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Ein Auto ist nicht nur ein Metallhaufen. Es atmet mit dir.

Man nehme das Design und das Tempo von "Cars", die allgemeine Optik und Struktur von "Die Unglaublichen", füge einen großen Löffel Animetypischer Elemente hinzu... und erhalte "Speed Racer", in einfachen Worten ausgedrückt.
Nicht falsch verstehen, hier handelt es sich weder um einen Walt Disney / Pixar Animationsfilm noch einen japanischen Anime, sondern einen Spagat zwischen Realfilm und Anime.

Von Anfang an auffällig und durch den gesamten Film gezogen ist die quietschbunte Optik und die Ansammlung von Effekten. Was hier an Special Effects und Details geboten wird stellt schon beinahe ein "Star Wars" in den Schatten. Grelle Farben auf den Rennstrecken, Comicartige Landschaften, extrem blitzende Spiegelungen. Ungewöhnlich sowie Gewöhnungsbedürftig aber nicht fehl am Platze. Hierbei wird dieses Stück Zelluloid allerdings massig Kritik einfangen, denn dieses visuelle Ereignis ist sicher nicht jedermanns Geschmack.
Auch die Charaktere und der Humor erinnern stark an einen Comic bzw. Anime. Von der Namensgebung begonnen bis hin zu albernen, Anime typischen Komikeinlagen. Durch den Look und die Aufmachung fügen sich diese Pausenfüller zwischen den actionlastigen Rennen allerding wunderbar ins Geschehen ein.

Hauptaugenmerk liegt auf den Rennen. Und hier geht es wirklich zur Sache wenn die Boliden mit Geschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse über die Strecke rasen, Sprünge vollführen, durch Kurven driften, sich anrempeln oder sich mit nicht erlaubten Gimmicks beschießen. Schnelle Kamerafahrten und Schnitte, treibende Elektro-Musik, satte Motorensounds, grelle Explosionen unterstützen hier die Atmosphäre und Spannung, und lassen Euphorie aufkommen, so als säße man in den Zuschauerstadien oder mitten im Gefährt. Mehr geht hier wirklich nicht.

Im Gegensatz zu normalen Animes kommt, trotz 135 Minuten Film, die Story etwas kurz. Mehr als Rennen gewinnen, kleine Familientragödien und das aufdecken von Betrügereien einer Großfirma ist leider nicht drin.
Auch die Charaktere sind nicht sonderlich tiefsinnig gezeichnet, Nebenplots bleiben teilweise offen oder hinterlassen Logiklöcher.
Da es sich um einen durchweg unterhaltenden Film für kleine und große Kinder handelt sind letztere Punkte zu Vernachlässigen.

Einige große Namen haben es auf die Leinwand geschafft, wurden allerdings so sehr "gepimpt" dass man sie teilweise garnicht auf den ersten Blick erkennt. Emile Hirsch, der die Hauptrolle als Speed Racer spielt kannte ich bis dato noch garnicht. John Goodman ist mir aus "Roseanne" bekannt, Matthew Fox aus "Lost" macht hier eine gute Figur als Racer X, Hiroyuki Sanada aus "Sunshine" und "Last Samurai", Christina Ricci aus einigen anderen Filmen, die im Endeffekt der Grund war, mir "Speed Racer" direkt am ersten Tag anzusehen. :) Sogar ein Moritz Bleibtreu ist kurz zu sehen. Angeblich noch weitere deutsche Schauspieler, die mir allerdings nicht aufgefallen sind. Roger Allam spielt nach "V for Vendetta" erneut den exzentrischen Bösewicht.
Von der schauspielerischen Leistung tritt niemand heraus aber jeder spielt seine Rolle ordentlich. Ein wenig mehr Screentime hätte ich mir von dem ein oder anderen gewünscht, insbesondere von Christina Ricci, die als Speed Racers Freundin Trixi nur in einer Rennpassage mal etwas mehr zu melden hat und sonst nur als Freundinfunktion sozusagen vorhanden ist.

Was die Wachowski Brüder wagen wird wohl nicht sonderlich viele Zuschauer locken. Als ich mich gestern zum ersten Vorstellungstag um 20 Uhr in einen Kinosessel bequemte, taten es mir weitere 5 Personen gleich. Für die Hauptvorstellung zum Anlauftag mehr als dürftig. Im Vergleich: Die paralelle Vorstellung zu "Iron Man" war mit mehr als 100 Zuschauern besucht und dieser läuft schon eine Woche. Hoffen wir mal, dass es kein komerzieller Flop wird, denn dies hätte dieser Film nicht verdient.

Wer sich einen Abend lang unterhalten lassen möchte, sich an Bonbonoptik und Effekt-Overkill nicht stört, schnelle actionlastige Verfolgungsjagden mag und mit Animes und Comicverfilmungen etwas anfangen kann sei hier herzlich Willkommen. Nicht-Comic-Fetischisten lassen es besser bleiben.

9 / 10

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