Review

Embodiment Of Evil
(Sunfilm/Savoy Film)

Die Filme um den sadistischen Totengräber Coffin Joe haben in Fankreisen einen ähnlichen Kultstatus wie die einschlägig berüchtigten Filme von Hershell Gordon Lewis. Die wenigsten kennen die Filme wirklich, aber unglaubliche Gerüchte ranken sich um die dort gezeigten expliziten Goreeinlagen.Erstaunlich ist, dass nun ein neuer Coffin Joe – Film erscheint. Erneut verschlägt es Regisseur und Hauptdarsteller José Mojica Marins in sein bekanntes Terrain, und so dreht er nach 34 Jahren eine Fortsetzung der von ihm 1963 gestarteten Reihe (auch hier gilt der Vergleich zu Hershell Gordon Lewis, welcher 2002 nach über 30 Jahren eine Fortsetzung von Blood Feast drehte). Offiziell ist der vorliegende Embodiment of Evil der dritte Teil der Coffin Joe – Serie, jedoch ließ der Regisseur seinen Protagonisten auch in anderen seiner Filme am Rande in Erscheinung treten.
Die Geschichte handelt von dem mittlerweile sehr alten Totengräber, der nach jahrzehntelangem Gefängnisaufenthalt entlassen wird. Schon bald tritt er in seinem bekannten Outfit (schwarzer Zylinder, Vollbart, überlange Fingernägel) wieder in Erscheinung und schart erneut eine Gruppe von Anhängern um sich, die ihm helfen wollen, die Unsterblichkeit zu erreichen. Dazu benötigt er die perfekte Frau, die durch seinen Nachwuchs seine Seele weiter am Leben erhalten soll.
Schon in den 60ern mussten seine Filme gegen Zensur und Beschlagnahmung kämpfen, so warf man ihm die totale Anarchie und Blasphemie vor. Man sollte meinen, die Zeiten hätten sich geändert, und die Gesellschaft wäre aufgeschlossener solchen schon ins komödiantische gehenden filmischen Ergüssen, aber weit gefehlt. Die hier vorliegende Version musste über 7 Minuten an Material lassen, um Embodiment of Evil veröffentlichen zu können.
So recht möchte der Film leider auch nicht in die Gänge kommen. Auf der visuellen Seite gibt es keine größeren Defizite, hier wird versucht, über Rückblenden und optischen Spielereien dem Film das nötige Tempo zu verleihen, jedoch scheitert Embodiment of Evil an vielen Stellen an seinem selbstverliebten Drehbuch. Hier ergeht sich der Hauptdarsteller in langen Monologen über seine Beweggründe, Satan und der Macht des Bösen, was auf der einen Seite unfreiwillig komisch ist, auf der anderen Seite leider auch die Struktur der Geschichte immer wieder unterbricht und Löcher in die Dynamik reißt. Geistererscheinungen und Übergänge in Zwischenwelten geben der Glaubwürdigkeit den Rest.
Die dargestellten sadistischen Brutalitäten sind dann jedoch wieder auf der Höhe des aktuellen Trends, und brauchen sich hinter den einschlägig bekannten Filmen nicht zu verstecken.
Im Bereich des Bonusmaterials befinden sich neben den obligatorischen Trailern noch ein Making of und eine Bildergalerie auf der vorliegenden DVD.
Somit ist Embodiment of Evil zwar im Gesamtbild der Coffin Joe – Reihe ein interessanter Abschluss, als eigenständiger Film jedoch nur für den Fan der Reihe interessant.

CFS

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