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Ein großes Déjà-vu schon in den Eckdaten, im Regisseur Harald Vock, der zuvor mit den Paukern und dem Hochwürden zugange war, mit der doppelten Sperrspitze vom sowieso stets anwesenden Georg Thomalla, der schon zum Inventar des deutschen Schlagerfilmes und dessen Oberbegriff des Heimatfilmes und dies zusammen mit dem damals auch oftmals vertretenen Chris Roberts zählt. Der Schauplatz ist der gleiche wie immer, die Geschichte mal nicht vom Erich Tomek, aber diesen in Sachen Verwechslung und Verwirrung deutlich nacheifernd und das Ganze nur minimal variierend:

Der Münchener Reiseveranstalter Dr. Karl Maria Wegner [ Georg Thomalla ] plant entgegen dem Wunsch seiner Frau Mathilde [ Lotte Ledl ] und den beiden Kindern Gaby [ Ireen Sheer ] und Erich [ Mark Ramershoven ] seinen ersten Urlaub seit 20 Jahren ausgerechnet im eigenen Kärntner Parkhotel zu verbringen; natürlich um dem neuen Hoteldirektor [ Peter Weck ] auf die Finger zu schauen und deshalb auch inkognito zu reisen. Leider warnen seine Mitarbeiter die Angestellten vor Ort vor, und leider wird der mit seiner kriminalsüchtigen Mutter [ Rose Renee Roth ] anreisende Bubi Berger [ Heinz Reinecke ] für den V.I.P. gehalten und entsprechend umschwärmt. Wegner hat neben dem dafür umso schlechten Service aber noch andere Probleme, ist doch seine einmalige Bettgeschichte, die junge Elfriede Klette [ Christiane Rücker ] auch vor Ort und einem weiteren Techtelmechtel (oder der Entschädigung in Klunkern) nicht abgeneigt. Zudem will er den nahegelegenen, vom alternden Naturburschen Raimund Anger [ Rudolf Prack ] leider defizitär geführten Wildpark kaufen und das Naturschutzgebiet in einen Apartmentkomplex umwandeln, weswegen er die Missbilligung von Angers Neffen und Nichten, dem noch im Hotel als Mädchen für alles tätigen Walter [ Chris Roberts ] und seiner Schwester Monika [ Ute Kittelberger ] auf sich zieht.

Urlaub ist für viele, nicht für die meisten ein hinfort aus dem Stress, aus dem Alltag heraus, aus dem Trott der Großstadt und dem Hamsterrad des Berufslebens, hinfort vom Geld verdienen das ganze Jahr und dem seltenen sich selbst etwas gönnen und sich auch mal belohnen. Den Weg zeichnet auch dieser Film hier, es kommen die aufgeregten Bilder der wuselnden und prosperierenden deutschen Metropole, die Aufnahmen der Hektik, des Business, des Konsums, die Häuser hoch und breit und die Menschen in Massen und die Leute im Trubel. Der Rummel wird natural auch vom Thomalla verkörpert, keine Rast und keine Pause, die Sätze sich überschlagend und der Körper wie im Wahn und im Anfall. Drei Kreuze machen die Personen in seiner Umgebung, wenn er endlich hin und fort ist, der Zuschauer selber sieht ihn allerdings auch dann mehr von vorn aus nächster Nähe als weit hinten am Horizont nur den Rücken zukehrend; Thomalla leitet die Geschichte ein und bestimmt auch das Tempo und das Gewimmel.

Vock als Leiter des Ganzen schreibt auch die Geschichte, unter Synonym hier, die Machart ergibt sich aus der Tradition, dem Können und der Ära. Schnelle Schnitte, schnelle Schritte, viele Stars und viel Bewegung, dazu Musik aus dem Lautsprecher und ab der Mitte der Laufzeit drei flotte Einspieler über den Bildern, ein eigenes Tempodrom mit Schwung und Erhebung, mit Aktualität, mit Nostalgie, mit Vollverpflegung. Selbst die Architektur kommt dem Gewohnheitszuschauer sattsam bekannt und vertraut vor, das Reisebüro ist aus Rudi, Benimm Dich! oder Wer zuletzt lacht, lacht am besten, das Aussehen der Produktion hier wie dort dasselbe, die quietschgelbe Touristenbaracke vom Schloßhotel am Wörthersee natürlich auch und der Vollzug auch ähnlich. Dabei weist man hier allerdings zu Beginn und mit der Verlegung der Erzählung nach Kärnten gar etwas Selbstironie und konterkarierte Parodie auf: Der Ort ist anders als im dazu eingespielten Katalogtext alles andere als ruhig, leer, beschaulich und friedlich, sondern vollkommen überfüllt und mit dadurch auch billig wirkend.

Als folgend dann die Sketchparade mit den vertauschten Koffern, den verwechselten Gästen, den zwei gleich aussehenden Schmuckschatullen, dem Katzenzimmer für den Chef, wo weder Wasser läuft noch Abfluss, und dem nächtlichen Slapstick, wo kein Mangel an Männern im fremden Zimmer herrscht. Dramaturgisch ist das tatsächlich cleverer als üblich gehandhabt, wissen bald so einige Beteiligte von dem Irrtum, was aber in ihrem Interesse ist, und andere wichtige Personen haben die Macht der Information noch nicht, plus die 'Krimiplotte' aus dem Groschenheft. Auch ist das Szenario einen Hauch niveauvoller – kein Ilja Richter, dafür Rudolf Prack – und die jungen Frauen im Kader sind wie gewohnt lebensfroh und optisch fesch in Minirock und Mieder.

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