Manchmal bringen einige wenige Worte die gesamte Handlung eines Filmes so perfekt auf den Punkt, daß man nur baß staunen und respektvoll den Hut ziehen kann. Dies trifft zum Beispiel auf den Plot von The Geek zu, wo in der Internet Movie Database beim Filmeintrag geschrieben steht:
"Some Green Peacers go into the woods to celebrate nature; then Bigfoot shows up and rapes them."
Treffender geht es fast nicht. Etwas ausführlicher hört sich die Story dann so an: Sechs junge Menschen, drei Männer und drei Frauen, fahren mit einem weißen VW-Bus ins Grüne, um die Natur zu genießen und den legendenumwobenen Sasquatch - auch bekannt als Bigfoot - zu finden und zu photographieren. Während das Lager in der Nähe des Waldes aufgeschlagen wird, sondert sich ein frischvermähltes Pärchen heimlich, still und leise ab, um auf einer Wiese ihre ehelichen Pflichten zu vollziehen. Anders formuliert: Sie fingern an sich herum, er leckt sie, sie bläst ihn, dann besteigt er seine erwartungsvoll auf dem Rücken liegende Frau und besorgt es ihr in der Missionarsstellung. Zurück im Lager begibt sich ein anderes Pärchen in ein Zelt für eine Runde zünftiges Schnackseln. Anders formuliert: Sie fingern an sich herum, er leckt sie, sie bläst ihn, dann besteigt er die erwartungsvoll auf dem Rücken liegende Frau und besorgt es ihr in der Missionarsstellung. Es geht doch nichts über ein wenig Phantasie beim Geschlechtsakt. Ein Blick auf die Uhr nach den ausgiebigen Liebesspielen verrät, wir befinden uns in Minute siebenunddreißig. Bei einer Gesamtlaufzeit von etwa fünfundfünfzig Minuten heißt das, daß bereits mehr als zwei Drittel des Filmes um sind.
Bis hierher ist der in Kalifornien gedrehte The Geek im Grunde ein ganz "normaler" Hardcore-Porno, der kaum der Rede wert ist. Ein billiger, unorigineller und erstaunlich öder Ferkelfilm, zur Gänze in der freien Natur spielend, mit expliziten Sexszenen, die weder vor Leidenschaft überquellen noch mit Kreativität glänzen oder mit Witz punkten. Wenig auf- bzw. erregendes Gebumse, um die Zeit bis zur großen Attraktion zu überbrücken, die da heißt: Sasquatch. Aus unerfindlichen Gründen nennt man das wilde Zottelwesen hier allerdings "the Geek". Egal, die Gruppe hat Glück, sie steht dann tatsächlich dem Geek gegenüber. Ein mutiges (und dummes) Mädel nähert sich ihm vorsichtig, mit ausgestreckter Hand, um gleich mal "Grüß Gott!" zu sagen. Zu ihrer Verwunderung ignoriert der Geek ihre höfliche Begrüßungsgeste. Stattdessen packt er sie feste, beschnuppert sie, schält ihr die Hose vom Leib, platziert sie auf allen Vieren vor sich hin und nimmt sie stürmisch und ungefragt von hinten. Womöglich hat ihm ihr Geruch Paarungswilligkeit signalisiert, man weiß es nicht. Nach dem ersten Schock - die Frau wußte wahrscheinlich gar nicht, wie ihr geschieht - leistet sie zaghaft Gegenwehr. Und dann passiert das, was in Exploitationfilmen der 1970er-Jahre manchmal passierte.
Das Vergewaltigungsopfer findet Gefallen am garstigen Akt, anders ist das breite Grinsen, das sich auf ihr Gesicht stiehlt, nicht zu erklären. Als der Geek mit ihr fertig ist, bleibt sie erstmal erschöpft liegen. Was auch immer für Gedanken ihr jetzt durch den Kopf schwirren, so hat sie sich die Begegnung mit dem haarigen Unhold bestimmt nicht vorgestellt. Immerhin scheinen ihre Kameraden nun den Ernst der Lage erkannt zu haben und geben Fersengeld. Sie befürchten wohl, daß Bigfoot sein Pulver noch nicht zur Gänze verschossen hat. Und sie irren nicht! Der liebestolle Geek macht sich sogleich über eine junge Frau her, die aufgrund eines fatalen Stolperers hilflos im Gras zappelt. Auch sie wird forsch von hinten begattet. Im Gegensatz zu Opfer Nummer Eins verfällt sie allerdings in eine Art Schreckstarre, rührt keinen Finger und läßt den aufgezwungenen Beischlaf stillschweigend über sich ergehen. Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, was denn die Männer so gemacht haben, während zwei ihrer Weibchen vom abscheulichen Zottelwesen geschändet wurden. Nun, da sie sich alle in unmittelbarer Nähe aber nicht im Bild befunden haben, standen sie wohl wie die Ölgötzen in der Botanik und hielten Maulaffen feil. Sowas sieht man halt echt nicht alle Tage.
Jetzt aber, da Bigfoots Vergewaltigungsorgie ein Ende gefunden hat, nehmen sie all ihren Mut zusammen und stürmen auf das Monster los. Dabei stellen sie sich so dämlich an, daß man glatt glauben könnte, wir wohnen der ambitionierten Schultheateraufführung eines Slapstick-Projekts bei. Wie auch immer, sie schaffen es, das Biest zu verscheuchen; vermutlich hatte es Mitleid mit den Deppen und tat ihnen den Gefallen, in den Wald zurückzudackeln. "Someday I'm gonna get that filthy animal", murmelt der Photograph, der nach der Rangelei ziemlich angeschlagen ist. Dann gehen die Sechs ihrer Wege, wobei der Photograph, der sich nach dem Schubser kaum auf den Beinen halten kann, von seinen Begleitern umsorgt wird. Um die zwei vergewaltigten Frauen, die lustlos nebenher stapfen, kümmert sich indes kein Schwein. Die werden völlig ignoriert! Ein unschickliches Ende für einen unfaßbaren Film. Wer The Geek verbrochen hat, ist nicht bekannt. Die mir vorliegende Fassung hat keine Credits, und auch das Internet hüllt sich über die ominösen Macher in Stillschweigen. Vielleicht haben ebenjene ja nach der Sichtung ihres famosen Machwerks kalte Füße bekommen? Jedenfalls waren die Füße nicht kalt genug, um den Film nicht trotzdem zu veröffentlichen.
Als Film ist The Geek ein Totalausfall, als irrlichternde Murmel aus dem Kuriositätenkabinett der Exploitation-Filmgeschichte ist er unbezahlbar. Der Streifen ist ein Baddie, wie er im Buche steht. Dagegen wirkt der andere große Bigfoot-Heuler, James C. Wassons Night of the Demon (Der Teufel tanzt weiter, 1980) wie Oscar-Material. Hier stimmt einfach gar nichts. Von den talentbefreiten Schauspielern über die lahme Kameraarbeit bis zur haarsträubend dilettantischen Inszenierung, dieses Werk ist fast schon meisterhaft in seinem totalen Unvermögen. Doch genau daraus ergibt sich auch die Faszination, die mitunter hypnotische Höhen erklimmt. Denn so öde und bescheuert es oft zugeht, es fällt unsagbar schwer, den staunenden Blick von dieser filmischen Katastrophe, von diesem cineastischen Super-GAU, abzuwenden. Keine Sekunde will man verpassen. Nicht das minutenlange, ereignislose Spazieren durch die Botanik, nicht den unbeholfenen Aufbau des Camps, nicht die betont nüchternen (und reichlich überflüssigen) Kommentare der sonoren Erzählstimme ("Here you see our crew preparing to make camp."), nicht die lahmen, nachsynchronisierten Dialoge, und auch nicht die unermüdlich nebenher dudelnde, oft von Streichern und Bläsern dominierte Musik.
Und ganz bestimmt nicht verpassen will man Sasquatch aka Bigfoot aka "the Geek", der ziemlich armselig geraten ist. Man muß wohl lange suchen, um ein erbärmlicheres Monster als dieses dumm glotzende aber sexuell aktive Zottelwesen zu finden. Wer beim Anblick dieses jämmerlichen Zausels nicht lauthals losprustet, geht zum Lachen wohl in den Keller. The Geek ist grenzwertiger Unfug der gröbsten Sorte, den man unmöglich ernst nehmen kann. Für Bad-Movie-Aficionados und Sexploitation-Freaks somit absolutes Pflichtprogramm.