Jack Ketchum ist ja gerade ein heißes Eisen, was Verfilmungen angeht; nach „The Girl Next Door“ und „The Lost“ kam dann also „Red“.
Red, das ist der Hund und Weggefährte des Ladenbesitzers Avery Ludlow (Brian Cox). Selbiger ist in seiner kleinen Heimatstadt bekannt und beliebt, doch eines Tages wird der Witwer von drei jugendlichen Rowdys angepöbelt. Die drei wollen ihn ausrauben, doch als nicht genug Geld dabei hat, da erschießen sie aus Frust und Spaß Red. Jugendgewalt ist ebenfalls gerade aktuell und wurde ja in Filmen wie „Eden Lake“ verhandelt und auch „Red“ zeigt sehr konsequent ein paar gelangweilt-frustrierte Täter, deren Motiv einfach nur die Suche nach Extremsituationen ist.
Avery macht die Jungen ausfindig, zeigt sie an, doch die Justiz will angesichts eines Hundes nicht hart durchgreifen, die Väter verteidigen die Söhne. Avery schaltet die Medien ein, worauf die Fehde bald zum Privatkrieg ausartet...
Es geht also um Rache und Selbstjustiz, doch nicht auf die Art, wie es z.B. „Death Wish“ oder „Man on Fire“ im Sinn haben. Vielmehr zeigt „Red“ ein langsames Hochschaukeln von Gewalt und Gegengewalt, Sam Peckinpahs „Straw Dogs“ nicht ganz unähnlich – in beiden Filmen steht am Ende die gewaltsame Eskalation, der Rest der Laufzeit will Ursachenforschung beschreiben. Interessant ist dabei das Abwägen der Seiten: Für die meisten Außenstehenden ist der tote Red eben einfach nur ein Hund, für Avery ist es dann aber eine Erinnerung an die verstorbene Frau, ein treuer Begleiter, der letzte verbliebene Weggefährte, und damit von ganz anderer Wertigkeit.
Langsam erzählt „Red“ dann auch von Averys problematischem Background, der dann auch erläutert, warum ihm das Loslassen so schwer fällt, warum er die Konfrontation sucht. Gleichzeitig kann man darin auch ein Bestehen auf Prinzipien sehen, denn während White Trash Papa Doust (Robert Englund) den Filius nur aus Schwierigkeiten halten will, da nimmt der zwielichtige, kriminelle Unternehmer McCormack (Tom Sizemore) seine Söhne ganz aktiv in Schutz, unterstützt die Fehde bald sogar tatkräftig. „Red“ schiebt die Schuld also nicht allein den Jugendlichen zu, sondern macht klar, dass auch das Elternhaus Verantwortung für das trägt, was später aus den kleinen Rackern wird.
„Red“ verfügt bei dieser Schilderung über außergewöhnliche Szenen wie zum Beispiel den Überfall, bei dem Avery komplett ruhig bleibt und den Tätern die Genugtuung der Konfrontation nimmt – eben das tut, was er danach nicht mehr macht. Dabei bleibt er immer rational und ruhig, stellt seinen Gegnern Fallen, egal wie viel Geld sie in die Sache stecken, um mithilfe von Anwälten und Drohgebärden für Ruhe im Karton zu sorgen. Interessant ist auch die Figur von Harold (Kyle Gallner), dem Mitläuferbruder, der Avery sogar an gewissen Punkten hilft, gleichzeitig aber loyal zu seinem Arschlochvater und Arschlochbruder sein will.
Leider läuft das ruhige Drama auf der Zielgerade dann aus dem Ruder, wenn der Privatkrieg ganz drastisch eskaliert. Eine oberflächliche Autojagd will nicht ins Konzept passen, das Eskalieren in blutiger Gewalt wirkt einfach nicht stimmig und gerade die Verzweiflungsaktionen Averys passen nicht in das vorher dominierende Bild der überlegt handelnden Mannes. Von daher wirkt das Finale arg erzwungen und unglaubwürdig, während man über einige vorige Logikschwächen (z.B. die Tatsache, dass Avery den Übelwichten wirklich gar nichts nachweisen kann und es kaum wen stört) noch hinwegsehen konnte.
Dieses Scheitern ist dann doppelt schade, da die Besetzung wirklich exquisit ist. Gerade Brian Cox in der Hauptrolle als besonnener Rächer in eigener Sache erweist sich mal in Topform, während Tom Sizemore seiner recht klischeehaften Fieslingsrolle noch Nuancen abgewinnen kann. Kyle Gallner wiederholt seine „Veronica Mars“-Rolle als geknechteter Bruder, Kim Dicken bietet guten Support und auch Robert Englund liefert in seiner Gastrolle saubere Arbeit ab.
Das Thema der Gewalteskalation wurde ja bereits in Werken wie „Taxi Driver“, „Straw Dogs“ und „Beim Sterben ist jeder der Erste“ in den 70ern durchgekaut und an die Qualitäten derartiger Vorreiter reicht „Red“ nicht heran, da der Film gegen Ende leider empfindlich schwächelt. Dabei ist der Aufbau in den ersten zwei Dritteln in ruhiger Weise konsequent, die Schauspieler wirklich toll, doch im Abgang kann „Red“ diese Qualität nicht halten.