Harrison Ford schlüpft ein viertes Mal in die Rolle des Indiana Jones, der nach dem merkwürdigen Verschwinden seines ehemaligen Kommilitonen, gespielt von John Hurt, zusammen mit dessen Ziehsohn, gespielt von Shia LaBeouf, nach Südamerika fliegt. Der russische Geheimdienst, allen voran eine mysteriöse Wissenschaftlerin, gespielt von Cate Blanchett, sitzt ihm jedoch im Nacken und als Jones einen Kristallschädel findet, der unmöglich von der Erde stammen kann, wird ihm allmählich das Ausmaß seines neuen Abenteuers klar.
Die Nachricht, dass George Lucas, Stephen Spielberg und Harrison Ford noch einen "Indiana Jones"-Teil drehen wollen, schlug ein wie eine Bombe. Neben den Fragen, ob Ford trotz seines fortgeschrittenen Alters noch einmal in seine Paraderolle schlüpfen kann und ob der Film an den Erfolg seiner Vorgänger anknüpfen kann, war die wohl zentrale Frage, ob der Film die gesamte Reihe im Nachhinein doch noch in den Dreck zieht, oder ob "Indiana Jones 4" die Reihe würdig fortsetzen kann. Und leider kann der Film in vielerlei Hinsicht nicht an die alten Teile anknüpfen, funktioniert aber als Abenteuerfilm hervorragend und ist neben "Iron Man" bisher einer der gelungensten Blockbuster des Kinojahres 2008. Obwohl Spielberg wichtige Merkmale der vorherigen Teile, wie Indis Peitsche, den altbekannten Hut oder den kultigen Soundtrack in die Moderne übernommen hat und sich sichtlich bemüht, den Film möglichst nostalgisch umzusetzen, kann man ihn nicht so richtig als Anschluss an die vorherigen Teile betrachten. Ich persönlich sehe die "Indiana Jones"-Reihe mit "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" als abgeschlossen an und alles, was jetzt noch kommt ist reines Unterhaltungskino, das niemals so unsterblich wie die letzten Teile werden kann.
Bei der Story versucht man den Spagat zwischen der Verknüpfung mit den vorherigen Teilen und der Übertragung in modernere Zeiten zu meistern, scheitert dabei aber leider. Die Idee, diesmal das legendäre El Dorado zum Ziel des neuen Abenteuers zu erklären ist zunächst einmal nicht schlecht. Außerdem darf Indi diesmal vor diversen russischen Agenten und nicht vor den Nazis flüchten, aber hier gibt es keinen Unterschied zu den vorherigen Teilen, da es so oder so auf halsbrecherische Verfolgungsjagden und Schießereien hinausläuft. Das Problem der Story liegt zunächst einmal darin, dass wirklich jede Logik auf der Strecke bleibt, so ist es für mich beispielsweise unerklärlich, wie Spielberg und Lucas auf die Schnapsidee kommen konnten, Aliens in den Film einzubauen. Spielberg wollte wohl noch mal "Unheimliche Begegnungen der dritten Art" wieder beleben, aber damit übertreibt er es dann doch, ich hatte schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass E.T. und der weiße Hai auch noch auftauchen. Die Charakterkonstruktion unterscheidet sich nicht von den anderen Teilen, tritt bei dem irrsinnig schnellen Tempo des Films aber sowieso in den Hintergrund. Alles in allem haben Spielberg und Lucas bei der Story maßlos übertrieben und somit endgültig den Anschluss an die vorherigen Teile verloren.
Dass Spielberg erstklassiges Popcorn-Kino inszenieren kann, bewies er in der Vergangenheit schon dutzendfach mit unvergänglichen Meisterwerken wie "Unheimliche Begegnungen der dritten Art", "Der weiße Hai", "E.T.", "Jurassic Park" und eben der "Indiana Jones"-Trilogie und auch hier zeigt die Regie-Legende wieder, was sie auf dem Kasten hat. Das Erzähltempo hält Spielberg die ganze Zeit über sehr hoch und gönnt dem Zuschauer bei der zweistündigen Achterbahnfahrt aus Verfolgungsjagden, Schießereien und Wendungen im Minutentakt keine Verschnaufpause. Damit ist dem Film eine gewisse Kurzweiligkeit sicherlich nicht abzusprechen, aber unterhaltsam ist der Blockbuster damit auf jeden Fall. Die Kulisse ist wie schon bei den vorherigen Teilen überaus aufwendig und abwechslungsreich. Von engen und finsteren Höhlen, über prunkvolle Tempel, bis hin zum tiefsten Regenwald ist wirklich alles dabei und mit Liebe zum Detail inszeniert. Vor allem am Ende ist die Kulisse entsprechend monumental und gewaltig und von Spielberg perfekt in Szene gesetzt. Die Filmmusik ist natürlich entsprechend schnell, um den Film noch weiter aufzuheizen, aber auf den kultigen Soundtrack wurde selbstverständlich nicht verzichtet. Durch die nostalgischen Requisiten aus älteren Fahrzeugen und Klamotten wird ein Versuch gestartet, an die alten Teile anzuknüpfen, aber es will einfach nicht funktionieren. Um den Film seinem neuen Publikum anzupassen baut Spielberg überaus Teenie-tauglichen Slapstick-Humor ein, der den Abenteuer-Film ein wenig auflockert und den Blockbuster somit abrundet. Im Zeitalter tricktechnischer Meisterwerke wie "Iron Man", "Spider-Man" oder "Transformers" kann Spielberg natürlich nicht auf aufwendige Spezial-Effekte und Action-Sequenzen verzichten. Einerseits hebt sich der Film damit noch mehr von seinen Vorgängern ab, andererseits wird der Film damit natürlich noch schneller und noch unterhaltsamer. Mit seinen dunklen, klaustrophobischen Höhlen, einigen mysteriösen Ereignissen und der stetigen Bedrohung durch die russischen Agenten kann Spielberg stellenweise sogar eine gespannte Atmosphäre aufbauen und die Spannung somit zum Ende hin steigern, wenn da nicht das dämliche Ende wäre, dass alles wieder zunichte macht. Der Versuch durch das Wiedersehen von Indi und seiner ehemaligen Geliebten und durch das plötzliche Auftauchen seines Sohns einen Ansatz von Emotion und Dramatik aufzubauen ist in Anbetracht der zerfahrenen Handlung zum Scheitern verurteilt. Darüber hinaus nervt stellenweise, dass trotz dutzender Schießereien keiner der Protagonisten getroffen wird. Alles in allem gelingt Spielberg einmal mehr ein Blockbuster mit Action, Spaß und Spannung, dem ein paar kleinere Schönheitsfehler leider nicht abzusprechen sind.
Harrison Ford, der im Vorfeld aufgrund seines fortgeschrittenen Alters von 65 Jahren für seine Entscheidung, noch einmal in die Rolle des Indiana Jones zu schlüpfen heftig kritisiert wurde, zeigt, dass er immer noch den nötigen Biss für die Rolle hat. Er zeigt Eigenironie mit diversen Anspielungen auf sein Alter, die Ford höchstpersönlich in den Film integriert haben wollte und liefert einige amüsante Szenen. Darüber hinaus zeigt er auch bei den Action-Szenen, dass er der Rolle noch gewachsen ist und wirkt sichtlich gut gelaunt. Nachdem er mit "K-19", "Hollywood Cops" und "Firewall" zuletzt nur Flops landete wird ihn "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" wohl zurück auf die Erfolgsspur bringen. Stephen Spielbergs Schützling Shia Labeouf spielt ebenfalls überzeugend, kam aber mit der Rolle des sympathischen Verlierer-Typen in "Disturbia", "Das Geheimnis von Green Lake" und "Transformers" wesentlich besser zu Recht, zumal er einfach nicht in heroische Rollen passt. Während er bei den spannenderen Szenen also stellenweise überfordert wirkt, ist er bei den amüsanten Stellen aber umso besser. Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett liefert als russische Agentin das perfekte Feindbild ab und zeigt nach "Tagebuch eines Skandals" und "I`m not There" erneut, dass sie zu den besten Darstellerinnen in Hollywood gehört. Die Idee, Karen Allen, die bereits in "Jäger des verlorenen Schatzes" zu sehen war, erneut mitspielen zu lassen entpuppt sich im Nachhinein als hervorragend, da sie mit ihrer charmanten und amüsanten Art und ihrer guten Laune die meisten Lacher liefert. John Hurt ist in der Rolle des verrückten Professors hervorragend aufgehoben und liefert eine überragende Leistung, vielleicht sogar die beste des Films. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.
Fazit:
Auch wenn "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" nicht an seine Vorgänger anknüpfen kann ist es dennoch ein gelungener Blockbuster, der durch die gelungene Inszenierung von Stephen Spielberg und den hervorragenden Cast zu einer Achterbahnfahrt aus Action, Spaß und Spannung und Spannung wird, die lediglich durch ihr dämliches und unlogisches Ende ein wenig ausgebremst wird. Wer mit zu hohen Erwartungen in den Film geht, wird wohl dennoch enttäuscht werden, ansonsten ist der Film aber empfehlenswert.
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