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Nachdem sie für den Mord an ihrem brutalen Ehemann, dem Polizisten Mike, für drei Jahre ins Gefängnis gewandert ist, darf Marnie Watson die letzten Monate ihrer Haftstrafe unter Hausarrest verbüßen. Damit sichergestellt ist, dass sie ihr Haus nicht verlässt, bekommt sie eine elektronische Fußfessel angelegt, die ein Signal von sich gibt, falls sie sich mehr als 30 Meter (= "100 Feet") von der Sender-Box entfernt, die in ihrem trauten Heim installiert wurde. Shanks, der Ex-Partner ihres Mannes, würde natürlich nichts lieber sehen, als dass Marnie gegen ihre Bewährungsauflagen verstößt, zumal er ihren Beteuerungen, dass Mike ein prügelnder Mistkerl gewesen ist und sie ihn in Notwehr getötet hat, eh nie Glauben geschenkt hat. Bereits in der ersten Nacht in ihrem alten Zuhause wird der Frau jedoch klar, dass die drohende Langeweile nicht ihr größtes Problem ist, denn Mikes Geist treibt sich immer noch in dem Gebäude herum und beginnt prompt damit, ihr das Leben wieder zur Hölle zu machen. Damit sitzt Marnie in der Falle und ist den Attacken ihres toten Ex-Mannes hilflos ausgeliefert: Wegen des Ausgangsverbots kann sie das Haus nämlich nicht verlassen (es sei denn, sie möchte wieder für zehn Jahre in den Knast), und dass es bei ihr spukt wird ihr eh niemand glauben... Der Hook, den "Hitcher"-Drehbuchautor Eric Red für seinen "100 Feet" aufgetan hat, ist ziemlich unwiderstehlich und zieht demnach auch besser, als es bei anderen Geisterfilmen und Spukhaus-Hobeln der Fall ist... und auch wenn sich das Ganze auf dem Papier sogar noch etwas besser liest, als es sich letztendlich auf der Leinwand (bzw. der heimischen Mattscheibe) ansieht, so kann man doch attestieren, dass man aus der recht originellen Prämisse genügend Kapital geschlagen hat und die Zuschauer-Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt wurden. Beglückwünschen darf man Red auf jeden Fall zu der Wahl der Hauptdarstellerin, die da fast keine Sekunde lang mal nicht im Bild ist und das Ganze ergo über weite Strecken auch tragen muss, denn im Vergleich zu so manch anderer Leading Lady sieht Famke Janssen hier nicht nur immer noch gut aus (nun so langsam mit MILF-Appeal, was der Lieferjunge im Film wohl ebenso sieht), sondern ist halt ganz einfach auch enorm likable... und angesichts einiger Schlenker im Skript, die ihr mal wieder die dümmlichen Verhaltensweisen aufoktroyieren, hat die gute Frau auch sämtliche Zuschauer-Sympathien nötig, die sie kriegen kann, denn jeder normale Mensch wäre da wohl bereits nach der ersten Geister-Attacke losgesprintet, Fußfessel hin oder her. Dass die simple, aber wirkungsvolle Geschichte da nicht immer logisch auf abendfüllende Länge gestreckt wird, schmälert den positiven Gesamteindruck leider ein wenig, auch wenn das alles hier nicht solche Ausmaße des Schwachsinns annimmt wie beim Geisterfilm-Kollegen vom 2008er-Fantasy Filmfest "Mirrors". Ebenso wie dieser hat auch "100 Feet" eine einzige überbrutale Splatter-Szene intus, die in ihrer überzogenen Krassheit so irgendwie gar nicht zu der restlichen, eher zurückgenommenen Inszenierung passen will... und wenn Michael Paré trotz Körperlosigkeit handgreiflich wird und jemanden zusammenknüllt wie ein benutztes Taschentuch, hat das leider auch wieder denselben unangenehmen Showstopper-Effekt, wie wenn sich die hübsche Amy Smart in Ajas Grusel-Farce den Unterkiefer abreißt. Unter reinweg filmischen Gesichtspunkten betrachtet kommt das alles jedoch solide und aufgrund der Kammerspiel-artigen Umsetzung beim Erzeugen einer klaustrophobischen Atmosphäre sehr wirkungsvoll daher... und genau in jenen Momenten zeigt sich doch, dass Eric Red seit seinen mehr als nur passablen 90s-Streifen "Body Parts" und "Bad Moon" nichts verlernt hat, wobei hier im Vergleich zu Letztgenanntem die (sparsam dosierten) F/X deutlich besser sind: Die Auftritte von Michael Paré als Geist geraten da nämlich schnell zu wirklich horriblen Höhepunkten dieses übernatürlichen Rosenkriegs und schinden tatsächlich ausreichend Eindruck, so dass man "100 Feet" als positive, kleine Überraschung im B-Film-Sektor verbuchen kann.

7/10

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