1.) Hauptakteure - Das Defenders-Team
Im Jahre 1986 erschuf die amerikanische Zeichentrickindustrie eine Serie, die noch von sich reden machen sollte. Die Defenders of the earth machten sich fortan Folge für Folge auf, um die Erde vor dem Bösen zu erretten. Und betrachtet man es objektiv, war der spätere Erfolg der Reihe nicht wirklich vorhersehbar. Denn schon die Konstellation des Heldenkaders macht einen recht sparsamen Eindruck. Flash Gordon, der personifizierte 08/15-Weltraum-Muscleman, gibt hier in gereifter Form den Anführer der Truppe. Unterstützt wird er von Phantom, einem klassischen B-Riegen Superhelden zahlreicher Comics, den aber selbst in meiner Generation kaum noch einer kannte und der sowohl mit Tieren sprechen als sich deren Fähigkeiten zu eigen machen konnte (Jahre später sollte Bravestarr diesbezüglich seine indirekte Nachfolge antreten). - Tja und das war's dann auch schon mit den bekannten Namen.
Ergänzt wurden die beiden altgedienten Haudegen noch um zwei Neuschöpfungen. Den übermenschlich starken, bärbeißigen Afroamerikaner Lothar sowie den sarkastischen Illusionisten und Zauberer Mandrake. Zusammen bilden sie die Defenders of the earth, die Wächter der Erde, die von ihrer Basis "Monitor", einem erloschenen Vulkan, aus der Welt gegen extraterrestrische Bedrohungen zur Seite stehen. Klingt erstmal ganz nach dem Standart-"Justice League-rip off" und
Schema F. - Aber weit gefehlt...
2.) Die Jugend übernimmt das Feld
Was die Serie zu ihrer Zeit allerdings unikat machte und vielleicht nicht zuletzt Mitauslöser für ihren Publikumserfolg war, sind die weiteren Charaktere die sich dem Team der Defenders zuzählen dürfen. Und diese sind sozusagen die nächste Generation der Weltenretter und teilweise sogar die direkten Sprößlinge der altgedienteren Defenders. So finden sich in dem vierköpfigen Nachwuchskader sowohl Rick, der Sohn Flash Gordons, sowie auch die schöne Jedda, ihres Zeichens Frucht von Phantoms Lenden. Ricks Mutter ist storyzuträglich auch noch gleich von Unhold Ming (zu ihm später mehr) um die Ecke gebracht worden, was den Defenders einen gar vortrefflichen Grund liefert um regelmäßig in seiner Eisfestung vorbeizuschauen und im und den Seinen "kräftig in die Kronjuwelen zu treten", damit sie sich dererlei beim nächsten Mal genauer überlegen. - Wer hingegen genau Jeddas Mutter war, weiß kein Mensch und es findet auch nie Erwähnung. Eben Gleiches gilt auch für die anderen beiden Youngster, namentlich den starkpigmentierten L.J. sowie den asiatischen K'Shin (dessen Waisentum [engl. "orphan"] im dt. lustigerweise zu "Orphaner", also als vermeintliche Planetenzugehörigkeit fehlübersetzt wurde). Ist im Grunde aber auch völlig wurscht. - Somit hat man also im finalen Schluß ein Team, in dem sämtliche Altersgruppen, Geschlechter und Rassen vertreten sind und in dem dank der Junior-Squad auch die Kids-Zielgruppe mühlos ihre Identifikationsfiguren fand.
3.) Ming - the bad guy
Natürlich brauchte die Truppe nun auch jemanden, gegen den sie antreten konnte. Denn jeder Held ist nur so gut wie der böse Konterpart, dem er die Freßluke verbeulen darf. Und eben für diese Rolle darf in unserem Falle hier Flash Gordons Ur-Erzfeind Ming herhalten, ein intergalaktischer Imperator mit giftgrünem Teint und üblem Charackter, der den Großteil seiner Zeit damit zubringt uuuunglaublich böse zu sein und Invasionspläne zum Erlangen der totalen Weltherrschaft zu entwerfen. Was genau er nun mit der Erde will? Wir werden es wohl nie erfahren. Villeicht hätte er ja sogar die Steuern gesenkt...? Aber Scherz beiseite. Angeblich hat er auf seinem Stern Rohstoffknappheit, wofür er aber noch stets verdächtig viele Roboter und Maschinen bauen kann. Wie jeder Serienbösewicht verfügt auch der übellaunige Grünling über dies (genau wie die Kollegen Shredder, Skeletor & Konsorten in anderen Reihen) über einen schier unerschöpfliches Heer an metallischen Cyborg-Goons, die die Helden nun jede Episode an seiner statt zu Altmetall verarbeiten dürfen. Denn er selbst entkommt freilich immer nach vereiteltem Plan doch noch um Haaresbreite vom Acker, um auch in der nächsten Woche wieder Ärger machen zu können. Das klassische, serientypische Villain-Perpetuum-Mobile eben.
Und, man höre und staune, auch der unsympathische Aliendespot mit dem Spitzbart hat sich eine Stammhalterin gezeugt. Das pubertierende Mädchen macht ihm allerdings reichlich graue Haare. Denn nicht nur dass das Fräulein Tochter unleugbar pazifistische Tendenzen aufweist (was für ihn als Diktator und Weltenvernichter natürlich zum Haareraufen ist), sie hat zu allem Ungemach anscheinend auch noch ein Auge auf Rick, den Sohn seines verhaßten Erzfeindes Flash Gordon geworfen. Ein weiterer Grund mehr für den Außerirdischen Imperator also, die Def-Truppe schnellstmöglich platt zu machen.
5.) Der Plot
Die Grund-Konstellationen wären also gesetzt und fortan geht alles den zu erwartenden Gang. Zumeist bemüht sich Ming samt hauseigener Privatarmee und hinterfotzigen Plänen im Gepäck auf die Erde um diese so möglich im Handstreich einzuheimsen und wird dabei natürlich in schöner Vehemenz von den Defenders wieder verjagt. Aber auch die Verteidiger ihrerseits statten dessen Basis, die er mittlerweile in's ewige Eis der Arctis verlegt hat, immer wieder ihre Stippvisiten ab um dem Imperator gepflegt das Mobiliar zu zerlegen. - Und wenn sie nicht gestorben sind...
F A Z I T :
Ja, ich weiß. Aus heutiger Sicht wirkt die Serie wie eine unter hunderten ähnlicher. Und doch muß man ihr nicht zuletzt den Innovationsaspekt zugute halten. 1986 waren derartige Serien noch rar gesäht und selbst dem Zeichen- und Animationsniveau muß man, die westlichen Standarts der Cartoons dieser Jahre angelegt, durchaus Respekt zollen. In heutigen Tagen, wo sich Defenders of the earth mit den advancten Erzeugnissen japanischer Trickfilmstudios messen lassen muß, wirkt sie hingegen freilich reichlich antiquiert.
Und doch. Durch die sympathische Heldenschar und ein unikates Flair kann der Serienklassiker auch heute noch angemessen überzeugen, auch wenn die Storylines und Schlachten genretypisch dünn ausfallen und sich allzumeist auch in einer Folge wieder abschließen. Echte Kontinuität ist hier folglich eher Mangelware. Irgendwie kommen die Defenders nie so recht foran in ihrem schier endlosen Ringen gegen den "gnadenlosen Ming". Aber die einzelnen Minigeschichten sind dafür recht durchdacht und halten den Defenders-Fan mühelos bei der Stange.
Für jüngere Fans wird diese etwas angestaubte Reihe wahrscheinlich ob einsetzender, technischer Antiquiertheit und lediglich guter, qualitativer Mittelklassigkeit wohl eher nichts mehr sein. Meine Generationsgenossen allerdings, die wie ich mit Phantom und Co. auf dem TV-Screen aufgewachsen sind, werden sich über ein Wiedersehen mit den Helden der Kindheit bestimmt freuen. Wer sich also wie ich noch zum "würdevoll ergrauten" Kader der Defenders-Fans zählt, kann ruhigen Gewissens mit dem Kauf der DVD-Box dieser Kultreihe liebäugeln.