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Manchmal gerät man an jene Filme, die einem lange Zeit nicht zusagen, weil Erwartungen kaum erfüllt werden, doch irgendetwas schwer Greifbares nimmt das Interesse in Beschlag und lässt einen ausharren. Im Fall von „Lockout“ ist es die merkwürdig bizarre Atmosphäre, die das gewisse Etwas ausstrahlt und sich handlungstechnisch schleichend in Richtung Mindfuck entwickelt.

Auf dem Papier liest sich die Story wie eine klassische, oft da gewesene Geisterhaus-Geschichte: Dan wird arbeitslos und zieht mit seiner asiatischen Frau Chris und deren jüngerer Schwester Rowena in ein Landhaus nach Wisconsin, in dessen Umfeld sich mysteriöse Ereignisse häufen. Mehr preiszugeben hieße bereits, diverse Twists und Turns zu enthüllen.

Die drei Hauptfiguren entfalten sich als gar nicht mal so stereotyp, da ihnen teilweise recht vogelige Eigenheiten anhaften. Dan hat ein Problem mit fremden Sprachen, was auch angeblich der Kündigungsgrund war, Chris wünscht sich ein Baby und nimmt Tabletten, während ihre jüngere Schwester heimlich als Domina jobbt und sich nebenher Heroin spritzt.
Die beiden Schwestern geraten oft in Streit, Dan ist eher der Beschwichtigende, was im Verlauf immer mehr nachlässt, nachdem er im Keller des Landhauses von einer Spinne in den Finger gestochen wurde.

Erzählerisch ist die Handlung in diverse Kapitel mit Überschriften unterteilt, von „Languages“ über „The Ride“ bis hin zum titelgebenden „Lockout“.
Wobei dieser ab der letzten halben Stunde mehr als nur eine Bedeutung erfährt, - ohnehin entpuppen sich die finalen 30 Minuten als intensives Geflecht aus Spannung, ein wenig Splatter und cleveren Wendungen. Leider liegen Schwächen im etwas zu ausgedehnten Vorlauf, der viele langatmige Szenen einbindet, die für das Vorankommen, - zumindest auf den ersten Blick -, irrelevant erscheinen.

Gewiss werden einige Zuschauer vorzeitig abspringen, denn besonders die anfängliche Distanz zu den Figuren ist unverkennbar und auch die Einführung der Charaktere mit verschiedenen Schauplatzwechseln scheint ein wenig wirr.
Doch mit der Zeit überwiegt der latent surrealistische Unterton, der einige merkwürdige Begebenheiten einbindet. Weniger Schockeffekte, wie ein Gesicht hinter einem Verschlag oder die unvermittelte Verwandlung in eine entstellte Leiche stehen im Vordergrund, es sind die teilweise recht bizarren Vorgänge wie eine Schwarzgekleidete, die seelenruhig mit ihrem Jeep auf und ab fährt während sich jemand versteckt, oder ein Blinder, der auf eher unkonventionelle Art sexuelle Befriedigung erfährt und dabei beobachtet wird.
Nach einiger Zeit hat man den erzählerischen Faden aufgenommen, der Plot ist problemlos zu verfolgen, da man sich ohne größere Sprünge dem beklemmenden Personengeflecht widmet.

Das überaus niedrige Budget der Produktion bleibt allerdings unverkennbar, ein paar merkwürdige Kamerapositionen können das nur schwer kaschieren und auch darstellerisch agieren nicht alle Mimen durchweg glaubhaft, wirkliche Abstriche sind diesbezüglich allerdings nicht zu machen.

Es ist also kein leicht konsumierbarer Psycho-Horror, der einem mit „Lockout“ begegnet. Er erfordert zu Beginn eine Menge Geduld und könnte vor allem Genre-Fans abschrecken, die regelmäßig eingestreute Schockmomente oder eine ganze Reihe grafisch dargestellter Gewaltszenen erwarten.
Beides findet sich eher im Finale, welches mit gleich mehreren Wendungen zu punkten weiß, - mit dem Ziel lohnt sich der teilweise etwas mühsame Weg schließlich doch.
6,5 von 10

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