Emile Hirsch spielt den jungen Speed Racer, der aufgrund seines außergewöhnlichen Talents am Rennen "The Crucible" teilnehmen darf, bei dem sein Bruder vor Jahren ums Leben kam. Eigentlich will Speed für das Familienunternehmen seines Vaters, gespielt von John Goodman, an den Start gehen, als er dann jedoch ein Angebot von einem anderen Team bekommt, muss er feststellen, dass das Rennen von zahlungskräftigen Firmen manipuliert wird. Er beschließt es ihnen allen zu zeigen und das Rennen auch ohne deren Hilfe zu gewinnen.
Die "Matrix"-Trilogie hat bereits gezeigt, dass Larry und Andy Wachowski optisch hervorragende Filme abliefern können, allerdings zeigten die beiden "Matrix"-Sequel dabei auch, dass die Wachowski-Brüder alles andere als routinierte und grundsolide Autoren sind und auch bei "Speed Racer" sind sowohl die Stärken, als auch die schwächen der Brüder mehr als deutlich zu erkennen.
Optisch ist "Speed Racer" ein Geniestreich geworden, der einmal mehr zeigt, wozu die beiden fähig sind. Die Bilder, die zwar künstlich, aber durchaus faszinierend wirken, sind bonbonbunt und sehenswert und halten sich damit deutlich an die Comic-Vorlage. Die Wachowskis schaffen sich eine kunterbunte, futuristische Welt, an der vor allem jüngere Zuschauer ihren Spaß haben werden, dabei ist die Inszenierung dennoch so stilvoll und einzigartig, dass man "Speed Racer" schon fast als Kunstfilm bezeichnen könnte. Das Design ist enorm futuristisch und zu jedem Zeitpunkt absolut sehenswert, die Rennbahnen, die Fahrzeuge, die Bauwerke, einfach alles ist dem "Speed Racer"-Universum angepasst, das sich die Wachowskis hier aufbauen. Die Action-Szenen stellen den optischen Höhepunkt dar. Die Rennen sind enorm schnell, die Autos springen übereinander, die Unfälle sind spektakulär und ich bin fest davon überzeugt, dass das Kind in einem jeden Zuschauer den Film dafür lieben wird. Zudem wird nicht mit Action-Szenen gegeizt und damit unterhält "Speed Racer" durchaus zufrieden stellend und toppt sowohl die Verfolgungsjagd in "Matrix Reloaded", als auch sämtliche Crashs in "Driven", wobei das ganze mit seiner anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen Optik leicht an ein zweitklassiges Computerspiel erinnert, aber der Eindruck hält nicht lang an.
Musikalisch ist der Film ebenfalls zufrieden stellend unterlegt, die Wachowskis zeigen also durchaus ihre Routine. Einen schwerwiegenden Fehler machen die beiden Regisseure dennoch: sie halten das Erzähltempo zu niedrig. Die Story hinkt so leider immer mal wieder, es entstehen zwischen den Rennen einige Längen und der erbärmlich naive Humor, mit dem die Wachowskis diese Lücken füllen wollen, stört auch nur und belustigt nicht im Geringsten. Hätte der Film nur 90 Minuten gedauert, wäre eine der unterhaltsamsten Action-Produktionen des Jahres dabei herauskommen, so ist der Unterhaltungswert nur solide und mit ein paar gelungenen Bildern allein lassen sich die Längen leider auch nicht füllen.
Die Charakterkonstruktion findet im Prinzip überhaupt nicht statt. Die Figuren sind eindimensional entweder sympathisch oder unsympathisch konstruiert und die Versuche zwischendurch mit emotionalen Momenten etwas Dramatik aufzubauen, scheitert so früh an der Unglaubwürdigkeit der Charakterkonstruktion. Die Handlung ist dabei leider in groben Zügen kalkulierbar und, genauso wie der Humor, sehr naiv geworden, da man hier zu viel Wert auf einen kindgerechten Film legt. Hätte ich den Film vor 10 Jahren gesehen, hätte ich ihn wohl zu meinen Lieblingsfilmen gezählt, aber so ist die Story einfach zu kindisch geworden.
In "Into the Wild" zeigte Emile Hirsch zuletzt, dass er durchaus zum Charakterdarsteller taugt, die Chance wird ihm in diesem Film, den die Action-Szenen klar dominieren, leider nicht gegeben, zumal sein Charakter sehr eindimensional konstruiert ist. Obwohl er damit, genauso, wie der restliche Cast, einfach so verheizt wird, bringt er dennoch eine ganz gute Darstellung und ist für seinen Part sympathisch genug. John Goodman, der in "The Big Lebowski" und "Eine Nacht bei McCools" zeigte, dass er ein enormes komödiantisches Talent besitzt, steckt leider in einer vollkommen überflüssigen Rolle, spielt aber ganz gut, mit Susan Sarandon verpulvert man eine der besten Charakterdarstellerinnen der Welt, Christina Ricci, Benno Führmann, Matthew Fox, Richard Roundtree und Moritz Bleibtreu werden zu Randerscheinungen abgewertet. Die Wachowskis hätten die Längen im Mittelteil besser mit dem starken Cast überbrücken sollen, statt die schwache Story auf der Stelle treten zu lassen.
Fazit:
Optisch ist "Speed Racer" eines der besten Projekte, das Hollywood je hervorgebracht hat, so ist mit dem bunten Comic-Stil und den hervorragenden Action-Szenen durchaus ein solider Unterhaltungswert drin, mehr aber leider auch nicht, weil die Story viel zu flach geworden ist und der Humor so kindlich naiv ist, dass die Räume zwischen den Action-Szenen nicht gefüllt werden können, leider auch nicht durch den Cast, der zwar namenhaft besetzt ist und solide aufspielt, dessen Potential aber nicht ausgeschöpft werden kann. Damit ist "Speed Racer" natürlich der Kinderfilm schlechthin, dem aber auch Erwachsene ein bisschen was abgewinnen können.
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