Red
(Koch Media)
Der Autor Jack Ketchum dürfte mit seinen verstörenden, zum größten Teil auf Tatsachen beruhenden Geschichten auch mittlerweile in Deutschland bekannt geworden sein (alle bisherigen Romane sind im Heyne Hardcore erschienen, die Verfilmungen seiner Romane Evil und The Lost stehen mittlerweile auch in den Videotheken).
Nach der gelungen Verfilmung Evil, und der eher zwiespältigen The Lost - Umsetzung folgt nun die wahrscheinlich werkgetreuste und intensivste Verfilmung: Red.
Den Regisseuren Trygve Allister Diesen (bewies in seinem atmosphärischen Debüt Insel der Dunkelheit seine Fähigkeit, den Zuschauer visuell und inhaltlich zu packen) und der erfahrene Lucky McKee (Masters of Horror, The Woods) gelingt das Kunststück, die eigentlich recht simple Grundgeschichte über den Kampf eines alten Mannes um Gerechtigkeit auf ein beinahe episches Format zu erheben, welches in seiner ruhigen, beinahe phlegmatischen Erzählweise umso intensiver wirkt, da es sich einzig auf die darstellerischen Leistungen seiner hervorragenden Besetzung verlässt, und ihnen den Raum gibt, diese zu entfalten. So gewinnt der Zuschauer den Eindruck, einem intensiven, herrliche altmodischen (hier sehr positiv gemeint!!!) Meisterwerk beizuwohnen, welches beinahe Clint Eastwoodsche Qualitäten aufweist.
Avery Ludlow (genial: Brian Cox)ist ein alter Mann und Witwer, der einen sporadischen Kontakt zu seiner Tochter hält, ansonsten aber durch persönliche Tragödien gebeutelt nur noch seinen Hund an seiner Seite hat. Eines Tages werden die beiden durch eine Gruppe Jugendlicher beim Angeln gestört, und aus einer sadistischen Laune heraus erschießt der Anführer der Gruppe Ludlows Hund Red. Nun macht sich Ludlow auf die Suche, die Gruppe Jugendlicher aufzuspüren, damit diese sich bei ihm entschuldigen, muss aber feststellen, dass weder die Jugendlichen dazu bereit sind, noch die entsprechenden Eltern, allen voran der wohlhabende Michael McCormack (ebenfalls sehr überzeugend: Tom Sizemore), dieses Vorhaben unterstützen. Da Ludlow diese Ungerechtigkeit nicht ungesühnt lassen möchte, startet er eine mittlerweile von der Öffentlichkeit beobachtete Aktion, die eine aggressive Reaktion McCormacks nach sich zieht. So schaukelt sich die Situation hoch, bis sie jedem der Beteiligten entgleitet, und eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt.
Die Veröffentlichung aus dem Hause Koch Media ist sehr solide. Bild und Ton lassen keine spürbaren Mängel erkennen, an Bonusmaterial liegen unter anderem eine Reihe an geschnittenen Szenen vor, die die Geschichte nicht unbedingt nach vorne bringen, diese aber komplettieren, und teils etwas dichter machen. Daneben gibt es eine reihe von Trailern, und man nahm sich glücklicherweise der Methode der Wendecover an, um das verunstaltende Logo auf der Frontseite zu beheben.
Red ist ein Paradebeispiel, wie Aggressionen sich aufbauen, und einem Orkan gleich sich entladen, und am Ende sowohl Schuldige als auch Unschuldige mitgerissen werden. Am Ende gibt es keinen Gewinner, keinen Verlierer, und letztendlich ist auch der Gerechtigkeit nicht genüge getan worden. Red ist ein faszinierendes Lehrstück, welches von der ersten Sekunde an fesselt, und den Zuschauer bis zur letzten Minute an den Bildschirm fesselt.
CFS