Die Liebe als Waffe. Die Liebe als Mittel zum Zweck. Die Liebe als Gegenstand eines Krieges. Das lässt sich über einen Klassiker des Film-Noirs, "Gilda", zweifelsohne sagen. Eine komplexe Dreiecksgeschichte über das höchste aller Gefühle, die Liebe, deren Facetten und Auswirkungen auf die Beteiligten.
Eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle stellt der Film dar, sowohl für die Beteiligten als auch für deren Betrachter, die Zuschauer. Da ist Gilda, die unnahbar wirkende, schöne Dame, die wie eine Diva wirkt. Sie ist die Gattin des Casinobesitzers Ballin Mundson, der auf einer Geschäftsreise den fieberhaften Spieler Johnny Farrell kennenlernt, ihn in sein Casino einlädt und ihn dort auch bald einstellt. Was man zunächst nicht weiß, ist die einstige Liebschaft zwischen Gilda und Johnny, doch der Zuschauer erfährt dies bald und ist somit Ballin ein gutes Stück voraus. Allgemein bleibt hier zu Beginn das Meiste im Unklaren, was die Beziehung zwischen Gilda und Johnny angeht. Die bestehende Hassliebe dieser Beiden zueinander ist jedoch nicht zu übersehen. Schnell bemerkt man, dass sie nicht mit, aber auch nicht ohne den jeweilig Anderen können.
Film-Noir-typisch gibt es keine richtige Identifkationsfigur, denn hier ist jeder Charakter ambivalent. Der eigentliche Held des Films, Johnny, entpuppt sich im Verlauf des Films auch nicht als die überaus sympathische Person, mit die der geneigte Zuschauer mitfiebern möchte. Er stellt quasi eine Art Antiheld dar, der zwar eine zentrale Rolle einnimmt, aber in der Liebe auch so seine Tricks hat, seinen Angebeteten größtmögliche Schmerzen und andere Erniedrigungen zuzufügen. Gilda, die die schöne, unantastbare Diva gibt, beschränkt sich ihrerseits nicht darauf, sondern immer wieder kommt zwischendurch zum Vorschein, dass auch sie Gefühle hat und nicht das emotionslose Monster ist, für das man es vordergründig hält. Zu guter Letzt wäre da noch Ballin, der Widersacher, der aber vor allem in seinem Verhältnis zu Johnny wahre Aufrichtigkeit und Loyalität beweist und somit auch nicht der vollkommen unsympathische Bösewicht des Films ist, obwohl sein Gangsterdasein, er ist immerhin Besitzer eines illegalen Casinos, schon sehr drauf deuten lässt.
Storytechnisch hat man es also mit einem sehr undurchsichtigen, unvorhersehbaren Film zu tun, in dem man irgendwie jedem Alles zutraut und man nie genau weiß, woran man gerade ist. Vor allem die Dreiecksgeschichte, die natürlich im Mittelpunkt des Films steht, steckt voller Wendungen und solch geschickten Dialogen, dass ein letztendlicher Ausgang des Films wahrlich schwer vorauszusehen ist. Mit zunehmender Filmdauer weicht die Liebe jedoch erstmal von der Bildfläche und der Zuschauer wird Zeuge eines perfiden Machtkampfes zwischen Gilda und Johnny, in dem auch bald Ballin verwickelt ist, als dieser Wind von der Affäre der Beiden bekommt. Da wird geliebt und geweint, gestritten und vergeben, doch nie möchte jemand so richtig seine Gefühle zeigen, sondern vielmehr nehmen. Den anderen zum Gefühle zeigen zwingen, da so der inoffizielle Sieger des eh heimlichen Spiels ausgemacht wird.
Filmtechnisch hat "Gilda" einige denkwürdige Szenen zu bieten, die, auch wenn der Film schon 60 Jahre auf dem Buckel hat, einem sicherlich ewig im Gedächtnis bleiben werden. Man denke da nur an Gildas Performance auf der Bühne, als sie ihr Lied zum Besten gibt und einen famosen Striptease hinlegt, ohne sich eigentlich auszuziehen. Auch die Beleuchtung des Films weiß mehr als zu überzeugen, wodurch auch die Optik einen wirklich großen Pluspunkt darstellt, der von der überzeugenden und für diese Zeit wirklich enorm fortschrittlichen Kameraführung bravourös abgerundet wird.
"Gilda" ist trotz seines Alters ein wirklich mitreißender, ehrlicher und undurchschaubarer Film über die Liebe, den damit verbundenen Stolz, Eifersucht und die Kunst, zu vergeben. Der etwas zu positiv geratene Schluss mag etwas vom guten Gesamteindruck ablenken, doch andererseits, wer ist sich nach diesem Verlauf des Films noch sicher, ob das auch alles so gemeint ist und so gut geht, wie es am Ende angedeutet wird.
8/10 Punkte