In L.A. wird ein Restaurant von einem Amokläufer überfallen, wobei ein Mann erschossen wird. Ein Trauma, mit dem die übrigen Besucher des Lokals auf verschiedene Weise umgehen. So glaubt ein krebskranker Überlebender, gespielt von Forest Whitaker, er habe eine Glückssträhne und versucht sein Glück in diversen Casinos, die Tochter des Toten, gespielt von Dakota Fanning, wird religiös, eine Mutter, gespielt von Kate Beckinsale, kann sich nicht mehr so recht um ihr Baby kümmern und ein Arzt, gespielt von Guy Pearce, fühlt sich schuldig, weil er den Amoklauf nicht verhindern und zwei Menschen im OP nicht das Leben retten konnte.
Filme, die sich mit Ursachen und Hintergründen von Amokläufen beschäftigen, gibt es relativ viele, als Beispiele könnte man "Attentat auf Richard Nixon" oder sogar Scorseses "Taxi Driver" anführen, Portraits von Menschen, die schließlich eine derartige Gewalttat durchführen, bzw. von Mitmenschen, ihrer persönlichen Situation oder anderen Faktoren dazu getrieben werden, aber die Auswirkungen einer solchen Tat auf Überlebende und Zeugen, fallen oftmals unter den Tisch. Und genau dieser Thematik widmet sich Rowan Woods in seinem ambitionierten, aber im Endeffekt doch nur mittelmäßigen Episoden-Drama "Winged Creatures".
So hinterlässt der Film leider einen durchwachsenen Eindruck, da die verschiedenen Episoden unterschiedlich gut gelingen und bei einem wirklich guten Episoden-Drama kann man eigentlich erwarten, dass alle gleich gut, oder zumindest auf hohem Niveau liegen. Mit dem Handlungsstrang um die Tochter des Toten (Dakota Fanning) und ihrem Freund, der nicht mehr spricht, gelingt der beste Teil der Handlung, der durchaus berührt und vor allem durch seine emotionale Auflösung sehr gut gelingt. Daneben ist die Episode um den Arzt (Guy Pearce), der sich selbst eine Mitschuld am Geschehenen gibt, relativ gut, wobei sie erst am Ende durch einen tragischen Fall wirklich durchzündet, was aber aufgrund der starken Charakterkonstruktion durchaus zu verzeihen ist.
Daneben ist der Handlungsstrang um die frustrierte Mutter (Beckinsale) nicht allzu gelungen, so fehlt irgendwie die Verbindung zwischen ihrer Situation und dem vorangegangenen Amoklauf, während die Konstruktion nicht so gut gelingt, dass der Strang wirklich mitzureißen vermag. Am schwächsten ist die Episode um Whitaker, die derart unglaubwürdig gestrickt ist, dass sie beim besten Willen keine rechte Dramatik erzeugt und das Geschehen alles in allem bloß ausbremst.
Inszenatorisch gibt es kaum Innovationen, die einfließen. Typisch für einen Episodenfilm werden die einzelnen Geschichten parallel erzählt, wobei das Tempo leider so gering ist, dass der Film kaum an Fahrt aufnimmt und immer mal wieder temporär langweilt, wobei zumindest das Finale mitreißend genug ist, dass der Fehler verziehen werden kann. Den Überblick in der übergeordneten Handlung behält Regisseur Woods dabei zwar durchaus, allerdings fehlen die Ideen, um einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen zu können, so ist im Hintergrund die ganz Zeit über einheitliche, melancholische und monotone Musik zu hören, während die Stränge Stück um Stück vorangetrieben werden. Ein rundum durchschnittliches Episoden-Drama eben.
Im Endeffekt sind es die Darsteller, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen und den Film doch noch auf solides Niveau hieven. Besonders stark ist dabei Forest Whitaker, der sich hier gewohnt präsent zeigt und seinen langweiligen, unglaubwürdigen Handlungsstrang so doch noch einigermaßen souverän zu führen vermag, genauso, wie er es zuletzt im Episoden-Drama "The Air I Breathe" getan hatte. Daneben zeigt sich auch die, als eine der größten Nachwuchsdarstellerinnen gefeierte Dakota Fanning rundum überzeugend und ist bei ihrem finalen Gefühlsausbruch so unglaublich stark, dass sie zutiefst berührt und auch ihr junger Kollege Josh Hutcherson überzeugt durchaus. Daneben zeigt sich auch Guy Pearce von seiner besten Seite, während Kate Beckinsale zwar nicht brilliert, aber eine solide Leistung auf die Leinwand bringt. Und auch die Nebendarsteller, zu denen unter Anderem Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson gehört, sind gut besetzt.
Fazit:
Während manche Handlungsstränge des Episoden-Dramas durchaus dramatisch gelungen sind und an Fahrt aufnehmen, sind andere zu unglaubwürdig konstruiert, weswegen der Film mit seinen eigenen Ansprüchen scheitert. Zu allem Überfluss auch noch langsam erzählt, dafür aber famos gespielt und mit einem hochdramatischen Finale versehen ist "Winged Creatures" aber auch kein schlechter Film und für Genre-Fans allemal eine gute Empfehlung.
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