Ohne große Vorkenntnisse und Erwartungen, aber mit der schönen Erinnerung an den hervorrgenden "Shaolin Soccer" und der leisen Hoffnung auf ähnlich kurzweiligen Spaß widmete ich mich heute "Shaolin Girl".
Die Story, sofern man von einer solchen sprechen möchte, ist denkbar einfach und kaum erwähnenswert: Rin (Kou Shibasaki) will die Lehre des Kung Fu verbreiten, erweist sich auch als äußerst begnadet und erregt damit während des Trainings mit der Lacrosse-Mannschaft die Aufmerksamkeit des bösartigen Universitätsdirektors Yûichirô Ôba (Tôru Nakamura), der sie für seine Zwecke missbrauchen will.
So weit, so gut - oder eher schlecht... dass Rin gefährdet ist, ihre Macht auch negativ zu gebrauchen, wird quasi im ersten Satz des Filmes erwähnt. Somit wird sofort preisgegeben, was die Thematik des Filmes sein wird und somit wundert sich dann sicher niemand mehr, dass tatsächlich die "dunkle Seite" (welch eine profane Anspielung) in Gestalt von Yûichirô Ôba versucht, Rin für sich zu gewinnen. Ansonsten bleibt der Film sehr oberflächlich, baut die vorhandenen Elemente allesamt nicht aus, sondern begnügt sich mit Andeutungen.
Sowas war in anderen Filmen nicht immer von Nachteil - in einem ulkigen Klamaukfilm mag man durchaus auf eine tiefgreifende Handlung verzichten. Hier jedoch wird eindeutig Potential verschenkt! Der Aufbau der Lacrosse-Mannschaft mit Hilfe der Shaolin-Kampfkunst kommt deutlich zu kurz und auch der Auftritt des bereits aus Shaolin Soccer bekannten Duos Tin Kai Man und Lam Chi-Chung wird unter Wert verkauft. Mögliche Zusammenhänge oder auch nur die Begründung, warum die beiden plötzlich in Japan sind, werden verschwiegen oder man muss sie sich selbst zusammenreimen.
Ja nun, klingt alles sehr mäßig bis uninteressant - so stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Film anzuschauen, besonders wenn nun noch auf der "dunklen Seite" des Filmes (welch ein profanes Wortspiel^^) hinzukommt, dass Yôsuke Eguchi (welcher der große Lehrer von Rin ist/war) extrem farblos spielt, keinerlei Ausstrahlung hat, und dass der aus Shaolin Soccer bekannte Humor hier deutlich weniger Raum einnimmt. Was beibt also?
Für mich ging das Konzept trotzdem auf - in kurzweiligen 108 Minuten schlug sich Rin mit ihrer eigenen Attitüde herum, suchte Freundschaft und fand sie letztlich auch, lieferte kurzweilige Kampfeinlagen ab (die natürlich gern zahlreicher und spektakulärer hätten sein können) und
SPOILER
besiegte die dunkle Seite.
SPOILER-ENDE
Dabei konnte sie durchaus schauspielerisch überzeugen.
Und sofern man Shaolin Soccer nicht grad in den Vortagen geschaut hat, kann man Shaolin Girl ohne allzu hohen (voreingenommenen) Maßstab guten Gewissens allein stehen lassen. Nett choreographierte Kampf- und Lacrosse-Szenen überzeugen ebenso wie der Rest des Settings.
Fazit: Mir hat Shaolin Girl, der mit seinem "großen Bruder" Shaolin Soccer nicht ganz mithalten kann, trotz offensichtlicher Mängel eine Menge Spaß gemacht. Für eine kurzweilige Zerstreuung bestens geeignet, amüsiert er mit ähnlich fantastischen, aber logischerweise nicht mehr neuen Einfällen, wie sein Vorbild: 7,5/10