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Philip Seymour Hoffman spielt einen Theaterdirektor, der erfahren muss, dass sein Nervensystem stark geschädigt ist und zu allem Überfluss auch noch von seiner Frau verlassen wird, die die gemeinsame Tochter mit nach Europa nimmt. Als er einen Kritikerpreis und ein damit verbundenes Stipendium erhält, bietet sich ihm die einzigartige Möglichkeit, etwas wirklich Großes zu schaffen. In einem riesigen Lagerhaus lässt er Kulissen von New York aufstellen und heuert dutzende Darsteller sowie Statisten an, um hier sein eigenes Leben zu inszenieren.

Wer "Being John Malkovich" und "Vergiss mein nicht!" gesehen hat, der weiß, dass Charlie Kaufman zu den einfallsreichsten Drehbuchautoren Hollywoods gehört und mit unkonventionellen, meist sogar sehr schrägen Ideen unvergleichliche Werke jenseits aller Stereotypen kreiert. "Synecdoche, New York" reiht sich in diese Riege ohne weiteres ein und ist vor allem deshalb besonders interessant, weil Kaufman hier erstmals selbst die Regie bei der Umsetzung seines Skripts übernimmt.

Und die grundlegende Idee des Films hat es im Grunde durchaus in sich. Der Protagonist, Caden, ein zerrütteter Hypochonder, der weder mit seinem physischen Leiden, seiner Krankheit, noch mit seinen psychischen Problemen, dem Verlust der Tochter, umgehen kann, versucht sein Leben zu inszenieren, wobei er dieses immer weiter aus den Augen verliert. Während er inszeniert, wie er selbst gerade sein Leben inszeniert und dabei versucht, sich selbst zu ergründen, verblasst er zunehmend, wird zum Schatten seiner selbst und zerbricht. Eine Idee, die die Genialität Kaufmans erneut beweist.

Doch bei der Umsetzung seiner Idee, unterlaufen Kaufman einige Fehler. Überhaupt wirkt "Synecdoche, New York" über weite Strecken wie ein kleiner Rohdiamant, aus dem man hätte wesentlich mehr machen können, hätte der einfallsreiche Kaufmann seine Ideen in Einklang gebracht und etwas straffer, übersichtlicher und spannender umgesetzt.

So sind zwischenzeitlich immer wieder Szenen eingestreut, deren Sinn sich, auch im Zusammenhang mit dem Gesamtkonstrukt, nicht so recht erschließen will und den Film infolge dessen ausbremsen. Außerdem wirkt die eine oder andere Nebenfigur etwas deplatziert, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass Kaufman einfach zu viele Ansätze in seinem Werk zu verwirklichen, weiterzudenken versucht, sodass es im Endeffekt ein wenig an Übersichtlichkeit mangelt. "Synecdoche, New York" hat somit einige vermeidbare Längen und Fehler.

Unterhaltsam ist das Geschehen unterm Strich dennoch. Dramatik und Tragik sind sicherlich gegeben, wenn man dem seelischen und körperlichen Verfall der Hauptfigur beiwohnt, zudem sind auch einige wenige recht amüsante Szenen dabei, auch wenn Kaufmans Humor dann doch ein wenig zu eigenartig ist, als dass die Tragi-Komödie so amüsant wie "Being John Malkovich" werden könnte. Im Hinblick auf die handwerkliche Inszenierung kann man Kaufman dabei keinerlei Vorwurf machen, so ist die melancholische Musik immer wieder gut eingebracht und der ungewöhnliche Schauplatz sehr gekonnt in Szene gesetzt.

Mit der facettenreichen Konstruktion der Hauptfigur bekommt Philip Seymour Hoffman die Chance geboten, sich in der Hauptrolle zu empfehlen und die nutzt er. Hoffman, der eine gewohnt präsente Leistung zeigt, spielt seine Figur glaubwürdig genug, dass ihr Schicksal durchaus zu fesseln vermag, spielt den gebrochenen, aber weiterhin sehr strebsamen und ehrgeizigen Theaterregisseur sehr differenziert und beweist einmal mehr, dass er zu den besten Charakterdarstellern der Welt gehört. Der restliche Cast weiß dabei ebenfalls zu gefallen und ist mit Catherine Keener, Jennifer Jason Leigh und Dianne Wiest zudem recht namenhaft besetzt.

Fazit:
"Synecdoche, New York" ist ein innovativer, einzigartiger Film, der von seiner hervorragenden Grundidee zehrt und das Ansehen, nicht zuletzt dank Hoffmans Gala-Vorstellung, durchaus wehrt ist. Doch Kaufman schafft es nicht, seinen Film zu straffen, ihn zugänglich zu machen, ihm den Feinschliff zu verleihen, was sich am deutlichsten dadurch äußert, dass Szenen vorhanden sind, die im Grunde überhaupt keinen Sinn im Gesamtwerk erfüllen.

64%

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