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Wenige Tage vor Weihnachten geistern der todkranke Ex-Knacki Jack (Ray Liotta), die Stripperin Rose-Johnny (Jessica Biel), der junge Bestattungsunternehmer Qwerty (Eddie Redmayne) und der todessehnsüchtige Charlie (Forest Whitaker) durch LA.

Auf Ihrer Suche nach Hoffnung, Liebe, Erlösung und Vergebung begleitet sie der Zuschauer bis zum Weihnachtsabend...

Die im Vorfeld verfügbaren Informationen zu "Powder Blue" waren ja schon mal sehr zwiespältig!

Allein schon die Besetzung mit Liotta, Whitaker und Jessica Biel, schien schon mal auf nichts gutes hinzudeuten! Dann waren natürlich noch die paar Oben-Ohne-/Tanzszenen von Biel im Gespräch und schliesslich gab auch noch Patrick Swayze den Löffel ab.

"Powder Blue" kommt durch Swayze`s Tod zu einer deutlich früheren dt. Veröffentlichung (vermute ich mal), um als sein letzter Film nochmals ordentlich vermarktet werden zu können. Hier sehe ich förmlich die Aasgeier am Horizont kreisen...


Swayze`s vorwiegend weibliche Fans. die meinen, ihr Idol hier nochmals in einer Art verklärter "Dirty-Dancing-Nostalgie" zu sehen zu bekommen, rate ich hier schon mal ab, sich "Powder Blue" anzusehen!

Erstmal hat der Mann gerade mal drei oder vier Szenen im ganzen Film, also maximal vier bis fünf Minuten Screentime. In diesen Szenen trägt er lange, blonde Haare, verkörpert den Boss des Strip-Schuppens in dem Jessica Biel tanzt und stellt einen alles andere als romantischen Charakter dar. Zudem bekommt er in der ersten Szene, in der er voll sichtbar ist, auch noch gepflegt einen geblasen...    Noch Fragen Ladies? 

Tja, aber auch diejenigen, die meinen sich an einer nackten oder halbnackten Jessica Biel aufgeilen zu können, kommen hier nicht unbedingt auf ihre Kosten.

Die bereits erwähnten Nackt- und Strip-Szenen von Biel sind zuerst mal nicht sehr häufig vertreten und zudem sehr dezent gefilmt. Sie dienen auch nie dem reinen Schaueffekt, sondern gehen immer einher mit der Öffnung ihres Charakters zu mehr Vertrauen, Liebe und letztlich Hoffnung.


Kommen wir jetzt zum Cast. Von Forest Whitaker über Ray Liotta und Jessica Biel bis zu Eddie Redmayne scheint sich ein extremes schauspielerisches Gefälle aufzutun, dass mit einer Art von gutem Film vordergründig ziemlich unvereinbar erscheint.


Überraschenderweise scheinen aber die Darsteller/innen wirklich zu ihren Rollen zu passen, diese ordentlich bis gut auszufüllen und im Falle von Jessica Biel erwartet einen sogar noch eine kleine Überraschung! Die Frau kann tatsächlich mehr als einfach bloß schön sein!!


Basis für eine Performance, deren Qualität nicht nur durch ihr Aussehen geprägt ist, ist hier das gute Drehbuch von Timothy Linh Bui und natürlich auch Jessica Biel`s Mut zur Nacktheit.

Die anderen Charaktere kommen aber ebenfalls sehr gut zur Geltung, wobei neben Biel vor allem Forest Whitaker aus der guten Ensemble-Leistung heraussticht. Sein um den Tod flehender Charakter Charlie kommt wirklich sehr intensiv rüber!


Ohne hier und jetzt mehr von der Story preiszugeben, muß man dem Drehbuch ebenfalls hoch anrechnen, dass hier nicht auf Nummer sicher gegangen wird, was sich selbstverständlich auch am Ende des Films zeigt.

Dieses wurde getreu dem Motto "Aus dem Tod entsteht neues Leben" angelegt. Was die Überlebenden daraus machen bleibt allerdings offen!


Neben den insgesamt guten schauspielerischen Leistungen und einem ordentlichen Drehbuch fiel mir vor allem noch die durch die Kamera eingefangene kalte Atmosphäre auf, die teilweise durch wirklich hypnotische Musik à la Massive Attack unterstrichen wird.

Für die kalten Bilder ist Kameramann Jonathan Sela verantwortlich, die Interpreten der entsprechenden Titel des Soundtracks sind mir allerdings bis jetzt noch unbekannt....


Dem in Vietnam geborenen Timothy Linh Bui, der hier als Drehbuchautor und Regisseur fungierte, muß man wirklich attestieren, dass er mit "Powder Blue" ein gutes, wenn auch sperriges und für ein Massen-Publikum untaugliches, Drama abgeliefert hat, dessen Themen wie z.B. Aufopferung in unserer egozentrischen Gesellschaft heutzutage praktisch kaum eine Rolle spielen.


Fazit: "Powder Blue" ist ein Film, der unter die Haut geht! Allerdings nur wenn man sich auf seine Charaktere, Atmospäre und Erzählweise einlassen kann oder will.Denjenigen Zuschauern, die auf Grund von Statements bzgl. Swayze und Biel hier hereinschauen, oder auch die, die auf ein leichtes Standard Drama à la Hollywood spekulieren, kann ich allerdings bloß abraten, sich den Streifen anzuschauen, denn sie kommen hier sicherlich nicht auf ihre Kosten!



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