Review

Sicher, wer auf Österreichs Kabarettisten Hader oder Düringer steht, für den ist "Der Überfall" Pflichtprogramm. Doch auch auf die Gefahr mich als Banause zu outen, aber meine Wenigkeit ging die Sache etwas unbedarfter an und nachdem in den Anfangsminuten auch allmählich wieder ein Gefühl für die ungewohnte Aussprache unser liebenswerten südlichen Nachbarn enstanden ist, lässt sich die Sache wie folgt an:

Ein bemitleidenswertes Wrack (Roland Düringer), das geschieden ist und sein Leben ordentlich versumpft hat, benötigt Geld und offenbahrt darin seinen ganzen Dilettantismus als er durch Zufall in die örtliche Schneiderei gerät, obwohl er eigentlich woanders wo es mehr zu holen gibt auf Überfalltour wollte. Dort sitzt er also mit dem Besitzer (Joachim Bissmeier) und einem Kunden (Josef Hader) erst einmal fest wegen massiver Polizeipräsenz - nicht etwa wegen ihm selbst, sondern weil ein "Berufsgenosse" den Supermarkt gegenüber, ursprünglich auch sein Ziel, ins Visier genommen hat.

Unter der Regie von Florian Flicker entwickelt sich alsbald eine Art seltsames Kammerspiel in der Schneiderei, mit mindestens zwei ganz seltsamen Charakteren und einem dritten, dem Inhaber, der gegen die beiden Fehlgeleiteten nicht so recht ankommt. Ein jeder offenbahrt seine Macken und Spleens, alle sind mit der Situation überfordert und immer überwiegt die Planlosigkeit, Feigheit oder Hinterhältigkeit. Das macht durchaus eine Weile Freude zu betrachten und spitzt sich dann auch irgendwann doch noch zu, doch das Hauptaugenmerk wird auf die drei Charaktere geworfen, die aber leider irgendwann nicht mehr allzuviel hergeben und die ganze Situation droht trotz der recht kurzen Laufzeit des Films hie und da enervierend zu werden.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, wie man diesen Film als Österreicher himmelhochjauchzend als nationales Kulturgut abfeiern kann, denn unbestritten hat er auch seine aberkomischen Szenen, doch genauso muss es gestattet sein, das ganze etwas nüchterner zu betrachten und mit etwas mehr Distanz sage ich: Über weite Strecken ganz passabel, bisweilen sogar recht gut, aber Kult wohl nur für Ösis und solche, die’s werden wollen.

Seine besten Momente hat der Film für mich auch nicht etwa in der ach so zwiespältig skurrilen Charakterstudie während der Warterei, sondern erst ganz am Ende. Der Schlusspunkt ist für meinen Geschmack gar nicht so unfair, wie er im ersten Moment voller Tragik erscheinen mag, sondern für schwarzhumorige Gemüter tatsächlich sogar recht zufriedenstellend und beschert dem Film noch einen gelungenen Abgang. (6,5/10)

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