Die TV-Krimireihe „Einsatz in Hamburg“ lief von 2000 bis 2013 im ZDF und brachte es auf 15 rund 90-minütige Episoden. Die Fälle um Kommissarin Jenny Berlin (Aglaia Szyszkowitz, „Klimt“) wurden von verschiedenen Regisseuren inszeniert, dieser zehnte aus dem Jahre 2008 von Lars Jessen, der zuvor bereits für diverse TV-Krimireihen tätig war, 2005 mit „Am Tag als Bobby Ewing starb“ seinen ersten Spielfilm abgeliefert hatte und später mit Filmen wie „Dorfpunks“ oder „Fraktus“ größere Popularität erlangte. Das Drehbuch zu „Ein sauberer Mord“ stammt vom Autoren-Team Elke Schuch und Marc Blöbaum.
Der Mord an Werner Blank (Michael Prelle, „Tatort: Der gelbe Unterrock“), Inhaber eines Reinigungsunternehmens, führt Jenny Berlin und ihr Team ins Putzfrauen-Milieu – und dessen Schattenseiten. Blanks Angestellte betonen, welch guter Arbeitgeber er gewesen sei, schließlich habe er übertariflich gezahlt. Der Anfangsverdacht fällt auf Blanks Angestellte Gabi Hoffmann (Nicola Thomas, „Die Liebe meines Lebens“). Die 36-jährige Mutter von zwei Kindern ist mit einem ehemaligen Angestellten Blanks verheiratet, der seit einem Arbeitsunfall berufsunfähig ist und sich zudem verschuldet hat, weil er den Prozess gegen Blank verlor. Doch Berlin zweifelt an ihrer Schuld und tatsächlich erweist sich der Kreis der Verdächtigen als weitaus größer: Blanks Sohn (Fabian Hinrichs, „Schussangst“) ist kokainabhängig und nicht sonderlich gut auf seinen verschiedenen Vater zu sprechen. Dieser wiederum erweist sich im Nachhinein als nur deshalb so großzügig, weil er zusammen mit seiner russischen rechten Hand Irina Guseva (Yekaterina Medvedeva, „Du bist nicht allein“) illegale Einwanderinnen ausgebeutet und die Gewinne an der Steuer vorbeigeschleust hat. Von einer unbekannten Person wurde Blank mit diesem Wissen erpresst. Als Gabi Hoffmanns Sohn entführt und ein Anschlag auf Berlins Fahrzeug verübt wird, überschlagen sich die Ereignisse…
Verglichen mit manch „Tatort“ erscheint dieser Fall geradezu bodenständig und sensibilisiert mit starker sozialkritischer Tendenz für den Reinigungs-Schwarzmarkt und dessen Ausbeutungsmechanismen. Dabei wird in diesen knapp 90 Minuten weniger gekleckert denn mehr geklotzt und alles in die Handlung integriert, was irgendwie möglich schien: Mord und Mordversuch, Drogenabhängigkeit, Erpressung, Entführung, Anschlag, Fluchtversuche, persönliche Abgründe und Schießereien. Das ist wieder einmal eindeutig zu viel des Guten und wirkt derart übertrieben, dass es zwar spektakulär, jedoch wenig glaubwürdig erscheint. Jessens Regie rückt die einzelnen Charaktere in den Mittelpunkt, hat angesichts des geballten Inhalts jedoch kaum Zeit, den Handlungsort in Szene zu setzen. Dramaturgisch hält er seinen Fall spannend und so geordnet, dass der konzentrierte Zuschauer nie die Übersicht verliert.
Negativ fällt neben einigen Klischeedialogen sowie dem müden Running Gag um Berlins Kollegen Volker (Rainer Strecker, „Otto – Der Katastrofenfilm“) mit den beiden gebrochenen Daumen jedoch Berlins Charakterisierung als allzu menschliche und verständnisvolle Kommissarin auf. Der zwischenzeitliche Zwist zwischen ihr und ihrem Kollegen Hans Wolfer (Hannes Hellmann, „Wilde Jahre“) ist noch gut nachvollziehbar, doch dass man den unterschiedlichen Delinquenten sämtliche Nicht-Kapitalverbrechen durchgehen lässt sich im finalen Showdown auch noch von einer Einzelperson, die bereits auf jemanden gefeuert und schwerverletzt hat, mit einer Schusswaffe bedrohen lässt, ist derart hanebüchen und unrealistisch, dass sich „Ein sauberer Mord“ unterstellen lassen muss, letztlich dann eben doch gefällige, naive Kost zu liefern, damit am Ende doch noch „alles gut“ wird – was der endgültig überkonstruiert auf Happy End gebürstete Epilog dann auch noch einmal dick unterstreicht.
Natürlich handelt es sich bei solchen Krimiserien um Fantasieprodukte. Dennoch bin ich etwas unschlüssig, was ich davon halten soll. Sicherlich stellen derartige Serien Polizeiarbeit gern so dar, wie sie sein sollte und lassen dabei die bundesdeutsche Realität außer Acht. Dies kann als wohlwollende humanistische Empfehlung gewertet werden, aber eben auch als Realitätsverlust oder gar als Beschönigung oder Verklärung tatsächlicher Umstände. Und spätestens, wenn Täter auf derartiges Verhalten von Polizisten und Kommissaren vertrauen und dies letztendlich mit dem Tod bezahlen, haben solche Krimis der Gesellschaft einen Bärendienst erwiesen. Unterm Strich finde ich es schade, dass ein reale Probleme wie undurchsichtige, fast mafiöse Reinigungsgeschäfte im Zusammenhang mit illegaler Einwanderung, die zu Abhängigkeiten und Ausbeutung führen, aufgreifender TV-Krimi, der zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird, wie beschrieben ad absurdum geführt wird und damit Gefahr läuft, dass seine gut gemeinte, durchaus konstruktive Sozialkritik verpufft.
5,5 von 10 Putzlappen dafür.