Review

Während eines Aufklärungs-Einsatzes gegen Ende des Bosnienkrieges wird ein US-amerikanischer Kampfjet von Serben abgeschossen - die beiden Piloten können sich per Schleudersitz retten. Während der eine verletzt zurückbleibt und erschossen wird, muß der andere flüchten. Stets verfolgt von serbischen Einheiten sowie einem speziell auf ihn angesetzten Scharfschützen setzt eine temporeiche Flucht durch unwegsames Gelände ein, während im Basislager der Piloten - einem  Flugzeugträger vor der kroatischen Küste - ein Rettungstrupp vorbereitet wird, der aber nicht starten darf, da der zuständige UNO-Bevollmächtigte diplomatische Verwicklungen befürchtet. Somit muss Lt. Chris Burnett (Owen Wilson) noch einige Zeit im Feindesland ausharren und sich ohne Orts- und Sprachkenntnisse bis zu einem geeigneten Treffpunkt durchschlagen...

Basis für diesen im Hurra-Patriotismus-Stil abgedrehten Kriegsfilm war der tatsächlich seinerzeit abgeschossene US-Pilot Scott O’Grady, der jedoch diese filmische Umsetzung nicht autorisierte und später gerichtlich gegen die Produktionsfirma vorging - ein Umstand, der angesichts des hanebüchenen Drehbuchs und der massenweise auftretenden Logiklöcher nur allzu verständlich scheint. Behind Enemy Lines, so der Originaltitel, ist nämlich ein seichtes Action-Spektakel geworden, wie es sie schon zuhauf gab und gibt, das den Stars-and-Stripes-Helden abfeiert und sich ansonsten über jedwede Logik hinwegsetzt.
Auch die den Film aufwertende Teilnahme des eigentlich bessere Rollen gewohnten Gene Hackman als Navy Admiral Reigart, der um "seine Jungs" altväterlich besorgt ist, dem aber seitens der "bösen" UNO die Hände gebunden sind, ändert nichts am fröhlich-sinnfreien Herumballern.

Die angesprochenen Plot-holes beginnen schon auf dem Flugzeugträger, als Burnett vor lauter Langweile den Dienst quittieren will und mit ein paar anderen das Flugzeug-Katapult benutzt, um einen Football in die Luft zu schleudern (der in Wirklichkeit zerfetzt worden wäre). Später, als er mit seinem Kollegen Stackhouse (Gabriel Macht) in der Luft von den Serben entdeckt wird, feuern diese zwei Raketen ab, die entgegen jeder Realität die waghalsigen Ausweichmanöver des F18-Jets mitmachen und ihm, schlecht getrickst, wie in einem Computerspiel über mehrere komplette Richtungswechsel folgen. Als der Kampfjet dann abgestürzt ist, sucht der am Bein verletzte Stackhouse keineswegs Deckung, sondern sitzt einfach so in offenem Gelände herum. Burnett (Wilson), dem fortan die Heldenrolle zugedacht ist, flieht einen Berghang aufwärts, wobei ihn die massiv eingesetzte serbische Artillerie einfach nicht treffen will - als er auf der anderen Seite herunterstürmt, schlagen wiederum Kugeln neben ihm ein, was technisch vollkommen unmöglich ist. Aber es kommt noch besser: Bei einer stillgelegten Fabrik muss er durch einen Korridor von Minen-Stolperdrähten laufen, wobei er derart schnell sprintet, daß er der Kaskade(!) explodierender Minen entkommt... In einer anderen Szene zapfen seine Kollegen vor der Küste einen Satelliten an, der ihnen recht genaue (Wärmekamera-)Bilder des Geschehens liefert, just in dem Moment, als sich Burnett vor den Serben unter verwesenden Leichen versteckt und dadurch nicht erkannt wird. Aufnahmen dieses Genozids an bosnischen Moslems, zu Beginn aus der Luft gefilmt, dienen als historisches Feigenblatt für die ansonsten völlig verquaste Story, am Ende muss das diesbezügliche Kamera-Tape aus dem abgestürzten Schleudersitz geborgen werden, welcher sich auf einem zugefrorenen See auf einem Berg befindet - hier findet dann auch der Showdown statt, wenn der wackere Burnett in wundersam sauberer Uniform überlegener motorisierter serbischer Artillerie ein letztes Mal trotzen kann und von US-Helikoptern gerettet wird...

Der dünne historische Kontext dient dem patriotischen Filmchen natürlich nur als Hintergrundkulisse, immerhin sind die uniformierten serbischen Schergen in ihrer Dumpfheit halbwegs zutreffend dargestellt (Ausnahme der hellwache Scharfschütze im Trainingsanzug), wobei deren Waffen tschechischer Herkunft nicht sonderlich auffallen, genausowenig wie die frei erfundene Ortschaft Hac, in die Burnett von einem aus dem Nichts auftauchenden Elvis-Verschnitt (wtf?) im Pick-up mitgenommen wird. In Realitas würde eine Rettungsaktion eines abgeschossenen Piloten zum einen keine Zustimmung der UNO benötigen und von dieser auch nicht unterbunden werden, zum anderen würde ein gefangener amerikanischer Pilot ein wertvolles Pfand für Verhandlungen und Zugeständnisse aller Art darstellen, den man niemals einfach so - wie dargestellt - abknallen würde. Aber darum geht es in diesem in der Slowakei gedrehten Action-Reißer ja auch gar nicht...

Historisch, militärisch und spannungstechnisch also ein vollkommener Reinfall - immerhin weiß Behind Enemy Lines mit unfreiwilliger Komik und einigen übertriebenen CGI-Sequenzen um Superheld Owen Wilson streckenweise leidlich zu unterhalten, mehr jedoch nicht. 3 Punkte.

Details
Ähnliche Filme