Viele zeitgenössische Spukhausfilme steigen damit ein, dass eine Familie mit zwei Kindern und einem Hund ins frisch erstandene Heim zieht, Mom übersinnliche Ereignisse wahrnimmt, Dad keinen Sinn dafür hat und plötzlich ist der Hund tot.
Hier hingegen konzentriert sich das Geschehen nahezu einzig um einen Anwalt, der das große Haus der Tante bewohnt und sich dabei mit Ereignissen aus der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss, - eine Geschichte, die gerade aufgrund der ruhigen Gangart ein paar effektive Schreckmomente zutage fördert.
Bryan Becket (Tim Daly) hatte seit Jahren keinen Kontakt zu seiner verstorbenen Tante, deren großes Anwesen er womöglich geerbt hat. Doch es taucht ein Testament auf, in dem das Gebäude einem Institut vermacht wird, welches sich neben Schlafstörungen auch mit ESP beschäftigt. Bryan sucht daraufhin den Leiter, Dr. Warren Koven (Bruce Altman) auf, den er nicht das letzte Mal besucht haben wird, denn neben Flüsterstimmen, nimmt er auch eine Gestalt am Fuße der Treppe wahr…
Es ist eine taktisch gute Entscheidung, nur wenige Protagonisten ins Geschehen einzubinden und den Fokus auf einen Man und das leere Haus zu richten.
Bryan bezeichnet sich selbst als emotionslos und ist als Anwalt nicht nur ein wenig arrogant, sondern auch der titelgebenden Skepsis verbunden, als er erstmals von den Experimenten im Schlaflabor hört.
Im Haus selbst, mutterseelenallein, bröckelt jedoch rasch seine Fassade, wobei es anfänglich noch amüsant anmutet, wie sich scheinbar übersinnliche Ereignisse wie ein lautes Poltern von der oberen Etage oder eine von selbst schließende Tür gleich darauf durch rationale Aspekte erklärt werden.
Bryans Umfeld beschränkt sich auf seine von ihm getrennt lebende Frau und den Sohn, seinen Kanzleipartner, einen alten Priester, einen Psychologen und einen wissenschaftlichen Leiter.
Eine etwas antreibende Rolle, damit noch etwas mehr Spuk im Spiel ist, erhält das junge Medium Cassie (Zoe Zaldana), welche sich selbst zu Bryan einlädt und schnell herausfindet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Haus und Bryans Mutter zu geben scheint.
Sie ist letztlich auch der Schlüssel, der Bryan auf den richtigen Weg der Nachforschungen lenkt.
Selbstverständlich sind Flüsterstimmen und kurzfristig im Halbdunkel erscheinende Figuren keine Neuheiten auf diesem Terrain, doch die wenigen Gruselmomente sitzen aufgrund ihres Timings und der unvorhersehbaren Momente, während Schnitt und Kamera entsprechend versiert herangehen. Hinzu kommt die Ausstattung der Räume, - rustikal, ein wenig altmodisch, aber auch etwas unheimlich mit den langen Fluren, mehreren Treppen mit Teppich belegt, einem Weinkeller und einem speziellen Raum, der mit Kruzifixen und Bibelpassagen gefüllt ist.
Der Score hält sich bewusst im Hintergrund, damit die erdrückende Stille besser zur Geltung kommt und mit ihr die plötzlich eintretenden Geräusche.
Darstellerisch kann Tim Daly die Chose recht locker im Alleingang austragen, obgleich er eine recht Breite Palette an Emotionen verkörpern muss, was zu Beginn kaum erahnbar ist.
Ihm zur Seite steht kurzfristig die hübsche Zoe Zaldana, die eine quirlige, aber gleichermaßen einfühlsame Rolle bekleidet. Ferner liefern auch Tom Arnold als Freund und Geschäftspartner und Robert Prosky als alter Priester sympathische Leistungen ab.
Letztlich liefert „The Skeptic“ keine Offenbarung in Sachen Spukhausfilm, bietet jedoch phasenweise recht stimmungsvolle Unterhaltung auf handwerklich solidem Niveau.
Gut besetzt, ordentlich performt, hält er sich mit Effekten oder gar Blutvergießen zurück und setzt mehr auf das Schicksal der Hauptfigur, wobei einzig der Ausgang etwas fragwürdig und frei interpretierbar daherkommt.
Ansonsten ein grundsolider Beitrag, der zu keiner Zeit Leerlauf oder Langeweile entstehen lässt.
6,5 von 10