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Ein bewegendes Dokument über den Bosnienkrieg und seine vielen unschuldigen Opfer sollte es werden; ein beeindruckender Kurzfilm, der aufrüttelt. Leider gelang die Umsetzung dieses Vorhabens Regisseurin Basia Baumann, die mit Sara ihre zweite Regiearbeit vorlegte, nur bedingt - obwohl zweifelsohne sehr viel Professionalität in dieses Projekt einfloss.

Baumann, die hier zudem die Produktion und das Schreiben des Drehbuchs übernahm, war zuvor unter anderem als Regieassistentin von Jean-Jacques Annaud und dessen Weltkriegs-Epos Duell - Enemy at the Gates tätig; Kameramann Philipp Kirsamer als Kameraassistent für Tattoo und Second Unit Camera Operator bei V wie Vendetta. Dass sich beide dabei Einiges vom Können ihrer „Vorgesetzten" abgeschaut haben, ist bei Sara offensichtlich: Der Film wirkt flüssig erzählt, die Inszenierung hält einige wirklich mitreißende und nachdenkenswerte Szenen (die Tötung der Familie sowie das Finale) bereit und der düstere, aber edle Look des Films erinnert durchaus an Hollywood. Auch die junge Mathilde Bundschuh in der Titelrolle ist eine echte Entdeckung und löst gar beim Zuschauer ein Gefühl der Verstörung in jener Szene aus, als sie mit weit aufgerissenen Augen und starrem, hasserfüllten Blick nicht vom Zielfernrohr ihres Scharfschützengewehrs ablassen will oder kann.

Nur leider geriet die Aussage bzw. Pointe des Films um ein Mädchen, welches im Bosnienkrieg durch die Willkür und den Antisemitismus einiger Soldaten (unter ihnen: Stipe Erceg aus Die fetten Jahre sind vorbei) ihre Familie verliert, vergewaltigt wird und sich an einem ihrer Peiniger rächt, zu platt. So heißt es am Ende als ein Statement zum Krieg aus dem Off zu englischsprachigen Texttafeln: „Was mich so tief verletzte, war die Erkenntnis, dass wir Kinder keine Stimme haben - während die Erwachsenen Kriege führen. Sie zerstören unsere Kindheit, verletzen uns, töten unsere Eltern - und töten uns." In einem UNESCO-Werbespot wären diese Sätze nicht mit einen fragwürdigen Plot um die genugtuende Auslebung von Rache in Verbindung gesetzt wurden. Dass diese Pointe von Sara etwas unglücklich geraten ist und die finalen Texttafeln so plump-manipulativ anmuten, als würde gleich ein Spendenaufruf und Kontonummer folgen, konterkariert das gut gemeinte eigentliche Ziel des Films, mit einem Einzelfall als Beispiel für die vielen Verbrechen des Bosnienkrieges mit Verweisen auf die Problematik von Kindersoldaten und Moral zu sensibilisieren und aufzurütteln.

In dieser Hinsicht sind auch die elegischen Musikthemen an Anfang und Ende eher zwiespältig zu betrachten: Einerseits reißt der wehmütige, sanfte Gesang mit, andererseits neigt er zum unpassenden Pathos. Das Schicksal der 12-jährigen Sara ist tragisch und der Bosnienkrieg forderte viele unnötige Opfer - keine Frage. Allerdings sollte man fernab der Stellungnahme zu diesen Geschehnissen nicht aus den Augen verlieren, um Objektivität und Subtilität im Umgang mit der schwierigen Thematik bemüht zu sein, damit der sich aufdrängende Eindruck eines larmoyanten Mitleid-Films vermieden wird. Aus diesem Grund ist Sara als Film gescheitert, wenn auch auf technisch wie inszenatorisch sehr hohem und professionellem Niveau (6/10).   

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