USA, 50er Jahre: Jeder ist angespannt, einer von zehn behauptet in seinem Leben ein UFO gesehen zu haben, zwei Drittel der Amerikaner sind überzeugt daß die Menschen auf diesem Planeten nicht die einzige intelligente Lebensform im Universum ist. Da kommen ein paar nach Aluminium glänzende Metallteile gerade recht. Diese findet man in Roswell, hübsch verstreut im Acker, alles sieht nach einem Unfall aus, wie wenn ein Luftfahrzeug (welcher Art auch immer) abgestürzt wäre.
Die Farmer können es sich nicht erklären, ebenso nicht die örtliche Polizei oder die Medien. Letztere bringen aber öffentliche und sogar internationale Aufmerksamkeit auf diese ominösen "Teile" und schon mischt das Militär kräftig mit, vertuscht, verschweigt, erklärt, widerruft die Erklärungen, lanciert Falschmeldungen - bald weiß niemand mehr was wahr ist und was nicht.
Dies ist kein Film, sondern die Realität. "Roswell - The Movie" versucht nun die Ereignisse in und um Roswell aufzuarbeiten und stellt detailliert und wahrheitsgetreu die Abläufe die damals geschahen dar. Hauptfigur ist Jesse Marcel, ein Army-Angehöriger der damals die angeblichen "Wetterballon-Teile" gefunden hat und nun Jahre später und seinem Tod nahe nach der Wahrheit sucht.
Die Verfilmung indes ist nicht annähernd so spannend wie die Beschäftigung mit den realen Fakten. Neues kann der Film sowieso nicht hervorbringen, allgemeines Wissen wird in bunten Bildchen und von einem mäßigen Soundtrack untermalt aufgewärmt.
Fast schon peinlich wirken die Szenen mit den "Aliens", insbesondere mit dem Überlebenden. Damit nicht alles gänzlich unglaubwürdig erscheint hat Regisseur Kagan die filmerische Umsetzung der Ereignisse als Erzählung dargestellt und arbeitet mit Rückblenden, so daß eine unrealistische Darstellung mit falschen Erinnerungen oder Unwahrheiten der jeweiligen Erzähler erklärt werden könnte - doch unterm Strich bleibt halt doch ein "G'schmäckle" zurück.
Wenige Dinge sind Hard Facts: Keiner vom Militär hat irgendwas vermisst, also kann es nicht vom Militär sein. Keiner von der Regierung hat etwas vermisst, also kann es nicht von der Regierung sein, kein Geheimprojekt, nichts. Keiner der Meteorologen hat etwas vermisst, also kann es kein Wetterballon gewesen sein. Das Interesse der offiziellen Stellen begann erst als sie ebenso wie die zivile Bevölkerung aus den Medien davon erfahren haben. Das Material ist zweifelsohne kein normales Aluminium gewesen. Ob da Leichen waren oder nicht, wenn ja wie sie aussahen - das sind Spekulationen und vielleich tatsächlich aufmerksamkeitsheischende Ausschweifungen wichtigtuerischer Menschen gewesen.
Aber diese zentralen Fragen sind (bis heute!) Ausgangspunkt verschiedener Erklärungen, ebenso die Geheimnistuerei um Area 51 (eine Folge von Roswell). Schade, daß der Film hier nicht viel stärker darauf eingeht.
Die Schauspieler können leider auch nichts retten, allesamt sehr blaß. Kyle MacLachlan ist und bleibt der einzige Grund sich für diesen Film zu entscheiden. Martin Sheen wäre ein theoretisch zweiter Grund, allerdings entschädigt sein Kurzauftritt kaum für die Gesamtinszenierung. Die unterdurchschnittliche Bildqualität ist der Filmfreude auch wenig förderlich.
Wer sich für die Thematik interessiert findet hier ein Standardwerk dazu, wer einfach nur einen guten Film genießen möchte sollte zu etwas anderem greifen.
(6/10)