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Die Überschrift ist natürlich nur im übertragenen Sinne gemeint. Aber kaum ein Film kommt so realistisch daher. Die rund 24 Stunden im Leben der 3 jugendlichen Franzosen Said (arabischer Abstammung) , des farbigen Hubert und des jungen Juden Vinz (Vincent Cassel) geben ein unglaublich dichtes und authentisches Bild der Pariser Trabantenvorstadt wieder. Unter Hip-Hop Soundtrack und unglaublich hektischen und sich immer wieder bis zur Unkenntlichkeit überlagernden Dialogen, geht es nicht um die vielbemühte Floskel “Authentizität“, sondern wie man als Zuschauer sich selbst letztlich Distanz davon verschaffen kann.

HASS hat eine selten erlebte subtile Sogwirkung, die einem immer mehr in das Geschehen zieht und nicht mehr loslässt. Formal wird die Kamera komplett zurückgehalten, nur in 1-2 Szenen wird mit Perspektiven gespielt und kurz für eine Verschnaufpause gesorgt. Ansonsten wird man Zeuge der Reiberei der Jugendlichen bzw. Jungs untereinander (hat überhaupt eine Frau im Film mitgespielt?) und vor allem der Methoden und Unterdrückung der Polizei im Viertel.

Die beste Regie in Cannes für HASS sind nur mehr als angemessen. Geradezu seherisch wurden von Regisseur Kassowitz aus heutiger Sicht die 2005er Unruhen in Paris vorweggenommen. Gezeigt wird der Schmelztiegel von gefühlten und tatsächlichen Ungerechtigkeiten in Bezug auf Ausbildung, Bildung, wirtschaftlicher Probleme, Globalisierung und der Integration von Fremden. Sind dies alles depressive Soziopathen ? Nein, Dir und mir dort hineingeboren würde es nicht anders gehen.

Die Sprache ist raubeinig und in jedem 2. Satz wird ein Familienmitglied absichtlich oder unabsichtlich gefi..ckt. Übertrieben, brutal, roh, zu direkt?...all das sind nur Worte wo Toleranz gefordert wäre. Im passenden schwarz-weiß Look steigt die bedrohliche Stimmung bis zum unweigerlichen Ende. Vincent Cassel hat in HASS, einem seiner ersten Filme unabhängig von TV-Produktionen, schon seine prägnante darstellerische Duftmarke hinterlassen.

Diese spüren bzw. riechen wir bis heute in einigermaßen ähnlichen größeren Rollen wie in PUBLIC ENEMY NO.1 bis hin zu stets noch der Film-Subkultur anhängigen Werken wie dem aktuellen OUR DAY WILL COME für den ich hier erneut mal eine Lanze brechen will. Regisseur Mathieu Kassowitz spielt selbst eine kleine Rolle in HASS und hat neben den allseits bekannten und beliebten DIE PURPURNEN FLÜSSE mich zuletzt mit dem bislang unglaublich unbeachteten neuen Film REBELLION auch unglaublich überzeugt. Genug der Worte und Superlative. Enjoy or Destroy!

8/10 Punkten

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