Der Film basiert auf einer aufgrund der Skurrilität kaum vorstellbaren wahren Begebenheit und dies lässt sich nur mit den Verhältnissen um 1928 herum und die damals herrschende gesellschaftliche Stellung der Frau und der korrupten Polizei erklären. Der Meister hochwertiger Thriller und Dramen der letzten Jahre Clint Eastwood schafft es erneut einen dramaturgisch hochwertigen und ein von der Authentizität und historischen Ausstattung kaum zu übertreffendes Drama zu kreieren. Warum ich ihn dennoch mit einigem Abstand und klarem Blick nicht als "Meisterwerk" und "einer der besten Filme aller Zeiten" wie hier teils zitiert bezeichne erkläre ich weiter unten.
Ohne etwas zu verraten hier in etwa die Story (OHNE SPOILER!): In LA 1928 verschwindet der Sohn Walter aus der Wohnung von seiner Mutter Christine während diese arbeitet. Ein Großsuche der Polizei ist ohne Ergebnis. Monate später präsentiert die Polizei der verzweifelten Mutter "ihren Sohn" den sie aufnimmt, aber sie weiß, dass es gar nicht ihr Sohn ist. Sie beginnt einen Kampf um die Wahrheit bezüglich ihres Sohnes............
Angelina Jolie ist für mich hier in einer der besten Rollen ihres Lebens. Dennoch spielt sie die verzweifelte Mutter zu bieder und eindimensional. Sie hat den halben Film verweinte Augen und kann diese auch perfekt abrufen. Dennoch habe ich nicht mit ihr bis zum äussersten gelitten. Eine aufs tiefste erschütterte Mutter die ihren Sohn vermisst hat durchleidet ganz andere emotionale Phasen. Immer auf Haltung und korrekten Sitz aller Gesichtszüge bedacht und stets bestens frisiert und geschminkt spielt sie sich seltsam distanziert und wie eine Diva durch das Geschehen. Das ist viell. auch Regisseur Eastwood geschuldet der die brave und konservative Frau so darstellen wollte.
Dem Realismus und Alltag einer solchen Tragödie über Jahre aufgrund solch eines schlimmen Verlustes kommt man damit nicht näher. John Malkovich hingegen spielt seine ganze Erfahrung aus und brilliert als Reverend Briegleb der Christine zur Seite steht. Zum ersten Mal im Leben in dieser Richtung (sonst fast immer umgekehrt) muss ich auch wie schon andere Rezensenten die FSK 12 des Films kritisieren. Hier wäre eine FSK 16 angebrachter gewesen.
6/10 Türstrichen....äh,....Punkten