Review

Es sollte das perfekte Wochenende werden: Die Frau auf dem Seminar, die Katze liegt mit Grippe im Körbchen und ich? Ja, man muss tun, was man(n) tun muss: Also fuhr ich zur Videothek und mich und meinen kleinen Lord mit einem Fetisch-Film glücklich zu machen: "100 Feet" hört sich spitze an, wenn man auf lackierte Zehennägel steht. Oder wie heißt es beim Fußball so schön: Hacke, Stiletto-Spitze eins, zwei, drei. Und was kam raus? Die Dose Niveau-Creme und die Tempo-Box konnte ich wieder wegstellen und musste mir so eine öden, Geisterhorror anschauen...


Also, alles wie gehabt, eine Frau, ein Haus, ein Geist. Die Konstellationen in einer anderen Farbe und die Hintergrundstory zum hundertsten Mal geremixt. Keine Frage: Ich steh auf diese Haunted-House-Filme, ähnlich wie im Slashergenre ist es mir egal, wie oft eine Zahnspangengruppe sich auf den Weg macht, um im Wald zu campen...
Hauptsache es rockt, und "100 Feet" entpuppte sich leider nur Pop-Musik á la Bohlen, oder zumindest, was er selber darunter definiert.

Inhalt:
Marnie Watson (Famke Janssen) hat ihren gewalttätigen Ehemann (Michael Paré mal nicht in einem Boll-Film) aus Notwehr umgebracht, und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Den verbliebenen Rest darf sie nun zuhause mit einer Fußfessel absitzen. Doch ihr verstorbener Mann hat was dagegen, da die Hypothek des Familieneigenheims scheinbar auf ihn gelaufen ist, und so kommt er als Geist zurück und sorgt für Angst und Schrecken.


Da frag ich mich natürlich, was für ein Leben ist besser? Das im Knast oder das Leben von Marnie, die mit der Fußfessel einen festen Bewegungsumkreis hat, und der Pieper an der Fußfessel schon anspringt, wenn sie einen Meter im Haus vor der Haustür steht. Was soll das? Im Film bringt diese Form von Thrill und Kill rein gar nichts und sorgt nur für unnötiges Gelächter: So humpelt sie im Jean-Claude Van Damme-Modus per Spagat zum Briefträger, Pizzaboten oder vorbestellten Callboy.
Mal abgesehen von diesem eher unwichtigen Punkt haben wir es mit "100 Feet" um einen durchschnittlichen Vertreter des Genres zu tun, da er nicht aus der Masse mit gedächtniswürdigen Szenen oder sonstigem Schnickschnack heraussticht - oder wenigstens ohne Schmerztabletten als Fastfood zu genießen ist.

Die Rahmenbedingungen für den Film stimmen: Story, Kamera, Schauspieler, Schnitt, Score usw. - Alles im Grünen Bereich. Leider ist es diesmal die Story und ihr Verlauf, der mich zum Gähnen gebracht hat und teilweise mal wieder den Logik-Detektor angeschmissen hat.

Dies liegt vorallem an der Vorgehensweise des Geistes, der anfangs schon sehr aggressiv handelt. Tja, und was mich anfangs heiß macht, sich aber  auf der Aggressions-Skala im weiteren FIlmverlauf nicht mehr steigert (außer einem recht ansehnlichen Mord, der den Film auf die FSK16-Freigabe hievt), hat mit Spannungsaufbau wenig zu tun. Warum macht Paré seine Alte nicht direkt am Anfang kalt? Die Chancen hat er, jedoch hätte "100 Feet" dann nur einen Preis für den besten Kurzfilm bekommen.
Diese Chose kombiniert mit der bedepperten Auflösung lassen den Streifen fast zum Ärgerniss werden. Aber dem gegenüber stehen wie weiter oben bereits erwähnt, eine gute Inszenierung und ordentliche Kameraarbeit gegenüber. Außerdem verhelfen nett plazierte Schock-Effekte vor dem Einschlafen.

Also, wenn mal sonst nix in der Fetisch-, ähh..., Horrorecke steht, kann man zwei Euro Ausleihgebühr locker machen für einmaliges Ansehen.

5/10

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