Es gehört schon gehörig Selbstvertrauen dazu, anno 2008 einen Independent Okkult-Horror-Flick zu realisieren, dessen Handlung sich Genrekundige mit Hilfe weniger Reizwörter treffend selbst zusammen basteln können.
Also, man nehme als Setting eine olle verlassene Anstalt, als Cast eine Handvoll niedlicher Jungmimen, um damit eine handelsübliche Gruppe Studenten zu besetzen (deren Handlungsspielraum in etwa mit ihrem geistigen Horizont zusammenfällt) und baue die Handlung als latente Bedrohungssituation infolge unsachgemäßer Beschwörung des Prinzen der Dunkelheit auf, natürlich wie immer zwischen Gläserrücken und Partymachen. Nicht zu vergessen die Chuzpe von Toni Harman, den ganzen Hokuspokus optisch und inhaltlich einmal mehr in der Verwendung des Symbols des guten alten Pentagramms zu verankern - dazu gehört schon reichlich Mut (oder Leichtsinn).
Überraschend ist an der Inszenierung somit lediglich, welche Klischees nicht zutreffen: die hübschen Mädels bleiben nämlich alle angezogen und das Opferaufkommen entspricht in der Verteilung nicht unbedingt den gängigen Erfahrungen. Blutige Metzeleien und ähnliche Schauwerte sind partout nicht geboten, denn Miss Harman möchte ihren Film als psychologischen Horror verstanden wissen. Deshalb liegt über der Inszenierung durch Verwendung subjektiver Kameraperspektiven auch noch ein Hauch von Blair Witch & Co. Die Kameraführung ist mitunter sogar noch das Lobenswerteste am ganzen Film, was in Verbindung mit der natürlich spukigen Atmosphäre der Location das niedrige Budget ganz gut kaschiert.
Aber leider ist von ein oder zwei gelungen grusligen Szenen abgesehen, "Credo" stinkelangweilig. Alleine schon die Tendenz, völlig Nebensächliches lang und breit zu erklären ist irgendwo typisch für diese Art des Independent-Films. So dauert und dauert es, bis irgendeinmal überhaupt etwas passiert, was die Handlung voranbringt. Der Begriff Erzähltempo ist angesichts der Aneinanderreihung einer statischen Szene an die andere kaum noch angebracht. Die Studenten sitzen sich entweder in einem an Katatonie anmutenden Zustand gegenüber und texten sich zu, oder laufen einsam und angespannt schnaufend über Treppe und Flur, während man als Zuschauer hofft, dass hinter der nächsten Ecke hoffentlich jemand sitzt und "Buh!" macht. Meist macht aber niemand "Buh!" und wenn doch, dann drückt das den Adrenalinspiegel bestenfalls für einen denkbar kurzen Schreckmoment in die Höhe.
"Credo" kann leider nicht eine einzige frische Idee behaupten, dabei hätte die Anzahl der Klischees hingegen sogar eine Parodie zugelassen. Staubtrocken und frei von jeglicher Ironie bietet "Credo" somit denkbar wenig Unterhaltsames. Mitnichten empfehlenswert, um Interesse am Genre zu wecken.