Review

Anti-Barbie-Grunge


Todd Solondz macht dunkle, zum Großteil schwer zu verdauende bis straight abgewichste Filme. Sein früher „Welcome To The Dollhouse“ ist zwar noch recht leicht auf den ersten Blick, eine klassische Coming of Age-Dramödie wie ein „Eight Grade“ mit mehr Schatten als Licht, wie „Gregs Tagebuch“ von einem gut gelaunten David Lynch inszeniert. Dennoch merkt man schnell, dass es sich bei diesem jungen Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden bzw. insgesamt diesem gewagten Film um weitaus mehr handelt als einen weiteren Highschoolheuler. 

„Happiness“ und „Palindromes“, die beiden Filme von Todd Solondz die nach „Welcome To The Dollhouse“ kamen, sind noch wesentlich deprimierender und abgefuckter. Dagegen wirkt das hier fast nur wie ein Kindergarten. Aber deswegen sollte bei dieser bitteren Highschool-Antithese keiner einen Feel Good-Film erwarten. Leider nein, leider gar nicht. Oder streicht das leider. Denn dieses bizarre Puppenhaus kann zwar weh tun - aber bereuen wird man die nichtmal 90 Minuten auf keinen Fall. Erst recht wenn man sich noch erinnern kann, wie düster die Pubertät wirklich sein kann, erst recht, wenn man die scheinheilige US-Bilderbuchfamiliengesellschaft immer ätzend findet und erst recht, wenn man seine Lacher auch gerne mal ein paar Grad schwärzer duldet. Heather Matarazzo war die perfekte Besetzung, heute hätte „Welcome To The Dollhouse“ sicher den ein oder anderen Shitstorm a la „Cuties“ abbekommen und es ist in Teilen schon ein arges (beabsichtiges) Fest der Fremdscham. Aber köstlich, kreativ und aufreizend gewagt noch viel mehr. Nur das Ende hängt vielleicht etwas in der Luft. Aber mit etlichen riesigen Schatten und Fragezeichen darüber. 

Fazit: irgendwo zwischen Wes Andersons bösem Onkel, „Freaks & Geeks“ und einem waschechten, traumatischen Alptraum. Genannt Pubertät. Wie Todd Solondz hier die „perfekte“ amerikanische Familie und Vorstadtidylle zerlegt ist unbedingt sehenswert. Düster, bitter, echt.  

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