Schon wieder ergreift in einem vorchristlichen Königreich, das allein der Phantasie italienischer Drehbuchautoren entsprungen ist, ein bösartiger Usurpator die Macht, wozu er den weisen, vom Volk geliebten, gütigen König nebst Gattin ermorden lässt, und auch nicht davor zurückschreckt, den Tod des sich noch im Säuglingsalter befindlichen Thronfolgers in Auftrag zu geben. Allerdings hat Ayak, wie unser nomineller Bösewicht diesmal heißt, nicht damit gerechnet, dass die Wiege des jungen Ursus in einem Tal landen wird, das Löwen bewohnen, die das Kind nicht etwa als leichte Beute ansehen, sondern es stattdessen bei sich aufnehmen und wie ein eigenes Junges großziehen. Ursus wächst nun also ohne Kontakt zu anderen Menschen in der Abgeschiedenheit des Löwentals auf, führt ein glückliches, friedliches Leben, und ahnt nichts von seiner Vergangenheit. Eines Tages, als er schon zum Mann mit stählernen Brustmuskeln herangewachsen ist, verirrt sich allerdings der Wagen eines Sklavenhändlers in das abgeschiedene Tal, und Ursus verliebt sich in eins der Mädchen, die der geschäftstüchtige Mann mit sich führt und das er ihm sofort zum Verkauf anbietet. Ursus gibt ihm für die hübsche Annia ein Medaillon aus reinem Gold, dessen Wert er nicht kennt und das er, wie er sagt, schon immer besitzt. Entzückt tritt der Sklavenhändler die Reise in die nächste Stadt an, wo er nicht nur eine weitere seiner Sklavinnen, Attea mit Namen, an Ayaks Privatharem verschachert, sondern auch auf das Medaillon angesprochen wird, das er jetzt stolz um seinen Hals hängen hat. Eine Untergrundorganisation ist es, deren Mitglieder schon lange Pläne schmieden, den verhassten Ayak zu stürzen, und die nun, wo sie das Medaillon vor der feisten Sklavenhändlerbrust entdecken, den berechtigten Glauben hegen, der rechtmäßige Herrscher Ursus sei den Schergen des Despoten damals doch nicht zum Opfer gefallen, sondern habe irgendwo in der Wildnis überlebt. Bei einem konspirativen Treffen stürmen allerdings Ayaks Soldaten zwischen die Verschwörer und erfahren schnell von dem bärenstarken Mann, der allein irgendwo in der Wüste unter Löwen hausen soll. Attea schließlich gibt Ayak den exakten Ort preis, wo seine Männer Ursus finden werden, und fordert dafür nichts weiter, als seine Gemahlin und somit die weibliche Gebieterin des Reichs zu werden, was Ayak ihr mit einem verschmitzten Lächeln verspricht, in dem jeder, der schon mehr als einen Filme dieser Machart gesehen hat, sofort die Lüge erkennen wird. Ursus hat es sich inzwischen mit seiner Annia gemütlich gemacht. Man turtelt verliebt und selbst ihr kleines Hündchen hat sich mit dem Löwenrudeloberhaupt Simba angefreundet. Das Paradies hat ein jähes Ende, als Ayaks Gefolgsleute das Tal erreichen, erstmal alle Löwen mit vergiftetem Fleisch außer Gefecht setzen, schließlich Annia gefangen setzen und Ursus unter Androhung ihrer Ermordung dazu zwingen, sich freiwillig zu ergeben. In Ayaks Folterkeller erfährt er die Wahrheit über seine Herkunft und schwört dem Mörder seine Eltern blutige Rache. Annia schwört ihm indes etwas Anderes: dass sie ihn nämlich ehelichen wird, wenn er Ursus nur am Leben lässt, worüber wiederum Attea nicht sonderlich erbaut ist, die sich nun selbst auf die Seite der Verschwörer schlägt, und alles daran setzt, Ursus zu befreien und Ayak für sein gebrochenes Eheversprechen zu bestrafen…
„Das grandiose Farbfilmgemälde folgt den Spuren des legendären Helden Ursus, der sich blutgierigen Hyänen, zornigen Elefanten und wilden Löwen im Kampfe stellt“, markschreit der Original-Kinoverleih-Text dieses italienischen Kolossalfilmchens, und nimmt den Mund dabei etwas zu voll. Es stimmt zwar, dass in URSUS NELLA VALLE DEI LEONI sowohl Hyänen als auch Elefanten und selbstverständlich Löwen auftreten, doch trifft eigentlich nur auf die Hyänen zu, dass sie blutgierig sind. Bei den Elefanten konnte ich keinen Zorn feststellen und die Löwen sind zwar wild, aber Ursus beste Freunde. Auch das mit dem grandiosen Farbfilmgemälde kann ich nicht ganz unterschreiben, obwohl ich dieses Werk, das dritte übrigens, in dem Ursus von Ed Fury verkörpert wird, für einen der besseren und vor allem unterhaltsamsten italienschen Sandalenfilmen der goldenen Genreära halte. Falls man den Film nicht ernst nimmt, und der Fehler wird wohl keinem unterlaufen, bietet er einem neunzig Minuten Unterhaltung, bei der man getrost den Kopf ausschalten und genießen kann, sofern man sich, wie ich, von eher billigen Monumentalkulissen, bitterbösen Schurken, Ränke schmiedenden Damen, muskelbepackten Heroen und ein paar Tieren begeistern lassen kann, die man aufgrund des Fehlens sonstiger Schauwerte vor die Kamera zerrte. Dabei ist URSUS NELLA VALLE DEI LEONI im Grund ein straighter Vertreter seiner Art. Seine Story entwickelt sich relativ logisch, die Motivation sämtlicher Charaktere ist klar, und es fällt nicht sonderlich schwer, der Geschichte zu folgen. Doch wäre das italienische Genrekino nicht es selbst, wenn nicht auch hier einige Skurrilitäten eingebaut worden wären, bei denen man nur den Kopf schütteln kann.
Das fängt schon bei der Ausgangssituation an. Eine Frage wie woher Ursus nun eigentlich die menschliche Sprache und menschliche Umgangsformen kennt, sollte man besser gar nicht erst stellen, wenn der Film doch behauptet, er sei schon von Kindesbeinen an bei den Löwen im Exil groß geworden. Besonders witzig wird es in einer Szene, wenn Annja nackt in einem See badet und dem sich heimlich hinzuschleichenden Ursus zuruft, er solle sich umwenden, während sie sich anziehe, denn es sei unschicklich, sie so zu sehen. Ursus versteht die Aufregung nicht, und fragt sie, was denn so schlimm daran sei, sie nackt zu sehen. Lustigerweise trägt Ed Fury selbst schon die ganze Zeit einen schicken Lendenschurz, was die Situation schlicht ad absurdum führt. Sonderlich intensiv sollte man auch nicht über die Charakterentwicklung nachdenken, die Ursus im Laufe des Films durchläuft. Zu Beginn noch der etwas einfältige, weltfremde Einsiedler, der nichts und niemand kennt außer seinen Löwenfreunden, entflammt offenbar urplötzlich die Liebe in ihm und er nimmt sich (im wahrsten Sinne des Wortes) Annja als Gefährtin. Nachdem Annja von Ayak entführt worden ist, wird Ursus zum Racheengel, innerhalb kürzester Zeit zum Anführer der staatsfeindlichen Rebellen und schließlich zum neuen Herrscher, das alles in einer Rekordgeschwindigkeit, die die Ursus-Figur quasi von Szene zu Szene einen Wandel durchleben lässt. Ansonsten liefert der Film die Genrestereotypen. Der Despot ist abscheulich in seiner Bösartigkeit, Annja hat nicht viel mehr zu tun als anmutig und liebreizend zu sein, Attea mag mit ihren Intrigenspinnereien noch die interessanteste Figur sein.
Richtig trashig wird es selten, dafür dann aber richtig. Ein Off-Sprecher malt noch vor Filmbeginn die Bedrohungen aus, denen das Filmteam während des Drehs ausgesetzt war, da man ja mit Löwen, Hyänen und Elefanten drehte, und somit ständig in Lebensgefahr beschwebte. Das allein mag schon absonderlich sein, es irritiert noch mehr, wenn man dann die Löwen zu sehen bekommt, mit denen Ursus seine Zeit vertreibt. Träge, benebelt, so, als habe man sie unter Sedative gesetzt, lungern sie in ihren Höhlen herum, bewegen sich schlafwandlerisch, liegen faul in der Sonne, und sind alles andere als wilde Bestien. Trotzdem hat man sich nicht getraut, den nominellen Star Ed Fury in die Höhle des Löwen zu schicken, sondern sämtliche Szenen, in denen Ursus mit seinen Freunden herumtollt, sie hätschelt oder ihre Mähnen zerzaust, warten mit einem Ed-Fury-Double auf, wahrscheinlich einem professionellen Dompteur, dem man offenbar eine Perücke aufsetzte, um die Illusion zu wahren, und konsequent nur von hinten filmt. Gleich zu Beginn gibt es da eine längere Szene, in der jener Ed-Fury-Statthalter minutenlang von Löwe zu Löwe wandert und mit ihnen harmlose Spielchen treibt wie sie an den Schwänzen zu ziehen oder sie dazu zu bringen, dass sie ihm das Gesicht ablecken, und dazu einen endlosen Monolog führt, der jeder Beschreibung spottet. Noch possierlicher wird es, wenn Annja mitsamt ihres Schoßhündchens bei Ursus eintrifft, denn das knüpft sofort eine enge Freundschaft zu Simba, dem Löwenmännchen, was Anlass zu einigen Szenen gibt, die besser in einen Tierfilm für Kinder gepasst hätten, und mit der Handlung hier so gut wie gar nichts zu tun haben.
Wo wir schon bei den Tieren sind, müssen auch endlich die Hyänen erwähnt werden. Die tummeln sich in einer Grube irgendwo in den Katakomben unterhalb des Königspalastes, und Ursus fällt ihnen aufgrund einer List vor die Nasen. Was nun geschieht, lässt sich für mich schwer einzuordnen. Entweder werden wir Zeuge eines merkwürdigen Kunststücks, das die Hyänen mit ihrem Dompteur, denn auch hier wird Fury natürlich gedoubelt, einstudierten, oder eines Falls von Tierquälerei, denn jede einzelne der Hyänen wird mit einer Peitsche gefangen, die sich von selbst um ihren Kopf schlingt, dann einmal quer durch die Grube gezogen und schließlich in einen der Käfige, die in die kreisförmige Mauer eingelassen sind, geschupst, worauf sie verschwindet und sich unser Held dem nächsten Tier zuwendet. Was genau die Elefanten in dem Film zu suchen hatten, hat sich mir nicht ganz erschlossen. Offenbar als lebende Dekorationselemente stehen sie am Ende bei der von Ayak initiierten Festivität herum und Ed Fury tut so, als würde er ihre massigen Körper mit bloßer Manneskraft zu Boden drücken, wobei sie wohl eher von ihrem Trainer den Befehl aus dem Off erhalten haben, sich hinzulegen.
Wenn man auch nur ansatzweise etwas mit dem italienischen B-Movie-Kino anfangen kann, hat URSUS NELLA VALLE DEI LEONI hohes Unterhaltungspotential. Andere werden sich wohl sowieso kaum für den Film interessieren.