Review

Ich habe mir Hass hauptsächlich wegen Vincent Cassel gekauft und weil die Thematik ansatzweise interessant klang. Dabei hatte ich mir sowas wie Kids mit mehr Rebellion vorgestellt, was dem Gebotenen nicht ganz entspricht. Hass erzählt sehr wohl einen Tag aus dem Leben der drei Freunde Vince, Hubert und Said, zukunftslosen Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität, die im Armenviertel arbeitslos und Drogen kosumierend in den Tag hinein leben. Die Masseneskalation ist hier allerdings nur Rahmenprogramm zu weitaus fragileren Alltagsstrukturen.

Die Schwarz/Weiss Optik fängt gelungen die Kälte des Betons ein und passt sehr gut zur Tristesse des Lebens der drei Protagonisten. Während der durch die Polizei verletzte Abdel das Viertel zu einem Pulverfaß gemacht hat, beschränkt sich Hass auf einen Mikrokosmos dreier unterschiedlicher Charaktere. Vince ist auf Gewalt und Rache aus, Said gefällt seine Situation zwar nicht, aber er pflegt lieber eine große Klappe, als nach einer Lösung zu suchen. Hubert hingegen möchte etwas aus sich machen und die Slums hinter sich lassen.

So passt es auch zu gut, daß Hubert, als Vince eine verlorene Polizeiwaffe findet, nicht von dessen Plänen begeistert ist, damit einen Cop zu töten. Es scheint, er könne die Ruhe bewahren, obwohl er seine Boxhalle durch die Krawalle verloren hat. Die dialoglastigen Szenen lassen zu jeder Zeit spüren, welche Spannung in der Luft liegt. Dabei erscheinen die auf die Situation der drei wirkenden Impulse stets glaubwürdig, so daß man sich immer wieder einen Satz aus dem Intro in den Geist ruft: "Bis hier ging es noch gut."

In der Tat spitzt sich die Lage immer mehr zu, die Jugendlichen sind selber keine Engel und stolpern zudem oftmals noch über Zeitgenossen, die der Situation auch nicht förderlich sind. Da Hass jedoch nie den Fehler begeht, etwas zu bewerten, oder Schuldige zu suchen, passt das offene Ende auf dem Höhepunkt der Eskalation exakt ins Gesamtbild und hinterläßt einen schweren Kloß im Hals.

Der Film stößt zu sozialen Brennpunkten vor, zeigt Fehlverhalten auf allen Seiten. Es gibt kein Warum, keine besserwisserischen Vorschläge. Die Moral obliegt dem Zuschauer. Das macht Hass schwer verdaulich, aber auch zu einem der wenigen wirklich guten Sozialdramen.

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