Nach "Hogfather" folgt hier die zweite Verfilmung eines Scheibenwelt-Romans durch den britischen Pay-TV Sender SkyOne. Neben Regisseur Vadim Jean ist auch das Produzententeam weitgehend unverändert geblieben. Auch David Jason ist hier wieder in einer Hauptrolle mit dabei. Im Gegensatz zu "Hogfather" wird hier allerdings nicht nur ein Buch, sondern der Zweiteiler "The Color of Magic" und "The Light Fantastic" verfilmt. Dieser Zweiteiler war nicht nur der Auftakt zu Pratchett's "Wizzard" Buchreihe, er war darüber hinaus auch das erste Scheibenweltabenteuer überhaupt. Da fragt sich der detailversessene Leser der Romanvorlage natürlich wie genau der Stoff umgesetzt wurde und vor allem wie sehr die einzelnen Besetzungen auch tatsächlich den Vorstellungen der Leserschaft entsprechen. Diese wurden nämlich überwiegend durch die Paul Kidby Illustrationen und die Comics zur Scheibenwelt geprägt. Für den Film spricht daher eindeutig, dass die Macher versuchten, den entstandenen Fanvorstellungen gerecht zu werden, indem sie das Design an bereits vorhandenes Material anpassten. Nicht umsonst griff Peter Jackson beim Design seines "Herr der Ringe" auf viele Illustrationen des Zeichners John Howe zurück, die auf die Vorstellungswelt in den Köpfen der Leser einen großen Einfluss hatten und so schließlich auch bei einem Großteil der Zuschauer ein Gefühl der Vertrautheit hervorriefen. Ähnlich verhält es sich also auch bei "The Color of Magic".
Für alle Scheibenwelt Unkundigen, die durch den Film hoffentlich einen Einstieg in das faszinierende Multiversum der Scheibenwelt finden, sei die Handlung hier noch einmal kurz zusammengefasst: Der "Zaubberer" Rincewind ist mit ziemlicher Sicherheit der schlechteste Magier von Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Diesem Umstand hat er einer Wette um ein Bier zu verdanken, auf die er sich als Erstsemester an der Unsichtbaren Universität (Das führende magische Lehrinstitut auf der Scheibenwelt) fatalerweise eingelassen hat. Zum Beweis seines Mutes sollte er das Oktav, das mächtigste Zauberbuch der Welt, öffnen. Das Ergebnis war, dass Rincewind sich fortan keine neuen Zaubersprüche mehr einprägen konnte und so zum Langzeitstudenten verkam. Nach ungefähr achtzig erfolglosen Semestern reicht es den Oberen der Unsichtbaren Uni schließlich und sie setzen Rincewind vor's Portal. Entschlossen seinem Leben ein Ende zu machen. beschließt Rincewind sich in den Ankh zu stürzen, jenen Fluss, dessen Wasser garantiert nicht gesundheitsschädlich ist, da Keime in seinem Wasser nicht sehr lange überleben. Just in jenem Moment stößt er auf Zweiblum, den ersten Touristen der Scheibenwelt. Zweiblum verfügt über einen beachtlichen Schatz aus Goldmünzen. Er ist sich dessen allerdings nicht bewusst, denn er schätzt den Wert der ankh-morporkianischen Währung völlig falsch ein. Rincewind erkennt diesen Umstand und bietet ihm, nicht ganz uneigennützig, seine Hilfe an. Nach den ersten Schlägereien und Mordversuchen, die Zweiblums Vermögen unter den nicht ganz so gesetzestreuen Bürgern Ankh-Morporks auslöst, verdonnert der Patrizier von Ankh (der derzeitige Tyrann der Stadt) Rincewind schließlich dazu, auf den merkwürdigen fremdländischen Touristen acht- und wenn nötig auch sein Leben zu geben. Man möchte ja schließlich einen guten Eindruck machen. Ganz nebenbei schickt sich auch noch der ehrgeizige Zauberer Trymon an, zuerst die Unsichtbare Unversität und später auch die gesamte Scheibenwelt zu erobern. Und so beginnt eine Odyssee bis zum Rand der Welt und darüber hinaus...
Für eine Fernsehproduktion ist die aufspielende Schauspielertruppe schon recht beachtlich: Neben David Jason, der vor allem dem britischem Publikum bekannt sein dürfte, als Rincewind und Sean "Samwise" Astin als Zweiblum finden sich außerdem noch Tim Curry als böser Zauberer Trymon und Jeremey Irons als Patrizier Lord Vetinari in einem wirklich genialen Cameo. Daneben ist auch noch Altmeister Christopher Lee vertreten. Zwar hat er hier nur eine Sprechrolle, aber die passt zu ihm wie die Faust auf's Auge: Er spricht den Tod. Auch die restlichen Nebenrollen sind durchgehend gut bis nahezu perfekt besetzt. Deswegen ist es sehr schade, dass gerade David Jason viele eingefleischte Fans auf den ersten Blick enttäuschen wird, denn seine physische Gestalt entspricht leider nicht wirklich der gängigen Vorstellung von Rincewind als hoch gewachsenem Tollpatsch in den Vierzigern. Gibt man ihm aber eine Chance, dann gewöhnt man sich ziemlich schnell an das neue Bild von RIncewind, dass der Film zeichnet. Ich habe diesen Prozess selbst durchgemacht, denn auch in meiner Vorstellung sah Rincewind über sechs Bücher hinweg völlig anders aus. Am Ende erkennt jeder objektive Betrachter dann auch, warum Jason besetzt wurde: Er ist einfach verdammt gut.
Auch tricktechnisch braucht sich die Scheibenwelt in der Regel nicht vor größeren Produktionen zu verstecken: CGI's, Modelle und stimmige Kulissen erzeugen im Zusammenspiel eine Optik, die bis auf ganz wenige Ausnahmen überzeugen kann. Darüber hinaus vermag auch das künstlerische Design den Nerv des Pratchett-Lesers zu treffen und so, wie schon erwähnt, die allermeisten Erwartungen zu erfüllen, teilweise sogar positiv zu übertreffen. Natürlich sieht man hier und da, dass es sich um eine Fernsehproduktion handelt, deren SFX -Budget sicherlich begrenzt war, trotzdem denkt man zeitgleich aber immer wieder: "WoW, nicht schlecht für's Fernsehen". Der überwiegend klassisch-orchestrale Soundtrack fügt sich dabei fast nahtlos unterstützend in das Gesamtbild ein. Besonders gut gelungen ist das immer wiederkehrende Hauptthema, das dem Film ein wirklich starkes Plus an Atmosphäre beschert.
Natürlich brennt jedem treuen Scheibenwelt-Leser die Frage nach der Werktreue auf der Zunge. Dazu sei gesagt, dass die Teile des Buches, die Aufnahme in den Film gefunden haben, durchweg gut gelungen sind. Gleichzeitig impliziert diese Antwort jedoch auch das größte Manko der Umsetzung: Ganze Passagen kommen gar nicht vor, andere wurden stark gekürzt oder umgeschrieben. So kommt Hrun beispielsweise gar nicht vor, die Sequenzen um den Wyrmberg sind stark verkürzt (hinzukommt auch noch, dass die Drachenreiterin Liessa mit deutlich mehr bekleidet ist, als nur mit einem paar Stiefel, wie im Buch beschrieben), ebenso musste die Sequenz in Krull stark Federn lassen. Diese Liste ließe sich noch eine Weile lang fortsetzen, allerdings bleibt bei filmischen Umsetzungen einer literarischen Vorlage häufig die eine oder andere Szene auf der Strecke. Hier jedoch gehen die Kürzungen soweit, dass an einigen Stellen Logiklöcher und Verständnislücken entstehen, beispielsweise wird im Film nicht gezeigt warum Rincewind und Zweiblum den Drachensattelabsturz überleben. Die Entscheidungen für diese Kürzungen beruhen sicherlich auf den üblichen Gründen: Ein enges Budget, einen noch engeren Drehplan und dem Umstand, dass es sich um einen Fernsehfilm handelt, der sich an die Gegebenheiten des Sendeplans von SkyOne anzupassen hatte. Aus diesen Gründen dürfte Zuschauern, die nicht zu der Leserschaft von Terry Pratchett gehören der Einstieg schwerer fallen, als es nötig wäre, denn im Film erscheint die Scheibenwelt weniger geschlossen und logisch durchdacht, als sie es in Wirklichkeit ist. Denn die große Stärke der Romane ist es ja gerade eine komplett absurd wirkende Welt darzustellen, die in Wahrheit aber auf einem komplexen, metaphysichen Fundament ruht und so trotz aller Absurditäten innerhalb ihrer eigenen Gesetzmäßigkeiten stets logisch bleibt. Diese große Stärke der Bücher, welche die Einzigartigkeit der Scheibenwelt ausmachen, wird nur teilweise ins filmische Medium transponiert. So wandelt sich die große Stärke der Romanvorlage zur größten Schwäche der filmischen Umsetzung.
Allerdings sei hier, bei aller Kritik, noch erwähnt, dass auch die Pratchett-Leser mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen (Ich hab im 4. Semester eigentlich nicht mehr Jura studiert, sondern nur noch angewandte und theoretische Pratchettologie). So fallen einem die zahlreichen wörtlichen Buchzitate auf. Ebenfalls positiv anzumerken ist die deutsche Synchronisation, die nicht nur den Tod mit Christoper Lee's deutscher Stimme Otto Mellies sprechen lässt, sondern darüber hinaus auch den plural majestatis benutzt und so mit der Brandhorst-Übersetzung bricht, in der sich selbst Könige und Götter stets mit "Du" anreden (ein Umstand der einer wortgetreuen Übersetzung der Scheibenwelt- Romane geschuldet ist), was gerade auf den deutschen Fantasy-Fan seit jeher irritierend wirkte.
Unter'm Strich bleibt also eine Fernsehproduktion auf wirklich hohem Niveau, die allerdings unter den zahlreichen Kürzungen des Originalstoffes zu leiden hat und so den Einstieg in die fantastische Scheibenwelt unnötig erschwert. Vielleicht reicht das Budget beim nächsten Mal ja nicht nur für einen Zweiteiler, sondern für einen Drei- oder Vierteiler. Vielleicht ja auch für eine ganze Serie. Zu wünschen wäre es der Scheibenwelt auf jeden Fall. Bis dahin bleibt es trotz der Abstriche bei einer klaren Empfehlung für "The Color of Magic".