„Wenn Kriege toben, werden Helden geboren“. Eine ziemlich patriotische Aussage, oder? Pazifisten werden auf jeden Fall mit dem wohl teuersten Film der amerikanischen Billigschmiede "Troma" nichts, aber rein gar nichts anfangen können. Ja selbst manchem Freund des schlechten Geschmacks ging der Film doch ein wenig zu weit. So bösartig und geschmacklich verwerflich war bis Citizen Toxie : Toxic Avenger IV keiner der schmuddeligen Ergüsse Lloyd Kaufmans. Trotzdem hat der Film seine Reize, als Parodie auf die 80er-Nonstop-Ballerfilme funktioniert er ungemein. Und da diese gottlob auch nicht harmlos waren, war es klar das in Punkto Gewalt noch einiges draufgesetzt wurde: ganze 15 Minuten fehlten so in der alten deutschen Videofassung! Ungekürzt entfaltet der Film natürlich sein ganzes Potential, wenn auch gewisse Abstriche gemacht werden müssen.
Auch wenn der Streifen an sich ziemlich Geld gekostet haben dürfte, der anfängliche Flugzeugabsturz wird uns nur anhand von Sprachfetzen nahe gebracht. Was zu sehen ist sind Flugzeugtrümmer, Leichen und einige unserer „Helden“ - die Überlebenden der Katastrophe. Die Figuren sind klar über- und gezeichnet, unter ihnen ein Gebrauchtwagenverkäufer der in Vietnam war und ziemlich Spaß hat noch lebenden Gegnern die Ohren abzuschneiden, eine vollbusige und resolute Oma, eine Blinde, den arroganten Geschäftsmann der Anfangs unschwer zu erkennen den späteren Status des Verräters einnehmen wird und das obligatorische Liebespaar das über Umwege zusammen findet. Eine illustre Truppe also, doch auf der Gegenseite sieht es nicht anders aus. Die Schar der Terroristen besteht aus Arabern, Spaniern, Russen, Frauen und Kindern - angeführt von psychopathischen siamesischen Zwillingen. Kurz vor einem Überraschungsangriff auf das schöne Amerika stehend glaubt keiner von ihnen, das es sich bei den scheinbaren Spionen nur um eine harmlose Reisetruppe handelt, die das Pech hat zum falschen Moment am falschen Ort zu sein. Doch gerade dieser Irrglaube wird ihnen zum Verhängnis...
Hurra Amerika Hurra! Egal ob jung oder alt, blind oder sehend, Mann oder Frau – der Wille zu siegen zählt. Und das wird einem mehr als nur einmal eingetrichtert. Ernst zu nehmen ist dieser Hurra-Patriotismus dennoch nicht, gnadenlose Überzeichnung dessen eher parodierendes Stilmittel. Denn "Troma" sind sicher die letzten die offen Liebe zu ihrem eigenen Land kundtun. So ist der Grundtenor eher galliger Art, es gibt manchen Seitenhieb auf amerikanische Werte und Normen, aber trotzdem wird irgendwo subversiv ein Querschnitt des heldenhaften amerikanischen Durchschnittsbürgers geboten und das macht auch irgendwie die Ironie des ganzen aus.
Das bei solch einer großen Gruppe eine nähere Charakterisierung nicht wirklich stattfindet, ist bei solch einem Streifen letztendlich auch egal - hier zählt anderes. Trotz der Oberflächlichkeit sind einem die meisten Figuren sympathisch, daher sterben auch eher die es „verdient“ haben oder zu denen man sowieso keine wirkliche Bindung aufbauen konnte. Das nun gerade ein Priester darunter ist, der trotz heraus gerissener Zunge sein Gebet weitergurgelt, beabsichtigte Auslotung des schlechten Geschmacks. Auch verbrennende Babys, Kugel durchsiebte Brüste oder die Aids-Brigade(!) nicht jedermanns Geschmack. Trotz vieler solcher kruder Szenen hat Troma´s War leider nicht den Humorgehalt anderer Produktionen, boshafte Bissigkeit ersetzt die gewohnte charmante Debilität, die aber dennoch ab und an durchflackert.
Horrorelemente finden sich hier keine wieder. Dafür wird ein Aufgebot an Action aufgefahren wie man es sonst nie wieder in einem "Troma" sah. Unzählige Statisten ballern mit Uzis, Maschinengewehren, Standfeuerwaffen, fliegen von Türmen oder Bäumen oder sausen mit Luftkissenbooten umher. Pyroeffekte gibt es auch genug: Hütten und Geschütztürme werden gesprengt, eigentlich explodiert andauernd irgendwo etwas. Schon kurz nach dem Anfang geht es nur rasant von dannen, die letzten 40 Minuten gibt es so gut wie keine Pause der Gewaltorgie. Dabei wird wenig Zurückhaltung geübt, zwar sind die Durchlöcherungen der Körper oder Einschüsse eher simpel gehalten, doch wie manch seltener echter Splatter-Effekt (Zunge rausreißen, Bauch aufschlitzen) ziemlich blutig geraten. Besonders im Finale gibt es ein nur pausenloses Geballere und Gemetzel, so das man kaum Luft bekommt. Da die Choreographie recht annehmbar ist, dürften selbst Freunde von Standard B-Action auf ihre Kosten kommen.
Obwohl die Geschichte an sich nicht sonderlich viel her gibt - da relativ wenig, trotzdem aber sehr viel passiert und es auch nur wenige spannende Momente gibt, ist dies relativ verschmerzbar. Dafür wird man anderweitig entschädigt und ob der stimmigen Kulissen und Bauten, die recht ansprechend in die Luft gejagt werden, sieht man gerne über dieses „Manko“ hinweg. Zwar nicht so durchgeknallt wie anderes aus der Feder von Lloyd Kaufman, doch nicht minder unterhaltsam.