Düringer, Hader - das sind sowieso schon zwei Erfolgsgaranten. Das erfolgsverwöhnte Duo verspricht Komödienspaß auf feinstem Niveau. Im "Überfall" wird mit Bißmeier zum Trio erweitert, was für Regisseur und Autor Flicker ausreichend war. Der Film fokussiert das Zusammenspiel dieser drei Protagonisten, weitere Personen werden allenfalls zu Nebenrollen degradiert.
Doch wer Klamaukspaß oder humoristische Höchstleistung erwartet hat, wird schwer enttäuscht. Fast tiefsinnig, gespickt mit absurden Szenen die lediglich situationsbedingt für Lacher sorgen, berührt der "Überfall" eine fast nachdenklich stimmende Ader.
Andreas lebt in Scheidung, zusätzliche finanzielle Probleme bereiten ihm Sorgen. Fast ausweglos scheint die Lage. Mehr oder minder per Zufall stolpert er bei Schneider Böckel ins Hinterstübchen. Ein Wort ergibt das andere, und schon wurde aus einer Angstsituation die Verkehrung ins Gegenteil: Andreas greift beherzt zur Pistole und will nun Böckel berauben. Der anwesende Kunde Koppel indes sorgt für Unruhe: So einfach schnell und leicht wie es zunächst schien wird dieser Raubzug wohl doch nicht werden, auch wenn Koppel sicherlich der zahmste Störfaktor überhaupt ist.
Hier nun beginnt der Film interessant zu werden. Das Zusammenspiel dieser drei Individuen (Böckel möchte sich nicht unterkriegen lassen, Koppel ist verschüchtert, Andreas Berger als Räuber völlig überfordert) mutiert zu einer aberwitzigen und äußerst geistreichen Persönlichkeitsstudie. Gelungene Dialoge ("Sind Sie verheiratet?" - "Nein, ich bin Single." - "War ich auch mal.") und der permanente Versuch aller Beteiligten die Situation irgendwie unter Kontrolle zu bekommen und zu entschärfen ist faszinierend und unterhaltsam.
Böckel will sich nicht als Opfer unterkriegen lassen, nimmt Andreas einfach nicht ernst - nichtmal als dieser ihm das halbe Gebiss aus dem Mund schlägt. Koppel duckmäusert als Mamasöhnchen auch in dieser Situation, doch der spätere Besitz der Waffe verkehrt ihn ins Gegenteil - endlich ausbrechen aus seiner tristen Welt. Da wird der Räuber zum Bittsteller ("Könnte ich bitte, eventuell haben, das Geld, äh, bitte?"), Böckel in Abwechslung mit Koppel zum Mittäter - herrlich! Und als sich alle eigentlich voneinander lösen könnten (Koppel auf dem Klo im Flur) geben sie doch nicht auf, irgendwie kann das alles doch nicht schon vorbei sein, nicht so!
Als Andreas dann brav geht ("Also, ich geh dann. Irgendwie war ein arger Tag heute." - "Ja..." - "Basst." - "W-w-w-w-w-wiedersehn!") überrascht der Film mit einer interessanten Wendung, die sicher nicht unumstritten ist und dem Film einerseits die Krone aufsetzt, andererseits nach Alternativen schreit.
"Der Überfall" ist gelungen, trotz Fokussierung auf lediglich drei Personen spannend und unterhaltsam - eine rundum gelungen österreichische Produktion und Pflicht für Hader und Düringer Fans.
(9/10)