"The Cult" ist eine krude Mixtur aus Drama, Thriller und Sexfilm, die sich an vereinzelten Stellen ambitionierter gibt, als man es erwarten würde, größtenteils jedoch als das in Erscheinung tritt, was sie vor allem ist: billig produzierte Exploitation, mit der das "Manson Massacre" (so ein Alternativtitel des Films) ausgeschlachtet wird. Die Darsteller kommen größtenteils aus entsprechenden Gefilden, der Regisseur, der hier als Kentucky Jones angeführt wird, hat zumindest unter diesem Namen nichts weiter abgedreht.
Die Geschichte fällt [Achtung: Spoiler!] denkbar einfach aus: Ivar, ein Sektenguru, hat einige junge Frauen um sich versammelt, mit denen er auf einer Party eine Reihe von Opfern ermorden wird. Dabei werden in Rückblenden vereinzelte Lebensläufe der Täter dargestellt, die sich dabei als Opfer von Lebensumständen und ungünstigen Schicksalsschlägen erweisen: der Guru selbst entpuppt sich als Leidender an der Promiskuität seiner Mutter, der er und die ihm in inzestuöser Zuneigung verfallen ist, bis es zum unbeabsichtigten Totschlag an einem ihrer Liebhaber kam, sowie als Vergewaltigungsopfer dreier Männer. Eine seiner Anhängerinnen ist dem rassistischen Umfeld des Vaters entflohen, eine andere ist das Opfer ihres sie missbrauchenden Vaters gewesen. Wieder eine andere litt lange unter ihrer prüden Mutter, die jede sexuelle Handlung hart bestrafte; leichte Beute für Ivar, der sich die Frauen schnell zu unterwerfen weiß und mit ihnen die sexuelle Freiheit genießt - eine weitere Freiheit ist das Töten, das die Sekte praktiziert und unter der Beschreibung des Sterbens als "Schritt in die Freiheit" vor sich selbst zu rechtfertigen weiß. Das Töten selbst wird im Finale zusätzlich als Racheakt für einige Vergewaltigungs- und Misshandlungserlebnisse inszeniert.
Insgesamt bleibt das ganze Geschehen aber psychologisch ziemlich unmotiviert bzw. unglaubhaft, und die Konfrontation des bürgerlichen Lebens und einer Jugendbewegung zwischen Love & Peace einerseits und gewalttätiger Rebellion andererseits bleibt letztlich ohne wahren Gehalt: die Zwänge der Spießbürgerlichkeit werden in ihrem aggressiven Potential und ihrer Nähe zur Heuchelei und Doppelmoral ebenso verurteilt, wie jede gewalttätige Rebellion dagegen - das Ideal des Films, der Gewalt als sensationellen Kitzel anpreist und verkauft, müsste demnach die Friedfertigkeit sein. Doch diese in Szene zu setzen, wäre kaum lohnend, also stürzt man sich auf Gewalt und Gegengewalt, die hier als konsequente Erwiderung präsentiert wird, um beides zu verurteilen, während zugleich voll und ganz mit dem Reiz des grausamen Geschehens koketiert wird - zynischer Humor sorgt dann spätestens am Schluss noch für eine gehörige Portion Nihilismus, wenn Ivar auf die Frage, welchen Gegenstand er aus einem brennenden Haus retten und mit sich nehmen wolle, "Das Feuer!" antwortet, womit dem Antihelden des Streifens ein letztes Mal eine morbide Faszination und ein dämonisches Charisma attestiert wird.
Abgesehen von der Unglaubwürdigkeit, die diesem Umstand zugrundliegt, versagt der Film auch in einer klaren Charakterisierung der Jugendbewegung, die hier präsentiert wird: Love & Peace geht mit Sex & Crime eine Mischung ein; freie Liebe, Drogen, Bikergruppierungen, Sekten und Gewalt werden vermixt zu einem Abbild einer Generation, während innerhalb dieser nicht mehr unterschieden wird. Angesichts der Herkunft der Manson-Family aus dem Hippie-Umfeld gibt sich der Film geschlagen und versucht gar nicht mehr zwischen beiden Positionen zu unterscheiden oder ihre Beziehung zu analysieren. Kentucky Jones setzt stattdessen auf Oberflächenreize und die Irritation, die die Verschmelzung von Friedfertigkeit und Aggression begleitet.
So bietet "The Cult" einzig ein Pandämonium an Vergewaltigungs-, Mord- und harmloseren Sexszenen, die sich aufgrund immer wieder eingestreuter Rückblenden nicht auf Beginn und Finale konzentrieren, sondern durch den gesamten Film ziehen. Der Montage kann man dabei mitunter einige Qualitäten kaum absprechen (assoziative Einsprengsel von kürzester Dauer und überdeutliche Parallelmontagen sind gelungen), zumeist jedoch arbeitet sie überaus plump: im besten Falle bedeutet das lehrbuchartige Überblendungen bei Rückblenden oder die konventionelle Vermischung von Farb- und s/w-Material, die die Ebenen unterscheidet und sich damit immerhin noch ganz in den Dienst des klaren Verständnisses stellt und dafür auf eine "echtere", farbige Abbildung nackter Leiber verzichtet. Nicht selten mutet die Montage aber auch regelrecht stümperhaft an - unsaubere Verknüpfungen, kleinere Sprünge funktionieren weder als unsichtbare Montage, noch als jump cut; dass sich solche Schnitte ganz besonders während der Sexszenen finden lassen, mag Anlass zur Vermutung sein, dass der Film (dessen Originalmaterial verschollen sein soll) ursprünglich auch Hardcore-Elemente enthielt: eine Dusch-Sexszene etwa läuft strikt auf eine Fellatio-Szene hinaus, reißt dann aber krass ab und wechselt schlagartig in einen einfachen Geschlechtsverkehr.
Auch die Struktur des Films, der mit den vielen Rückblenden und der schleichenden Entwicklung der Gegenwartsszenen keine Dramaturgie aufbaut, aber Grund für viele eingestreute Nummern aus Sex und Gewalt liefert, erinnert durchaus an das Konzept gängiger Hardcore-Produktionen. Auch wenn "The Cult" nie derartiges Material enthalten haben sollte, so ist er mit seiner Mixtur aus Sektenthematik mit Horroreinschlag und den (mitunter auch gewalttätigen) Sexszenen durchaus als Vor- oder auch bloß Mitläufer von etwa zeitgleich entstandenen Horrorpornos wie "Satan's Sex Slaves" (1971), "Satan's Lust" (1971) oder "Hardgore" (1974), die ihre Hardcore-Sequenzen immer an Gewalt und/oder Sektierertum koppeln.
Alles in allem ein handwerklich schwacher, recht einfallsloser Reißer, der seiner Thematik kaum mehr als Schauwerte zu entlocken trachtet und nicht nur deshalb recht pietätlos anmutet.
3,5/10