Review

Einmal den zweiten Aufguss, bitte!
Ja, so ist das mit den Erfolgsstories in Hollywood - hast du mal nen Erfolgsfilm gehabt, kannst du ihn eigentlich mit kleineren Veränderungen ein paar Jahre später noch mal drehen. Und wenn du in einer Erfolgsserie mit an Bord bist, die Frauen des Landes dir hinterher schmachten und deine Kollegin plötzlich zur großen Kinokarriere ansetzt (so geschehen mit Katherine Heigl in der gemeinsamen Arztserie "Grey's Anatomy"), dann darfst du als Mann durchaus "Ich will auch mal!" schreien.

Irgendwo in dieser Gegend ist der Einsatz von Heartthrob Patrick Dempsey in "Verliebt in die Braut" gelagert, der sich hier einer vergnüglichen Neuverfilmung des gut ein Jahrzehnt alten Julia-Roberts-Schinkens "Die Hochzeit meines besten Freundes" widmet.
Man hat einfach mal die handelnden Geschlechter ausgetauscht und die Sache läuft noch ein zweites Mal, hier ist es der eher chronisch bindungsunwillige Tom (Dempsey), der just in dem Moment enorme Gefühle für seine beste Freundin seit dem College, Hannah (Michelle Monaghan) entwickelt, als sie a) aus seiner Nähe verschwindet und b) einen aufrechten Schotten ehelichen möchte.

Während Miss Roberts allerdings den "Party Pooper" spielen mußte, der die angesagte Hochzeit auf Biegen und Brechen verhindern wollte - was angesichts der Farblosigkeit ihres Freundes ein Rätsel und der Nervigkeit der Braut (Cameron Diaz) wiederum verständlich war - schlägt Tom einen ganz anderen Weg mit leiser Hoffnung im Schulterholster ein und verwandelt sich vom munteren Sportstecher zur männlichen Brautjungfer, der seiner Freundin die beste Hochzeit ausrichten will, die ein Mann als Frau hinkriegen könnte.
Das hätte jetzt eine enorm platte Angelegenheit werden können, wenn sich eine testosterongeschwängerte Polterknolle mit Tüll und Spitze versuchen muß, gerät hier aber zu einem überraschend charmanten, wenn auch extrem harmlosen Spaß, bei dem Dempsey seinen patentierten Boy-Charme voll ausspielt. Dabei reißt er auch gleich noch seinen sehr "männlichen" Basketballclub mit sich, der nach anfänglichem Zögern ebenfalls seine weibliche Seite entdeckt (und leider für das letzte Filmdrittel verschwindet) und hat trotz einiger Sabotageakte einer mißgünstigen Mitbrautjungfer, die einstmals flachgelegt hatte, beträchtlichen Erfolg.
Daß er bei einem Besuch des holden Colin (ironischerweise startete Kevin McKidd kurze Zeit später ebenfalls in einer Arztrolle in "Grey's Anatomy) auch noch anerkennen muß, daß der Widersacher ein patenter Kerl ist, macht die Sache nicht einfacher.

Die Luft geht der Charade erst im letzten Filmdrittel aus, als sich das Geschehen nach Schottland verlagert - und wer jetzt schreit, man hätte da mit dem Edding bei "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" abgeschrieben, der kriegt nen Keks. Da treffen wieder mal die adeliger Europäer mit ihren seltsamen Marotten auf die gebildeten Mittelklasseamerikaner, Tradition auf Moderne und irgendwie wirkt der nette Kerl plötzlich obskur und angestaubt, als es drehbuchgemäß Tom endlich einfällt, per Pferd Attacke zu reiten und sein Herz zu öffnen, was paradoxerweiser vor dem Traualtar auch funktioniert.
Das ist dann zwar für die Damenwelt zum Mitseufzen, für alle übrigen etwas unoriginell - sogar im Vergleich zum Roberts-Modell, das unüblicherweise mit einer romantischen Niederlage für die Hauptperson endete. So wirkt "Made of Honor" ein wenig zu sehr glattgebügelt, hat bis dahin aber die geschmacklichen Fäden alle halbwegs sicher in der Hand, von einer ungünstigen Dildoparty vielleicht einmal abgesehen. Und Dempseys sonst eher zurückgefahren wirkender Charme funktioniert auch in der zahmen Offensive dieses Films, wobei Monaghan eine gut ergänzende Partnerin ist, die mit ihm spielt, nicht wie bei Roberts gegeneinander.

Das Fehlen des üblichen zentnerschweren Zuckergusses und unnötiger Peinlichkeiten macht den Film dann auch für die männlichen Zuschauer durchaus delektierbar, ein wenig mehr Frische und Spritzigkeit im Abgang wäre aber für einen länger währenden Eindruck vonnöten gewesen. Alles in allem sind anscheinend aber eben die Hochzeitsfilme verdaulicher, die um männliche Figuren herum gebaut sind - oder das Verdauungssystem funktioniert einfach anders bei uns. (6/10)

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