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Nach einem Schicksalsschlag möchte ein junges Pärchen sein Leben nochmals ganz von vorne beginnen. Also beschließen Scarlet (Jamie Anne Allman) und Chad (William Lee Scott), die ihren kleinen Sohn verloren haben, von Kalifornien nach Washington zu übersiedeln und alle Brücken hinter sich abzubrechen. Doch schon auf der Fahrt dorthin schläft Chad am Steuer ein und sie landen im Straßengraben, irgendwo in the middle of nowhere in einem größeren Weinanbaugebiet. Ein ansässiges Winzer-Ehepaar lädt sie zum Übernachten ein, was sie nach kurzem Zögern auch annehmen. Leider entpuppt sich deren Gastfreundschaft nur als vorgespielt, denn nachts werden die beiden betäubt und erwachen gefesselt in einer Scheune, wo dann die Folterspiele beginnen...

Das Hauptproblem bei der US-Produktion Cabin Fever oder alternativ auch Farmhouse ist weniger der relativ vorhersehbare Plot und die wenig spannende Umsetzung desselben, sondern die durchweg unsympathischen Charaktäre, zu denen man zu keiner Zeit einen Zugang findet. Scarlet zeigt permanent ein sauertöpfisches Gesicht, hadert mit ihrem Schicksal und ist auch vom bevorstehenden Neuanfang keineswegs überzeugt, Chad dagegen ist ein Jammerlappen und Zauderer, der sich ständig rechtfertigt und keinen Plan hat, wie es weitergehen soll - zudem hat er, wie in einigen Rückblenden erwähnt, offenbar hohe Wettschulden bei den falschen Leuten, die ihn zusätzlich unter Druck setzen, da sie seine Frau bedrohen/bedroht haben. Das Winzer-Pärchen liegt sympathietechnisch noch eine ganze Potenz darunter: Er ein George-Eastman-Verschnitt, der einen kultivierten Winzer darstellen möchte, sein proletarisches Wesen jedoch in beinahe jedem zweiten Satz offenbart und einen jungen Burschen aus der Nachbarschaft wie Dreck behandelt, Sie eine übertrieben freundliche Asiatin, die die Konversationsfehler ihres Mannes verbessert und sich (unnatürlich) locker gibt - in Summe also ein Gastgeber-Pärchen, das überhaupt nicht zusammenpasst. Naja, immerhin knutschen und kichern sie in trauter Umarmung, als es ans Foltern geht - aber ansonsten sind der verhinderte Stallknecht mit seiner mutmaßlich einem fernöstlichen Porno entstammenden Gespielin als Filmfiguren schlicht unrealistisch.

Was die Spannung betrifft: Die Gastgeberin macht von den überraschten Gästen ein Foto, bevor sie sie zur Nachtruhe in die Einzelzimmer bringt, der Weg dorthin ist gesäumt mit dutzenden verschiedenen Pärchenaufnahmen - na, klingelts? Und damit auch keine Mißverständnisse aufkommen, deutet sie auf einen leeren Rahmen und sagt: "Da kommt euer Bild hin". Nein, gar nicht auffällig, so ein Verhalten...

Die drei Folterszenen dieses torture porns umfassen eine Art Waterboarding, das Herauspuhlen eines Augapfels und (innovativ?) das Haut-abreiben mittels einer Obstreibe. Die Umsetzung dieser eher preisgünstig gestalteten Folterungen ist nicht frei von Fehlern: Während man bei der Augen-Szene leicht übersehen kann, das das hierzu verwendete Taschenmesser viel zu weit seitlich am Schädelknochen ansetzt, um wie gewünscht das Auge von hinten herauszudrücken (welches dann - von der anderen Seite gefilmt - auch tatsächlich herausspringt) ist der Fehler beim Waterboarding schon offensichtlicher: Die bis zur Schulter auf ein um die Querachse drehbares Bettgestell geschnallte Scarlet wird mittels Seil in eine wassergefüllte Schüssel abgesenkt, immer soweit, daß ihr Gesicht gerade unter Wasser ist. Unerklärlicherweise jedoch macht sie kaum Anstalten, ihren Kopf soweit wie möglich in den Nacken zu beugen, um ihn somit aus dem Wasser zu halten - ein seltsam wehrloses Verhalten, das in mehreren Einstellungen zu sehen ist. Daß Chad, der sich an einem Kohlenofen von seinen Fesseln befreien kann, mit seinen dadurch verbrannten Handgelenken gleich wieder erstaunlich kräftig zupacken kann, fällt da schon kaum mehr ins Gewicht.

Bis kurz vor Schluß läuft Cabin Massacre wie ein x-beliebiger Folterporno nach Schema F (Opfer werden gefoltert, können entkommen, treffen erneut auf Folterer, finaler Kampf) und dümpelt eher schwerfällig im 3-bis 4-Punkte-Bereich herum, aber in den letzten Minuten des Films wird dann ein hanebüchener Plot-Twist präsentiert, der das Ganze ins Übersinnliche transponiert und mittelalterlich gekleidete Dämonen mit schwarzen CGI-Pupillen auftauchen läßt, die bedeutungsschwangere Sätze von sich geben. Mit der allerletzten Szene vor dem Abspann schließlich sollen die vorangegangenen Foltersequenzen als für das Pärchen wohlverdient deklariert werden... Abgesehen davon, daß dieser das Kopfkino (weil nur angedeutet, aber nicht komplett dargestellt) bemühende Schlußeffekt - gemessen an seiner Bedeutung - viel zu kurz kommt und daher leicht übersehen werden kann, wird jene Szene wohl nur bei denjenigen Zuschauern, die die ganze miese Story ernst genommen haben, überhaupt eine Wirkung zeigen. Für mich jedoch verleiht der an den Haaren herbeigezogene  Schluß dem ohnehin schwachen Folterporno nur einen noch mieseren Abgang. Nahe an Zeitverschwendung, 1 Punkt.

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