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Die weiße Ratte und ein paar Todesfälle

In François Ozons bitterbösem „Sitcom“ wird eine bizarre französische Familie der Oberschicht durchgerüttelt und ins Chaos gestürzt durch immer mehr Geheimnisse, die von den verzweifelten Mitgliedern auf den Tisch geknallt werden und eine weiße Ratte, die für „schlechte Vibes“ sorgt…

Inzest & Interessenkonflikte

Heutzutage würde denke ich am ehesten Lanthimos sowas wie „Sitcom“ anfassen und machen, doch besonders in den 90ern war das von Ozon doch enorm mutig und seiner Zeit voraus… „Sitcom“ ist viel mehr als nur französisch, frech und frei. Das Ding ist ein Biest, wenn man genauer hinschaut, das in alle Richtungen kompromisslos ausschlägt! Der Inzest und die Ratten, die Vorurteile und das Schwulsein, die Komplexe und Konflikte, das Kleinbürgerliche und das Spießertum, der Luxus und die Dekadenz, der Wahnsinn und das willige Fleisch. Teils ist das eine bizarre und verdammt garstige Mischung aus Pasolini, Bunuel und Sitcom-Satire. Das ist pervers, das ist verspielt, das ist verrückt. Das ist heute noch genauso aktuell wie damals. Das ist surreal, das ist komisch, das ist teils genial. Selbst wenn es etwas ausschnittartig, fragmentarisch, repulsiv und eher wie eine Fingerübung wirken kann. Aber es hat enorm Kante. Scharfe Zähne. Eventuell gar Tollwut. 

Tollwut & Tradition

Fazit: die Umkehrung von Klischees und Komik, von Sitte und Sünde… „Sitcom“ ist diabolisch böse, köstlich, weird, versaut, kurzweilig, kompromisslos, intuitiv und kurios! 

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