyneth Paltrow halten ebenso bei Laune. Für einen kurzweiligen Action-Spaß ist "Iron Man" also bestens geeignet.