Hass ist ein Phänomen:
Einerseits ist er ein extrem kompromißloser Film über die Problematik in den französischen Trabantenstädten, die immer größer werdene Kluft, die Hoffnungslosigkeit, aus einem sich zuspitzenden Teufelskreis entkommen zu kommen.
Andererseits ist er ein Film der magischen Momente, der genüßlich sowohl andere Klassiker zitiert (Taxidriver) und gleichzeitige eine eigene Magie wirklich zu entfalten in der Lage ist (schönstes Beispiel: die Lichter des Eiffelturms).
Gleichzeitig erzählt er aber auch die Geschichte dreier Freunde, die mal über den Tellerrand hinausschauen, für sich selbst einen Hoffnungsschimmer auszumachen in der Lage sind und so etwas wie Hoffnung für den nächsten Tag bekommen.
Doch dann werden sie erneut von der Realität eingeholt. Dies wird mit der wohl sensationellsten Anzeige der Uhrzeit, die jemals in einem Film benutzt wurde, in welcher man wirklich plastisch aufgezeigt bekommt, wieviel sich in einer popeligen Minute verändern kann, bewältigt.
So hart, so kompromißlos, genauso menschlich, genauso sensibel ist Hass gleichzeitig auch.
Im Gegensatz zu vielen Filmen, die dieses Thema für sich benutzen, wagt es Hass nämlich, einen Ausweg anzudeuten aus dem Teufelskreis und dennoch zeigt er auch, dass wenn man sich nicht schnell was einfallen läßt, die Fronten verhärtet sein werden, es zu spät sein dürfte.
Nun, nach mehr als 10 Jahren, die seit Veröffentlichung des Filmes vergangen sind, und den Ausschreitungen in Frankreich in den letzten Jahren, mag man meinen, dass es mittlerweile vielleicht sogar zu spät ist, aber die Hoffnung solte man nicht aufgeben, man sollte zumindest endlich anfangen, die Situation zu ändern. Auch in diesem Lande?
Handwerklich ist Hass überhaupt kein Makel anzudichten: Er ist im dokumentarisch anmutenden Schwarz-weiß gehalten, immer wieder durchbrochen durch die künstliche Einfügung der Uhrzeit, welche aber aus dramaturgischen Gründen absolut unerläßlich ist.
Die Darsteller wirken wie Amateure, die um ihr Leben spielen. Das ist in diesem Fall für so einen Fall die höchste Adelung einer Schauspielleistung.
Und das Drehbuch und die erzählten Sprüche und Hadlungen sind sowieso bemerkenswert genial.
Kurzum: Hass ist zu Recht ein neuer Klassiker des europäischen Kinos, der nach wie vor nichts von seiner Aktualität verloren hat und auch in mindestens zehn bis zwanzig Jahren - leider Gottes - höchst aktuell sein dürfte.
9 Punkte